31. Mai 2011

Singapore


Meine Lieben

Abenteuer habe ich mir anders vorgestellt: Nach dem wir in Singapore angekommen sind und in Little India (juhui!) ein Hostel gefunden haben, was dank Bank Holiday gar nicht so einfach war,haben wir direkt dasRaffels Hospital aufgesucht. Wietske sollte wegen eines Tuktuk-Unfalls in Bangkok ihre zweite Tollwutspritze erhalten und René wollte sein Herz untersuchen lassen. Seit ca. zwei Monaten hat er das Gefühl, dass nicht alles in Ordnung ist, insbesondere wenn er sich sportlich betätigt oder gar fliegt. Er hat dies jedoch sauber verdrängt bis seine älteste Tochter geträumt hat, dass er einen Herzinfarkt hatte – und sein Vater starb an einem solchen. Trotzdem nichts Böses ahnend haben wir also die Ergebnisse abgewartet und waren dann ziemlich geschockt, als es hiess, er müsse zur Überwachung gleich da bleiben, es sehe gar nicht gut aus. Wietske und ich haben also sein Zeugs im Hostel geholt und sind wieder zurück gegangen, da lag er auf der Intensivstation, überall Kabel und Herzfrequenz, mittlerweile mit dem Aussehen eines 50jährigen, aber mit einem Lachen im Gesicht. Dies hat aber am nächsten Tag aufgehört, denn René hat weder Word Wide noch Reiseversicherung und somit war die Zahlung der notwendigen Behandlung unklar. Und eine Herzoperation in einem Privat-Spital in Singapore ist eben auch nicht gratis. Sehr unschön – it’s all about money!

Nach dem Wietske und ich den Freitagabend und Samstagmorgen im unterkühlten Spital verbracht haben, mussten wir raus - denn schlussendlich wollten wir trotz mieser Situation einen Eindruck von Singapore erhalten. So sind wir zum Marina Bay gelaufen, wo all die eindrücklichen Architekturen stehen. Das Schiffhotel (hab noch nicht rausgefunden, wie das wirklich heisst) ist besonders speziell: Drei Glastürme die auf dem Dach durch ein Objekt verbunden sind, das aussieht wie ein Schiff. Und wenn man dann da hochfährt, haut einem der Luxus um: Palmen und Swimmingpool mit direktem Blick auf die Stadt – ähnlich wie die Terrasse im neuen Thermalbad im Löwenbräuareal in Zürich, jedoch um ein Vielfachesimposanter! Definitiv wunderschön, irgendwie aber nicht das richtige nach einer Woche auf der einsamen Insel und Backpacker-Klamotten. Trotzdem sind wir in dieser Gegend geblieben und haben uns rumgeschaut. Die ganze Geschichte mit René hat uns verständlicherweisenicht sonderlich heiter gestimmt und nicht mal die Sonne schien an diesem Tag. Alles war grau in grau. Vergleichen sollte man nicht, jedoch kam ich nicht drum rum, an Kuala Lumpur zu denken, was mich um ein vielfaches mehr begeistert und inspiriert hat, was Wietske wiederum nicht nachvollziehen konnte. Geschmäcker sind verschieden, aber auch sie konnte keine grosse Begeisterung für diese Stadt aufbringen, irgendwie fehlte uns der Spirit und das Leben. Vielleicht aber auch, weil Singapore sehr westlich ist und ich nicht danach auf der Suche bin, das habe ich zu Hause.Klar hat auch Renés Situation nicht zur Sympathie dieser Stadt beigetragen und alles dunkel überschattet - obwohl das Personal im Spital super nett und zuvorkommend war, wie allgemein die meisten Leute hier. Somit ist es schwierig einen objektiven Eindruck von Singapore wiederzugeben– aber vielleichtkriegt Singapore irgendwann eine zweite Chance, denn als Business Place ist diese Stadt definitiv interessant.

