7. Oktober 2015

Pulau Penang - Georgetown


Meine Lieben

Das Thai-Boxing erwies sich als das Nicht-Originale, was vielleicht auch besser war, denn ich wüsste nicht, ob ich tatsächlich hätte hinkucken können – auch wenn mich dieser Sport total fasziniert. Was wir antrafen war das Ende eines Amateur-Thai-Boxing-Kampfes und kuckten danach zwei Ami-Kollegen zu, wie sie(zum Glück) geschützt aufeinander losgingen. Claudia und ich zogen ernsthaft kurz in Erwähnung als Spass gegeneinander anzutreten, entschieden uns jedoch dagegen. Wie um Himmelswillen sollten wir einander angreifen können? Und nur um uns kaputt zu lachen, mussten wir uns ja nicht auf der Bühne zum Affen machen. Es ward trotzdem ein lustiger Abend!

Mal wieder bisschen übernächtigt, standen wir am nächsten Morgen pünktlich am Pier und nahmen unsere Plätze unten im Deck ein, eingewickelt in unsere Jacken, da die Klimaanlagen jeweils auf tiefsten Winter eingestellt werden. Wieder am Land, suchten wir den Organisator und wurden schlussendlich fündig. Ein sehr unfreundlicher Chauffeur liess uns ohne Erklärung stehen, bis er uns dann abholte und zu unserem Bus brachte. Leider waren wir die letzten und erhielten somit auch die unbequemstem Plätze  und wir hatten ja eigentlich einen Car erwartet – die nette Dame am Abend zuvor hatte uns doch ein Bild gezeigt von so einem klimatisierten Ding! Wie auch immer, Claudia in der Mitte vorne eingequetscht und ich zuhinterst, ging die Reise los und niemand im Bus schien zu wissen wohin genau und wie lange wir tatsächlich wie Sardinen eingepfercht verharren mussten. Irgendwann starb auch die Hoffnung, dass wir nur zum nächstgelegenen Carbahnhof gebracht werden, wo wir umgeteilt würden. Da ich weder rechts noch links aus dem Fenster kucken konnte und an schlafen auch nicht zu denken war, las ich in meinem dicken Buch und verpasste die ganze Landschaft, um mich von Thailand verabschieden zu können. Aber die Studentin aus Amsterdam neben mir war wenigstens nett. Mitten am Nachmittag in Hat Yai war’s dann jedoch soweit und wir durften umsteigen, immer noch ein Bus für 10 Personen, aber nicht mit 12 gefüllt und ein sympathischer Driver. Zudem stieg ein aufmerksames Pärchen zu, das uns alle freundlich begrüsste (ist seltsamerweise nicht selbstverständlich, zumindest nicht in Thailand). Wie sich später herausstellte, sind die beiden aus Kapstadt, Südafrika, nun aber als Englisch-Lehrer in Thailand unterwegs und erleben dadurch die Kultur des Landes hautnah – und haben natürlich auch schön viel Ferien, die sie mit Reisen verbringen können. An diesem Tag aber gingen sie (wie viele andere) wegen des Visas über die Grenze. Am Zoll wurden wir von einem lustigen Beamten durchgelassen, der uns herzlich in Malaysia begrüsste. Da der Zollaufenthalt doch bisserl Zeit beanspruchte, war bereits die Dämmerung eingebrochen als wir weiterfuhren. Dennoch konnten wir uns einen ersten Eindruck von Malaysia machen und waren erstaunt, wie westlich vieles ist – zumindest dort, wo wir durchgefahren sind. Die haben Shopping Malls, da können Sihl City, Letzipark und Glatt einpacken! Alles scheint auch aufgeräumter als in Thailand und noch nicht so von Touristen übersät und vor allem nicht mit den alten Europäer, die sich ein blutjunges Thai-Mädel fischen.

