5. Juni 2011

Yogyakarta

Meine Lieben

Mein Aufenthalt in Yogya hat unerwartet zufällig lustig begonnen: Kaum am Flughafen angekommen, habe ich mich rauchend umgekuckt, wie ich wohl am besten an die Malioboro Road komme, denn neben dieser sollte es viele schöne Losmen (Guesthouses) geben. Diesen Strassennamen konnte ich mir zur Ausnahme sofort merken, denn meist kann ich diese erst aussprechen wenn ich da angekommen bin, manchmal nicht mal dann. Bevor ich dies dem Taxifahrer mit Stolz beweisen konnte, entdeckte ich jedoch ein bekanntes Gesicht: Zoe! Ich wusste, dass sie Yogya einen Tag vor meiner Ankunft verlassen würde. Aber irgendwie haben sie und Abby (Mitbewohnerin von Jessie) ihre Weiterfahrt verpasst, wodurch die beiden eine zusätzliche Nacht in Yogya verbrachten. Um auf darauf anzustossen, verabredeten wir uns für den Abend. Small World!

Schlussendlich im Taxi, wollte der Fahrer natürlich wissen woher ich komme und wie ich heisse. Begeistert stellte er zudem mit einem Blick auf meine Waden fest, dass Frauen aus dem Westen alle so dicke Waden hätten. Seine Vermutung war, dass wir zu viel laufen und grosse Rucksäcke tragen. Hallo? Grosse Füsse, ja! Aber ich dicke Waden? Nach meinem ersten Mittagessen ganz alleine schlenderte ich durch die kleinen Gassen in der Umgebung meines Losmen. Da leben nicht nur Touristen sondern auch viele Locals mit unzählig unglaublich süssen Kindern, die alle miteinander spielen und viel liebevolle Aufmerksamkeit erhalten.

Nach einem leckeren Abend im Restaurant Via Via mit den Mädels, bin ich am nächsten Morgen mit Esme losgezogen. Esme ist Holländerin und war im selben Losmen wie ich zu Hause. Als erstes sind wir die Malioboro Road zum Kraton (Sultan Palast) runtergelaufen und ich war beeindruckt vom Verkehr in dieser Stadt. Hier gibt es weder Tuktuks noch Longtailboat-Taxis noch Schnellboot-Taxis noch Seitenwagen-Rikschas, dafür herkömmliche Rikschas und (neu!) Vierrad-Kutschen mit dünnen Pferden, die den ganzen Tag Abgas einatmen müssen. Auffällig ist auch die Vielzahl der Scooter, die den ganzen Betrieb noch chaotischer machen. Auf diesen Scooter sitzen teils ganze Familien: Papa natürlich vorne, zwei schlafende Kids in der Mitte und die Mama hinten. Und der Verkehr scheint keine Regeln zu kennen, ausser „de gschwinder isch de tiffiger“ und hupen was das Zeugs hält. Am Nachmittag wollten wir die künstlerische Seite von Yogya sehen und haben somit die Galeria Lana in einer Rikscha aufgesucht (wir haben uns extra den jüngsten Fahrer ausgesucht!), in welcher Bilder von Studenten auf Java ausgestellt werden. Besonders faszinierend waren jedoch nicht die Bilder selbst, sondern die Angestellte, die trotz super langweiligem Job (wegen tiefer Besucherfrequenz) extrem aufgestellt und lustig war. Ebenso wie Susi, die eine kleine Koryphäe in der Batik-Welt ist und mittlerweile vor allem von Aufträgen lebt, die sie durch jemanden anderen ausführen lässt, unter ihrem Namen, wenn ich das richtig verstanden habe. Sie hat uns grosszügig aus ihrer Welt erzählt und uns in der Nachbarschaft rumgeführt. Um uns abzukühlen sind wir danach in einen grossen, edlen, klimatisierten Indomarkt (wie Migros oder Coop). Dort kriegt man alles und die Fische schwimmen in kleinen Aquarien. Wenn man dann einen ausgesucht hat, kann man zukucken, wie zuerst die Schuppen entfernt werden, bevor der arme Fisch schlussendlich aufgeschlitzt wird. Der Appetit ist uns zum Glück nicht vergangen und so liessen wir uns am Abend von Bedhot, dem Besitzer unseres Losmen, zum Fischessen ausführen. Und zwar in seinem purpur weissen VW Jahrgang 1958 (Gordon, ein Grund zum neidisch werden!). Im Fischzeltrestaurant sassen wir an einem tiefen Tisch am Boden auf einem Teppich auf der Strasse, wie dies in vielen anderen Imbiss-Ständen hier die Regel ist. Und so ass ich glaub’s zum ersten Mal in meinem Leben einen ganzen, grossen Krebs! Zu spät machten sich Esme und ich schlussendlich auf den Weg ins Ramayana Ballet um uns den traditionellen Tanz mit Live-Musik anzuschauen. Besonders die Kostüme und die Beherrschung der Gesichter fand ich bemerkenswert – kein Muskelzucken und kein Nasenrümpfen, einfach nur mimiklos kucken.

Das hätte ich eigentlich am nächsten Tag trainieren können, denn ich wurde auf meiner Tour zu den bedeutendsten Tempelanlagen Südostasiens auf unzähligen Fotos festgehalten. Borobudur (Buddhistisch) und Prambanan (Hinduistisch) waren tatsächlich eindrücklich schön, Spiritualität liessen sie jedoch wenig aufkommen. Dafür können sie aber nichts. Schuld daran sind die ganzen Schulklassen, die zu hunderten diese Bauwerke stürmen, besonders an Auffahrt – und wohl von den Touristen mehr fasziniert sind als von den Tempeln. So wurde ich rund um die Uhr beobachtet und dauernd fotografiert. In der Regel nicht ohne nett um Erlaubnis gefragt worden zu sein. Zum Glück hatte ich meine grosse Sonnenbrille dabei, wodurch ignorieren einfacher wurde, denn irgendwann ist fertig lustig, besonders wenn die Tour um 5.00 Uhr morgens startet.

Und so bin ich am frühen Nachmittag erschöpft wieder im Losmen angekommen und auf Cathrin gestossen. Sie ist ursprünglich aus Deutschland, hat aber die vergangenen zwei Jahre auf Bali gearbeitet und während ihres Studiums ein Jahr in Yogya verbracht. Morgen wird sie zu ihrem Liebsten in die Schweiz fliegen und sich an die strukturierte Arbeitswelt in Luzern gewöhnen müssen. So war sie auf Bye Bye Tour in Yogya, auf welcher ich mich ein bisschen angeschlossen hab. Denn am nächsten Tag bin auch ich bereits wieder weitergezogen und scheinbar endlos Bus gefahren...

Ciao adios bye

Flavia

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