Am Abend erhielten wir zum Glück gute Neuigkeiten bei einem weiterem Besuch im Spital: Mit grosser Wahrscheinlichkeit würde die Versicherung von René den Betrag bezahlen, der in Holland für eine solche Herzoperation üblich ist und das Spital willigte dadurch ein, ihn am nächsten Tag zu operieren – denn ein Rückflug nach Holland wäre zu riskant gewesen. Erleichtert haben Wietske und ich mit viel Wein auf René angestossen und mit der zweiten Flasche wurde der Wein besser. Beste Ausgangslage um in einem Dorm trotz Schnarchgeräuschen tief und fest zu schlafen. Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg nach China Town. Interessant ist, dass hier definitiv „fast nur“ Chinesen unterwegs sind, und in Little India entsprechend „fast nur“ Inder. Irgendwie logisch, bis anhin habe ichdasaber nicht registriert, wohl weil ich vom Tumult überwältigt war– und eben dieser Tumult hat in dieser China Town gefehlt. So sind wir weiter gezogen an die Orchad Road, wo sich eine Shopping Mall nach der anderen reiht. Dabei sind wir voller Überzeugung in die falsche Richtung gelaufen. Ich glaube eine miserablere Orientierung hatte ich noch in keiner Stadt! Schlussendlich sind wir jedoch im Ziel angekommen und ein kleines Andenken fanden sowohl Wietske als auch ich.Zufrieden gingen wirmal wieder René besuchen, der mittlerweile wohlauf seine Operation hinter sich hatte und betreffend Befund nachdenklich war: Die Vene (no cluewhichone!), die schlussendlich operiert werden musste, war zu 99% zu - er konnte dies während seiner Operation sogar live sehen, denn er hatte nur eine lokale Anästhesie! Die Operation war somit absolut notwendig und höchste Zeit! Und uns wurde die Trageweite der Situation bewusst: René wollte eigentlich auf die anstrengende Hiking Tour nach Juaramitkommen, ist aber nach 10 Minuten umgekehrt, weil er sich nicht wohl fühlte dabei. Die Chance, dass er diese nicht überlebt hätte, wäre tatsächlich gross gewesen und Wietske und ich hätten keine Chance gehabt, ihm zu helfen! Seine Tochter hat ihm wohl das Leben gerettet – und uns vor einem unausdenkbaren Schock bewahrt!So wie’s aussieht, ist alles wieder gut und René wird in den nächsten Tagen nach Bali weiterziehen, denn wo kann man sich besser psychisch und physisch erholen als an einem schönen Strand – plus ist seine fantastische Wohnung in Amsterdam untervermietet.

Heute Morgen bin auch ich weiter gezogen, nach Yogyakarta. Zwar habe ich noch nicht viel dieser Stadt gesehen, aber sie ist definitiv anders als zu Hause und das gefällt mir. Und ich geniesse nach vier Wochen mal ein eigenes Zimmer mit blauer Malerei an den Wänden, denn Yogya ist sehr künstlerisch und auch intellektuell angehaucht – und ich habe Aussicht auf einen lustigen Abend! Denn per Zufall habe ich am Flughafen von Yogya die Zoe getroffen, die ursprünglich heute abreisen wollte, jedoch ihre Pläne geändert hat...

Ciao adios bye

Flavia

28. Mai 2011

Pulau Tioman

Meine Lieben

Ich mache unglaublich nichts! Da bin ich nun seit sieben Tagen auf Pulau Tioman am Beach Air Batang und geniesse einen Tag nach dem anderen und entspanne endlich so richtig... Ich liebe es im Meer zu schwimmen und die Fische zu beobachten, dann wieder im Schatten zu liegen (lesson learnd!) und nichts tun ausser einen Mangosaft zu geniessen. Am schönsten ist es wenn der Sonnenschein glitzernd im Meer reflektiert, dabei eindösen oder über Gott und die Welt quatschen und wir mitten drin, perfekt! Sobald die Sonne nicht mehr am höchsten steht, ist Volleyball angesagt bis die Sonne untergeht und der Himmel ein spektakuläres Farben- und Lichtspiel bietet. Irgendwann dann nach einer erfrischenden Dusche gehen wir in unser Lieblingsrestaurant, essen und diskutieren weiter bis dieses unglaublich pünktlich um 22.00 Uhr schliesst und wir in die Sunset Bar übersiedeln, ausser am Mittwoch, da geht die Crew fischen und es läuft gar nichts. Wir, das ist im harten Kern Wietske, René und ich. Und jeden Tag gesellen sich andere Leute hinzu, die alle einen interessanten Rucksack mit sich tragen. Anfangs waren wir fast alleine, mittlerweile beginnt jedoch die Hochsaison und so erreichen jeden Tag mehr Entspannungshungrige die Insel. Wietske und ich haben uns im Bus hierhin kennen gelernt und seit da teilen wir uns ein Doppelbett in einem herzigen Bungalow. Von unserer Veranda kann ich direkt auf das tiefblaue Meer schauen, kein Katzensprung davon entfernt. Und da sitze ich nun und tippe. René wohnt ein paar Bungalows weiter und ist ebenso seit dem ersten Abend unser Buddy. Er ist wie Wietske aus Holland, zwar doppelt so alt wie sie – er feiert dieses Jahr seinen 50. Geburtstag – ist sehr jung geblieben und hat als Dr. Psychologie viel gesehen, ebenso auf seinen vielen Reisen. Wietske ist seit vier Monaten unterwegs, erzählt Geschichten fast so lustig wie Dänälä und erlebt grad den Start einer Liebesgeschichte wie im Film, jedoch muss sie sich grad bisserl gedulden. Ich hätte mir für den Start meiner Reise keine bessere Gesellschaft wünschen können! Der Austausch mit den beiden ist sowohl persönlich, lustig als auch inspirierend und trägt dadurch ebenso viel zur  Faszination dieser Insel bei wie die atemberaubende Landschaft, die sowohl aus weissen Sandstränden als auch grün schwitzendem Dschungel besteht – insgesamt aber nichts bietet, was ich nicht schon gesehen hätte (verwöhnte Göre!) und zur Abwechslung gibt es weder Tuktuks noch Longtailboat-Taxis noch Rikschas noch Schnellboot-Taxis noch Seitenwagen-Rikschas, mit Motor- oder Fahrradantrieb sondern ganz normale Fahrräder. Diese bringen jedoch nicht so viel, denn von der einen Seite des Strandes zur anderen zu fahren, dauert wohl keine fünf Minuten. Und für unsere Wandertour durch den Dschungel nach Juara konnten wir sie auch nicht benutzen, da der Weg sogar mit Mountain Bikes eine Herausforderung gewesen wäre. Juara liegt auf der gegenüberliegenden Seite unseres Strandes. Hin und zurück dauert fast sechs Stunden, also mehr als nur ein kleiner Spatziergang! Während dieses Ausflugs haben wir erneut kleine Affen gesehen sowie Echsen, die schon fast so gross waren wie kleine Krokodile. Das war aber auch die einzige richtige Aktivität dieser Tage, denn sonst haben wir unglaublich nichts gemacht. Nicht mal gelesen habe ich! Denn auf dieser Insel kann man keine Bücher kaufen und nur eins gegen eins tauschen und mein Buch ist im Bus von Pulau Perhentian nach KL liegen geblieben, was völlig ok ist, denn ich denke nicht, dass es nach Seite 60 besser geworden wäre, ich hab das im Gefühl. Die Idee des Buches finde ich allerdings unterhaltsam: Durch eine Bluttransfusion erhält eine junge Frau das Wissen über Architektur und Kunst ihres Blutspenders... Nun, wenn das so einfach wäre, gäbe es wohl bloss Einsteins auf unserer Erde, oder? Und ich hätte dann zusätzlich gerne je noch ein bisschen Blut eines Dr. Informatik, eines Boxers und einer Tänzerin. Da ich also kein Buch habe, tue ich noch mehr nichts als die anderen. Wiederhole ich mich? Es tut mir leid, aber ich bin noch immer erstaunt, dass ich dies kann, einfach nichts tun. Und die Zeit vergeht trotzdem wie im Fluge! Nun ist aber genug nichts getan und wir machen und auf den Weg nach Singapur, wo Wietske, René und ich nochmals zwei Tage zusammen verbringen, bevor alle an einen anderen Ort in Indonesien fliegen und wohl ein bisschen Abenteuer suchen – und Wietske ihre neue grosse Liebe trifft.