Und dann passierten wir endlich den Übergang von Butterworth nach Pulau Penang, was eine grosse Insel ist. Wir wurden an der Touristen-Meile rausgelassen, wo wir uns auch gleich im Banana Guesthouse ein Zimmer nahmen und essen gingen, irgendwo in einem Hinterhof an der Strasse, da wo sich Malaysier und Touristen mischen. Allgemein haben wir bis anhin den Eindruck erhalten, dass hier nicht so viele Touristen sind wie in Thailand und wenn dann, sind es tendenziell andere Touristen, angenehmer, authentischer  insofern man diese Beschreibung für Touristen benutzen kann. Nach einem malaysischen Bier verschwanden wir in unserem Zimmer und ruhten uns von den Reisestrapazen aus. Am nächsten Morgen organisierten wir als erstes die Weiterreise, denn schnell war klar, dass wir mehr Lust auf Meer hatten. Langer Rede, kurzer Sinn: Wir entschieden uns für den Nachtbus, der uns abends um 20.00 Uhr nach Kota Bharu bringen soll um von da auf die Pulau Perhentian zu gelangen. Und dann stürzten wir uns in der bratenden Mittagshitze in die Strassen von Georgetown. Claudias Orientierungssinn wurde erneut auf die Probe gestellt und so war sie froh um meinen. Dafür bewahrte sie mich,die mal wieder als „Heidi guck in die Luft“ unterwegs war, vor Löcher und Gitter auf der Strasse und vorbeifahrenden Autos. Denn über die Strasse zu kommen ist in Georgetown ein wahres Erlebnis und Fussgängerstreifen gibt es keine. Und Fussgänger haben hier  genauso wie im Tessin keinen Vortritt. Nun, wir ergänzen uns gut, wir zwei. Genauso wie sich die verschiedenen Kulturen in Georgetwon friedlich nebeneinander leben und arbeiten, quasi ergänzen. Hier treffen insbesondere die Chinesische und Indische Welt aufeinander. So I got a taste of India, Little India – and I loved it! Genau so habe ich mir das vorgestellt: Die Musik, die aus verschiedenen Ecken strömt und zum Tanzen einlädt, überall diese verschiedenen Gerüche, fahrende Samosa-Verkäufer und indische Sarongs wohin man blickt. Wenn sich Big India nur ein bisschen so anfühlt, wie Little India in Georgetown, werde ich da zu Hause sein. Ich war wirklich emotional berührt und wäre am liebsten doch noch ein bisschen geblieben und hätte mich durch die vielen Stände gefuttert und mir alle Läden mit den unglaublichsten Dingen angekuckt. Letzteres ist jedoch not easy, wenn man nichts kaufen sollte: Für die Händler ist es ja nicht sonderlich spannend, mir all die Informationen über ihre oft selbst hergestellten Dinge zu geben, wenn ich schlussendlich peinlich berührt gestehen muss, dass ich als Reisende zu wenig Platz und Kraft habe, alles mitzutragen.

Auch Little China durchliefen wir und es bestach durch einen besonders atmosphärenreichen Tempel: Überdimensionale Rauchstäbchen und bunte Blumenverkäufer vor dem Eingang – Andacht lag in der Luft. Speziell war auch, dass man Vögel in einem Käfig frei kaufen und diese fliegen lassen konnte. Claudia hat dies natürlich sofort das Herz gebrochen und am liebsten hätte sie alle gekauft. Obwohl wir angemessen angezogen waren, trauten wir uns nicht in den Tempel reinzugehen. Die in Gedanken versunkenen, betenden Chinesen vor dem Eingang ignorierten uns und sahen nicht so aus, als hätten sie auf uns gewartet – und so gingen wir weiter und sahen uns andere Tempel und Moschen an - auch diese nur von aussen – und ebenso das Fort Cornwallis, was an die britische Eroberung erinnert.

Überhitzt landeten wir am Ende wieder in Little India, wo auch unser Teacher-Couple im selben Restaurant leckere Lassis genoss, im Schutz eines Ventilators. Wir schlossen uns noch so gerne an, bestellten jedoch den frisch gepressten Apfelsaft, den wir in einem anderen Imbiss-Stand im Laufe des Nachmittages entdeckt hatten. Imbiss-Stand ist eigentlich auch nicht das richtige Wort, es ist wohl mehr ein Restaurant, aber nicht so, wie wir dies kennen: Am besten beschreib ich die „Ess-Nieschen“ wohl als nach innen verlängerte Vorderdächer ohne Wände und Scheiben. Alles klar? Und die Plastiktische und -stühle in viel verschiedenen Farben, sind rund um die Uhr besetzt, denn gegessen wird immer!

Hätten wir uns übrigens eine Rikscha gegönnt, hätten wir uns einige Schweissperlen sparen können. Denn hier gibt es weder Tuktuks noch Longboat-Taxis, dafür Rikschas. Jedoch waren die Fahrer, die wir gesehen haben, jeweils ziemlich hohen Alters und so wollten wir ihnen unser Gewicht nicht antun. Manche schienen nicht mal mehr genug Kraft zu haben, ihre Dienste lauthals anzupreisen. Claudia meinte böse, dies sei wohl ein aussterbendes Geschäft...

Behaupten, dass wir Georgetwon nun kennen, können wir nicht, aber wir haben durchaus einen guten Einblick erhalten. Und um das Leben da wirklich kennen zu lernen, müssten wir wohl einen Rikschafahrer ablösen oder uns als Verkäuferinnen in einem dieser abertausenden von Läden bewerben, die nichts verkaufen, was es nicht gibt – oder als Englisch-Lehrerinnen unterwegs sein.

Ciao adios bye

Flavia