20. Juni 2011

Gili Trawangan


Meine Lieben

Ui, ich bin noch immer am Schwanken! Nein, nicht weil ich zu viele Partys gefeiert habe, sondern weil ich grad vier Tage und Nächte auf einem Boot verbracht habe, das uns nach Flores gebracht hat. Da bin ich nun, in der Tree Top Bar mit bezaubernder Aussicht auf den Hafen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Gili Trawangan ist wie aus dem Katalog im Reisebüro: Wunderschöne Strände und alle Leute sind glücklich. Ferienstimmung pur! Super touristisch, aber dennoch angenehm – obwohl sich nur 50 Meter hinter der „gebauten Restaurant- und Bar-Gardine“ einige heruntergekommene Häuser reihen und viele Locals in Baracken leben und sich ausschliesslich vom Tourismus ernähren. Ziemliche Gegensätze, die sich auch nicht einfach überwinden lassen und über die sich Stunden diskutieren lässt. Schlussendlich profitieren aber dennoch alle inkl. ich von dem verlockenden Angebot und geniessen einfach - denn während einem leckeren Essen bei Sonnenuntergang lässt sich schnell vergessen...

Da meine Suite für mich alleine doch bisserl zu viel Luxus war und ich mir ja auch sonst viel gönne, bin ich am nächsten Morgen losgezogen um mir eine einfachere Bleibe zu suchen. Nach grossem Umweg und Rauchpause im Bungalow von drei jungen Schweizermädels wurde ich schlussendlich fündig: Vier familiäre nigelnagelneue Bungalows mit Dusche unter freiem Himmel! Zudem hörte ich von weitem breites Berndeutsch: Patrice und Gabriel, zwei sympathische Studis, die ich sofort in mein Herz schloss. Abends zogen wir los um Hangover II im Freiluftkino anzukucken: same same but different then Hangover I. Und es wäre übertrieben zu sagen, dass ich mich an den Rest der Nacht nicht erinnere, aber es war definitiv lustig! Irgendwann liefen wir nämlich Nadja und Lisa über den Weg. Die beiden umwerfenden Schwestern aus dem grossen Kanton habe ich bereits mit Claudia auf den Perhentian Islands kennengelernt und dann per Zufall in KL auf einer Hintergasse wieder getroffen. Mit ihnen unterwegs waren auch Maria aus Deutschland sowie Martin und Silvan usem Rhintal in der Schweiz. Mit Maria habe ich schon in Yogya Bier getrunken, mit einem Australier, von dem wir beide nicht begeistert waren, was offensichtlich war, nun aber bestätigt wurde. Allerdings dauerte es ein paar Sekunden bis wir realisierten, dass wir uns tatsächlich schon kannten – die Welt ist bekanntlich klein, aber so klein?  Wie auch immer, nicht ganz nüchtern entschieden wir uns kurz vor dem Schlafengehen, in ein paar Stunden wieder aufzustehen um die Wellen auszuchecken, was wir auch taten: Voller Elan paddelten wir auf unseren Surfboards im Wasser. Bald schon versuchte ich die erste Welle zu rocken, auf der ich dann auch ein bisschen stand, obwohl mein Bein unheimlich schmerzte: Irgendein anderer Bloody Beginner wollte wohl dieselbe Welle wie ich und hat mit dem Board resp. mit den Finnen mein Bein gerammt. So war dann mein Surfversuch schnell beendet, eine mittlere Fleischwunde prangte direkt in meiner rechten Kniekehle sowie ein paar Striemen an meiner Wade. Die Wunden wurden zurück an Land sofort von ein paar Locals mit Pflanzenwunderheilmittel verarztet, was höllisch brannte. Zurück im Bungalow halfen mir Patric und Gabriel fachmännisch ein Pflaster an die schmerzende Stelle zu kleben (danke Jungs!) während Kumaran Gitarre spielend neben uns auf der Veranda sass und sich unserer Gruppe anschloss. Kumaran ist aus Neuseeland, hat jedoch Srilankerische Wurzeln, wird bald als Anwalt in London arbeiten und hat eine der schärfsten Bräute der Insel abgekriegt. Die meisten Tage verbrachten wir nach Ausschlafen und Frühstücken quatschend und lachend in einem hübschen Bungalow am Strand und tranken Bananen-Orangen-Saft (Patrice hat’s erfunden, gell!) um uns auf die bevorstehenden Abende vorzubreiten. Ich hab ja gesagt: It’s Party Time! Und die findet man auf Gili Trawangan jede Nacht woanders. Offiziell allerdings immer Montags, Mittwochs und Freitags. Am tollsten fand ich die Full Moon Party eine Nacht vor Vollmond: Direkt am Strand unter Sternenhimmel und Lagerfeuer... wo ich dann zufällig auch Rene kurz wieder traf und mich vergewissern konnte, dass es ihm definitiv gut geht. Und auch Mark aus England feierte mit uns, crazy boy!

Um dann doch noch bisserl was anderes zu sehen, haben wir, also Nadja, Lisa, Uli (ebenfalls aus Deutschland) und ich, einen Adventure Night Dive gebucht. Eindrücklich, aber nicht ganz so fantastisch wie ich mir das vorgestellt habe – entweder bin ich definitiv verwöhnt oder ich hatte einfach Pech. Die Schildkröte in Flashlight sowie das leuchtende Plankton ohne Taschenlampe waren faszinierend, aber der Rest der Unterwelt hat sich leider vor uns versteckt. Und ich hab mir schon wieder den Allerwertesten abgefroren, sicherlich mit ein Grund, weshalb ich das dunkle Nass nicht zu 100% geniessen konnte.

Einmal mehr hat neben der Schönheit der Insel das Zwischenmenschliche meinen Aufenthalt auf Gili Trawangan unvergesslich gemacht. Die Gruppe war schlussendlich auch der ausschlaggebende Punkt, weshalb ich mich spontan entschieden habe, zusammen mit Nadja, Lisa, Kumaran und Dani aka Gandi aus Österreich den Boat-Trip nach Komodo und Flores zu buchen, obwohl ich ursprünglich dachte, das kann ich auch noch mit fünfzig tun. Zudem ist meine Wunde noch nicht sauber verheilt wodurch ich nicht allzu viel Zeit mit Surfen im Salzwasser verbringen möchte – und ehrlich gesagt bin ich auch grad bisserl gewarnt resp. ich hab nun einfach Schiss, wenn zu viele Surfwilde im Wasser warten. Indonesien bietet zum Glück viele lohnenswerte Alternativen und die koste ich aus!

Ciao adios bye

Flavia

PS: So viele Schweizer und Deutsche wie auf dieser Insel habe ich wohl nirgendwo getroffen. Aber es ist schön zur Abwechslung mal wieder so zu sprechen wie mir der Mund gewachsen ist. But my English gets better, I think.

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