Nun ja, diese Woche mag langweilig klingen, aber das war sie keine Sekunde, sie war einfach anders.

Ciao adios bye

Flavia

22. Mai 2011

Kuala Lumpur

Meine Lieben

Kuala Lumpur ist der Hammer! Die Kombination von hochmodernen Gebäuden, historischen Moscheen und chinesischen Tempeln sowie viel Wald und grüne Wiesen ist unglaublich faszinierend. Genauso wie die verschiedenen Kulturen und Religionen, die hier aufeinander treffen und friedlich mit- und nebeneinander leben. Unglaublich, dass diese Stadt erst seit 150 Jahren existiert. Auch das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel ist sehr gut ausgebaut und die Orientierung zu behalten ist einfach. Insbesondere wegen des Fernsehturms Menara KL, der mit 421 Meter das fünfhöchste Gebäude der Welt ist, eine fantastische Aussicht bietet und über alles hinausragt. Genauso wie die Petronas Zwillingstürme, die vor allem in der Nacht ein absolutes Highlight sind.

In dieser Stadt möchte ich mal für ein Jahr leben und arbeiten! Überall gibt es spannende Szenen zu beobachten und Dinge, die einfach anders sind als bei uns und spannend zu entdecken und erleben – da reichen drei Tage bei weitem nicht aus. Allerdings kann KL auch gefährlich sein, die Shopping-Möglichkeiten sind nämlich unendlich und nichts kaufen unmöglich, aber ich hab mich zurückgehalten und mich auf andere Dinge konzentriert: In THE UNDER wird eine Verkaufskraft gesucht. Das ist Herrenunterwäsche und dafür wäre ich durchaus qualifiziert, oder Maurus? Und Bahasa Melayu (offizielle Landessprache) zu lernen scheint machbar, zumindest einfacher als Thailändisch. Hallo, danke, tschuldigung und Achtung kann ich schon – und dann wird’s dann doch auch schwieriger. Allerdings hat mir Kevin, ein homosexueller Iraker, der hier sein Studium in Maschinenmechanik absolviert, vorgestern in der Ampang Line (Metro) erzählt, dass es nicht so einfach ist, in KL einen Job zu finden – und natürlich wäre auch er an dem Job in THE UNDER interessiert. Der Konkurrenzkampf um spannende Jobs ist also gross!

Claudia und ich haben in China Town gehaust, direkt hinter der Hauptstrasse Jln Petaling. Diese Strasse ist für Autos gesperrt und ab 10.00 Uhr morgens gibt es da einen Stand nach dem anderen und alle verkaufen mehr oder weniger dasselbe: Taschen, Gürtel, Shirts, Hosen, Parfum und natürlich chinesisches Essen und frisch geschnittene Früchte und irgendwelchen kleinen Krimskrams, der lustig aussieht. Erstaunt waren wir, als wir abends nach Mitternacht heimgelaufen sind und die Verkäufer ihre Ware eingepackt und die Stände abgebaut haben und die Strasse schlussendlich voller Müll war. Ein eindrückliches Bild... und am nächsten Morgen früh geht’s wieder los, jeden Tag erneut im Stil von „und täglich grüsst das Murmeltier“. Die Verkäufer werden auch nicht müde, ihre Ware anzubieten: „Hello Miss, buy this bag, it fits your body!“ Da sind manche Lacher garantiert.

Da wir eben nur drei Tage Zeit hatten, KL zu erkundschaften, machten wir als erstes eine „Hopp-On Hopp-Off Tour“ mit dem Doppeldecker-Bus, wie damals in Rom vor mehr als drei Jahren. Klar, volle Touri-Tour, gibt aber einen tollen Überblick sowohl über die Sehenswürdigkeiten als auch über die Stadt selbst. And so I got another taste of India, New Little India. Aber dieses Mal war’s nicht Liebe auf den ersten Blick, denn all die violetten Häuser und die gesäumte Allee erinnern vielmehr an den Europapark als an das Indien wie ich’s mir vorstelle, obwohl auch hier alle Frauen in bunten Saris und glitzernd geschmückt die Strasse zieren. Claudia und ich haben durch den Anblick inspiriert einen Schönheitssalon im Hintereingang aufgesucht, wo Claudia eine Manicure genossen hat und ich meine Augenbrauen zupfen und Schnauzer wegmachen liess. Dies mit der lustigen Schnurtechnik, die ich auch schon in Ägypten erlebt habe, aua aua.

Und ein bisschen weh tat es dann auch, als ich Claudia tschüss sagen musste, denn es ist nicht nur das Ende dreier inspirierenden Reisewochen, sondern auch das Ende einer Ära: Claudia und ich haben acht Monate zusammen gearbeitet und danach fast vier Jahre in einer glücklichen WG gewohnt und alles geteilt. Danke dir an dieser Stelle für viele wunderbare und urkomische Momente, Claudia! Aber wie so oft im Leben weint das eine Auge und das andere lacht - denn auf das reisen nur mit mir hab ich mich schon lange gefreut.

Und eigentlich bin ich auch gar nicht alleine, aber das erzähl ich dann im nächsten Blog. Jetzt geniesse ich erstmals den Strand und das Meer auf Pulau Tioman, wo ich gestern angekommen bin und jetzt grad an der Bar im Schatten sitze und einen frischen Mangosaft trinke... bald geht die Sonne unter und der Himmel verspricht bereits jetzt ein bezauberndes Farbenspiel.

Ciao adios bye

Flavia

18. Mai 2011

Bukit Lawang


Meine Lieben

Seit dem letzten Update sind noch gar nicht so viele Tage vergangen, aber es erscheint mir wie eine Ewigkeit, denn wir sind in eine komplett neue Welt eingetaucht, in den Dschungel! Die Reise bis nach Medan war unspektakulär, obwohl es durchaus ein paar lustige Episoden gab. Lonely Planet hat uns ja vor diesem Ort gewarnt, aber wir waren trotzdem nachhaltig geschockt und wie Claudia treffend formulierte, parallelisiert. Mittlerweile ist der unschöne Transit-Aufenthalt jedoch verziehen, beinahe schon vergessen und wir wurden für die Strapazen mehr als belohnt und deshalb verzichte ich auf eine detaillierte Ausführung dieser Negativ-Erfahrung und konzentriere mich auf die schöne Seite des Lebens.

Irgendwann stieg nämlich Tambrin in unseren Minibus (habe ich mich tatsächlich beklagt betreffend vollem Bus von Koh Phi Phi nach Pulau Perhentian? Ha, das war gar nichts!!), der uns von Medan nach Bukit Lawang brachte, und begrüsste uns lachend mit „Welcome to Sumatra“. Bald stellte sich auch heraus warum: Tambrin zeigte uns nach ein paar Minuten small talking sein recommondation book als Dschungel Guide im Taman Nasional Gunung Leuser (Nationalpark). Nach anfänglicher Skepsis waren wir froh, führte er uns zu einem freundlichen Guesthouse, was natürlich seinem Cousin gehört. Das letzte Stück Weg dahin legten wir mit einer Seitenwagen-Rikscha zurück. Hier gibt es nämlich weder Tuktuks noch Longtailboat-Taxis noch Rikschas noch Schnellboot-Taxis sondern Seitenwagen-Rikschas, mit Motor- oder Fahrradantrieb. Das ist wie ich packe in meinen Rucksack, ja? Und genau das mussten Claudia und ich für unsere zweitägige Dschungeltour tun. Bevor wir jedoch am nächsten Morgen aufbrachen, liessen wir den Abend bei unserem ersten Indonesischen Nachtessen ausklingen und waren restlos begeistert (insbesondere auch vom Passionfruit-Juice!): Das Guesthouse war grün umzingelt und wir konnten zum belebten Fluss Songai Bohorok und zur grossen Hängebrücke sehen. Das Restaurant ist auch bei Locals sehr beliebt, insbesondere bei Männern. Sie kommen abends dahin und spielen Gitarre, singen dazu lauthals mehr oder weniger bekannte Songs,  und trinken natürlich Bier. Viele sprechen gut Deutsch und Englisch sowieso. Einer der Jungs hat sogar neun Jahre in Zürich im Restaurant Singapore (soll gut sein!) gearbeitet und kann nach wie vor „huere geil“ sagen. Ich war natürlich entzückt, auch wenn dieser Ausdruck nicht zu meinen Lieblingsworten gehört. Irgendwann schwappte die freundliche Aufmerksamkeit jedoch in subtile Anmache über und es war Zeit schlafen zu gehen.

Am nächsten Morgen wurden wir durch Kindergeschrei geweckt, denn das Ufer des Flusses scheint ein zentraler Treffpunkt für jung und alt zu sein. Nach einem leckeren Frühstück ging sie dann endlich los, unsere Dschungel-Tour! Mit Zoe und Jessie, die mit uns auf den Trip kamen, verstanden wir uns auf Anhieb super und somit standen die Sterne für die nächsten zwei Tage hervorragend. Die beiden unterrichten übrigens Englisch in Jakarta für ein Jahr und genossen ein verlängertes Wochenende im Grünen, denn Jakarta soll grauenhaft sein. Zoe ist aus London, 36-jährig, sieht jedoch aus wie 30, wohl auch weil sie kein Fleisch isst und nicht raucht – aber fluchen kann sie und Wasser trinken wie ein Kamel! Und Jessie ist aus Kalifornien, 26-jährig und für ein Ami-Girl doch schon in der weiten Welt rumgekommen und kocht für ihr Leben gerne. Kaum losmarschiert, wiesen uns Denny (zweiter Guide) und Tambrin auch bereits auf die ersten Longtail-Affen in den Bäumen hin. Und bald darauf auch auf eine Orang-Utan-Mama mit Baby! Das war definitiv eindrücklich. Diese Affen sind wohlbemerkt semi-wild und somit gegen Tollwut geimpft – wenn wir’s schon nicht sind. Orang-Utan heisst Mensch im Wald: Die Guides erkennen unglaublicherweise jeden einzelnen von ihnen von weitem an ihren Gesichts- und Charakterzügen. So kriegt auch jeder Affe einen Namen. Mina ist die berüchtigtste Affen-Lady von allen, das haben wir bereits im recommendation book gelesen. Sie hat auch schon aufdringlichen Touristen den Finger abgebissen – das stand hingegen nicht im recommendation book. „Leider“ bekamen wir sie nicht zu Gesicht (ich mag Drama!) und auch sonst kam kein Orang-Utan so richtig nahe. Was mich aber nicht weiter traurig stimmte, bekannterweise mag ich sowieso nur Schmetterlinge und Schafe wirklich gut. Und schöne bunte Sommervögel bekam ich auf der Tour viele zu Gesicht. Insgesamt viel spannender fand ich das Trekken, rauf und runter über Stock und Stein und Wasser, zwischendurch kletterten wir sogar schon fast. So hat es sich wenigsten gelohnt, dass ich die vergangenen zwei Wochen meine Trekking-Sandalen mitgeschleppt habe. Und Zoe machte das ganze mit den Flipflops weil sie ihre schönen Turnschuhe nicht schmutzig machen wollte. So gab es immer wieder angenehme Pausen bis sie uns einholte und uns sofort grossartig unterhielt: She was hilarious! Wir schwitzten wie in der Sauna und die arme Claudia trug Jeans! Am späteren Nachmittag erreichten wir unser Nacht-Camp, das am Fluss lag und so konnten wir uns im frischen Sog des Wassers abkühlen und aufs Klo. Das Camp war simpel: Ein paar Bambusstangen im Boden, über die schwarze Plastiklachen gelegt wurden, genauso wie auf den Boden. Drüber gab’s noch eine dünne Iso-Matte, that’s it. Wir waren noch nicht ganz getrocknet, als die Blitzlichter und der Donnerschlag begannen. Auch der Regenschauer liess nicht lange auf sich warten und dauerte fast die ganze Nacht. So nahmen wir das Nachtessen bei Kerzenlicht auf unseren Mättelis ein: Vier verschiedene Gerichte! Das Mittagessen liess sich trotzdem nicht toppen. Nach dem Schmaus (abgesehen davon, dass ich den Hühnchen-Hals gegessen habe), packte Tambrin seine Karten aus und zeigte und ein paar Tricks, wovon jedoch nicht alle funktionierten. Und lustige Spiele hatte er auf Lager: This is a cup – a what?? Gegen Mitternacht machten wir dann die Kerzen aus und legten uns auf die harten Betten. Autsch!! Und weil Claudia und ich möglichst wenig in unseren Rucksack packten, hatten wir nix warmes dabei und froren die halbe Nacht durch. Und mein Seidenschlafsack half leider auch wenig. Mehr oder weniger ausgeruht, begrüsste uns am nächsten Morgen die Sonne und ein leckeres Pfannkuchen-Frühstück. Tubing im Fluss war angesagt! Das ist wie „Ringen“ in der Limmat resp. noch besser. Weil da keine Gefahr besteht, dass man im Bikini mit dem gelben Ring ins Tram steigen muss, da Hab und Gut beim Letten geblieben sind. Um eine möglichst lange Strecke auf den Tubes zurücklegen zu können, liefen wir noch weiter den Fluss hoch. Auch dies gestaltete sich wieder ziemlich abenteuerlich und Claudia musste sich immer vor Blutegel in Acht nehmen, denn diese hatten sie im Visier!: Wir sprangen gar mindestens fünf Meter von einem Felsen runter in die tosenden Fluten um einfacher über den Fluss zu gelangen. Tönt nicht logisch, war aber tatsächlich einfacher, ich hab’s mit und ohne Sprung versucht – aber einfach, weil ich mal wieder zu schnell war und schon am anderen Ufer, als uns Denny die „Abkürzung“ zeigte. Nachdem wir alle Rucksäcke wasserdicht verpackt hatten, setzten wir uns in die Tubes, die alle miteinander verbunden waren. Das Tuben war nicht nur lustig, wir konnten ebenso den schönen Regenwald aus einer anderen Perspektive betrachten. Als wir auf Bukit Lawang zusteuerten, erhielten wir viele winkende Zuschauer, wobei es uns bisserl unangenehm war, da wir unsere Bikini und Shirts trugen und die meisten Frauen nur mit einen Burkini ins Wasser steigen.

Zurück im Guesthouse genossen wir eine kalte Dusche (warm gibt’s gar nicht) und erkundeten Bukit Lawang. Viel zu sehen gab es da allerdings nicht, da sich das Leben ja vor allem am Fluss abspielt. Deshalb hat's am ganzen Ufer entlang so kleine Reihenhüttchen mit Bambus überdeckt, so dass man auch wenn's regnet drunter sitzen kann. Denn auch bei Regenschauer wird gebadet. So tranken wir ein Bier in einem freundlichen Guesthouse und machten uns wieder auf den Rückweg bevor der Regen kam, unsere feuchten Sachen hingen nämlich alle auf der Veranda. Müde aber glücklich verbrachten wir einen weiteren gemeinsamen Abend mit den Mädels und den singenden Jungs.

An unserem letzten Tag im Regenwald, erwies dieser seinem Namen alle Ehre: Wir waren in den Fledermaus-Höhlen und krachselten wieder über wildverschlungene Pflanzen und rutschigen Steine, als wir bemerkten, dass es draussen wohl nieselte. Da wir bereits viele Batmans gesehen hatten, entschieden wir uns wieder rauszugehen und uns auf den Heimweg zu machen. Der Rückweg erwies sich jedoch als durchaus mühsamer, denn die Höhle hat sich mittlerweile mit hunderten von Schülerinnen und Schülern gefüllt, die uns alle mit ihre Taschenlampen ins Gesicht schienen: „Hello Misses!! Da es Feiertag war (keiner wusste jedoch genau was für einer, da es hier so viele davon gibt), wurde diese Höhle so fleissig frequentiert wie nie sonst. Nun ja, wir fühlten uns wie kleine Stars, waren dann aber auch erleichtert, als wir wieder draussen waren, unverletzt, aber schmutzig von oben bis unten. Da kam der Nieselregel nur so gelegen, eigentlich. Nur wurde dieser immer stärker und stärker bis wir schlussendlich durch so viel Regen heim rannten, wie wir das noch nie gesehen haben. Das war wunderbar und ich glaube, so nass war ich lange nicht!

So klitschpatschnass ging's dann mit dem Bus nach Medan, da die Mädels am selben Abend den Flieger nach Jakarta erwischen und wir auch am nächsten Morgen um 6.00 Uhr am Flughafen sein mussten, leisteten wir uns einen eigenen Bus und Danny hat uns netterweise gefahren (natürlich gegen Bezahlung und mein schön weisses Heidi-Sackmesser hat er auch gleich behalten). Leider kamen wir also nicht drum rum, eine Nacht in Medan zu verbringen. Ich mein, da hat's riesige Löcher im Boden, die seh sogar ich. Schlussendlich war aber alles halb so wild und die Reise zurück nach Kuala Lumpur hat reibungslos funktioniert, abgesehen von einer latenten Müdigkeit.

Ciao adios bye

Flavia

13. Mai 2011

Pulau Perhentian


Meine Lieben

Ich sitze im lecker duftenden Restaurant unseres Bungalows im Schatten an meinem weissen Mac (danke Maurus!), geniesse einen grünen Apfelsaft und die Luft des Ventilators. Meinen Hitzespeicher habe ich bereits vorhin beim Frühstück sowie unter dem bunten Schirm am Strand aufgefüllt (wo Claudia noch immer liegt) und es ist Zeit für eine Pause, denn es ist Mittag und die Sonne steht am höchsten Punkt und ich habe bereits einen mächtigen Sonnenbrand, der schmerzt... so dass unsere ursprünglich geplante Kajaktour zur grossen Pulau Perhentian ins Wasser fällt.

Nun aber von vorne: Vor drei Nächten sind wir auf der kleinen Pulau Perhentian angekommen, einer wunderschönen Insel, die betreffend Infrastruktur und Touristen eher noch in den Anfängen steckt, was auch gut ist so. Um unser schönes Bungalow beim Rock Garden (der eigentlich gar nicht rockt) zu finden, gelegen auf einer kleiner Erhöhung am Longbeach, brauchten wir bisserl Zeit resp. wir haben uns einige Backpacker Guesthouses angekuckt, von denen wir dachten „no way“! Sind halt eben doch verwöhnte Stadtmädels und wenn wir dann Materatzen sehen, die schon von weitem ecklig riechen und die Aussicht auf ein Lacken nicht vorhanden ist (ich hätte da zwar das Geburigeschenk meiner Mama dabei, einen Seidenschlafsack, aber der ist nur für eine Person), stehen uns gleich die Haare zu Berge. So haben wir uns einmal mehr für die teurere Variante entschieden, mit eigenem Bad. Und diese Badezimmer sind nennenswert, denn WC und Dusche ist alles eins. Also man kann da massiv Zeit sparen weil man gleichzeitig sein Geschäft machen plus duschen kann. Dafür ist immer alles nass und voller Sand, aber sooo pingelig sind wir dann auch nicht – und bekanntlich hatten Claudia und ich in unserer Wohnung an der Kochstrasse und Kanonengasse auch keinen Putzfimmel.

Den ersten Nachmittag haben wir am Strand verbracht, wo ich mein 570-Seiten-Buch zu Ende las: „Musik der Wale“. Hauptfigur ist Dolores Price und ihr Name ist Geschichte – welche mich nicht verändert hat, aber durchaus unterhalten. Eben dieses Buch habe ich dann gestern gegen Aufpreis umgetauscht gegen „Ich hab dich im Gefühl“ wofür ich mich einzig wegen den schönen Schmetterlingen auf dem Umschlag entschieden habe.

Auch hier werden in allen Restaurants und Shops Schnorkel-Touren angeboten und dieses Mal mit Garantie, Schildkröten zu sehen. So buchten wir und freuten uns am nächsten Morgen nach reichhaltigem Frühstück (endlich haben wir viel Zeit dafür!) auf das Abendteuer, denn die Fahrt ging auf einem Schnellboot los, was vorne (und da sassen wir!) jeweils mächtig auf das Wasser krachte, wenn der Guide Gas gab.  Wenn die jungen Taxi-Jungs alleine auf dem Boot sind, beschleunigen sie diese übrigens so sehr, dass das Boot fast senkrecht im Wasser steht, was uns natürlich zum Kreischen verleitet und dann schreien sie: „I love you!“.  Zurück zur Tour, auf welcher uns definitiv viel geboten wurde, neben den Turtels sahen wir nämlich tatsächlich Haie! Natürlich nicht die weissen, aber doch immerhin solche, die knapp über einen Meter gross waren und ungefährlich, heissen tun sie Black Tip, meint Claudia. Sie kriegte trotzdem Schiss und klammerte sich unter Wasser an mir fest. Dafür sah sie dann auch den riesigen Rochen, den ich wohl ohne ihren Hinweis verpasst hätte. Claudia hat Gordons Unterwassercam dabei, womit wir nun Beiweismittel haben, ganz viele sogar. Das Mittagessen nahmen wir im Fischerdorf bei der Grossmama des Guides zu uns. Dieser ist wahrscheinlich noch nicht volljährig, auf der Insel aufgewachsen und arbeitet zusätzlich im Shop der Familie. Genauso wie seine kleinen Geschwister, die wir nach dem Essen auch kennen lernten: Kaum waren wir wieder im Boot, stand da ein übergewichtiger Junge mit einer neongrünen Echse mitten am Bauch an seinem weissen Shirt (von der wir zuerst nicht wussten, ob sie tatsächlich echt war), der jämmerlich weinte und unseren Guide anflehte. Es stellte sich heraus, dass er mit kommen wollte, die Mama dies jedoch verbot. Nachdem insbesondere alle Girls auf dem Boot mitwimmerten, durfte er doch einsteigen, genauso wie die kleine Schwester. Wir haben uns natürlich gewundert, wo diese Kids zur Schule gehen - ein bisschen Englisch können auf jeden Fall alle und Freundlichkeit lernt man ja nicht in der Schule, von dieser sind wir nämlich überwältigt. Was sie aber nicht wissen und somit auch nicht an die Touristen weitergeben können ist, dass man bei Korallenriffen nicht abstehen darf und auch nichts anfassen soll – auch nicht die Panzer der Schildkröten. So konnten wir leider einige Unwissende (oder Ignoranten) beobachten, die mit ihren Flossen auf den Anemonen tanzten und sich voller Stolz tolle Muscheln fischten. Aber auch Claudia und ich sind nicht unfehlbar, wenigstens betrafen die Konsequenten nur uns: Kaum waren wir mit dem Neuseeländer- und Franzosenpaar sowie den Brüdern aus Kuala Lumpur (die gestern mit dem Auto zurück fuhren und wir hätten mitgehen können, wenn wir auch dann abgereist wären) auf das Boot gestiegen, dachten wir: „Shit, vielleicht wäre ein Shirt nicht das Dümmste gewesen!“ Aber nein, wir trugen unsere Beach-Kleidchen. Nun ja, wie vorhersehbar, waren unsere Rücken und Popochen am Ende der 6-stündigen Tour knall rot. Anfänger!! Als wir unserem Guide am Ende ein Trinkgeld geben wollten, weil wir die Tour und seine Begleitung echt gelungen fanden, war ihm das peinlich und er wollte dies nicht annehmen, was uns dann wiederum in Verlegenheit brachte. An manchen Orten (insbesondere in Thailand) betteln sie darum und an anderen nehmen sie’s nicht an. Funny world.

Gestern sah unser Haut-Malheur zum Glück auch schon wieder besser aus und zudem war der Himmel noch immer bewölkt – bereits am Abend zuvor wütete ein Sturm, der die ganze Internetverbindung zum Stillstehen brachte, teils auch die Elektrizität, im Rock Garden blieben wir jedoch verschont.  Und so nahmen wir unser Frühstück ohne Schweissperlen ein und entschieden uns, ein bisschen an den Strand zu liegen, natürlich auf dem Rücken um unsere roten Hintern zu schonen. Peng, schliefen wir ein und erwachten wohl erst zwei Stunden später so richtig. Das Ausmass der Verbrennung wurde uns aber erst später bewusst und insbesondere ich bin nun so rot wie eine Tomate, von oben bis unten, so dass keine Hoffnungen bestehen, dass dies jemals braun wird. Claudia kriegte sich auf jeden Fall fast nicht mehr ein, als sie mich in blossen Unterhöschen mit den weissen Brüsten und Sonnenbrillenabdruck sah. Nachdem wir den Rest unserer Aprés-Soleil-Creme verbraucht haben, entschieden wir uns, den Sonnenuntergang auf der anderen Seite der Insel anzukucken, am Coral Bay. Der Weg dahin führt durch den Wald, an vielen Baracken vorbei. Allgemein merkt man hier, dass wir auf einer Insel sind und Dinge halt einfach aus dem gebaut werden, was vorhanden ist. So sieht vieles sehr improvisiert und leider oft auch ungepflegt aus. Süss war dafür der kleine malaysische Junge am Strand, der sein selbstgebautes Styroporboot im Meer fuhr. Hier auf dieser Insel machen nämlich auch viele Malaysier Wochenendtrips und Ferien (oft in Gruppen), spielen Volleyball und schnorkeln (allerdings mit Schwimmweste). Aber ich komm von der Geschichte ab... Kaum drüben am Coral Bay angekommen, zogen sich die Wolken noch mehr zusammen und leider sahen wir somit nicht den gewünschten Sonnenuntergang, fanden dafür das beste Restaurant der Insel, wo wir dann Glenn kennen lernten. Glenn ist eine 60jährige Schwedin, die aussieht wie 50 (und auch für das noch verdammt gut!) und mit 25 nach Kalifornien ausgewandert ist. Nun hat sie aber kein Bock mehr auf Grossstädte und kalte Winter und sucht auf ihrer 7-monatigen Reise nach dem Ort, an dem sie alt werden möchte. Mit im Schlepptau hat sie ihre 21jährige Tochter, die in der Regel nicht weiss, wo auf der Karte sie gerade sind und vor allem Party im Kopf hat und sie sich nervt, dafür bezahlen zu müssen, verständlicherweise. Es liesse sich noch einiges mehr über Glenn berichten, da sie uns ihr Leben erläutert hat, aber das würde den Rahmen sprengen. Einzig noch das Rezept für ewige Jugend und Schönheit: Nicht Rauchen, kein Fleisch essen, viel Yoga und Bewegung und kein Alkohol und viel Schlaf – und wie Claudia und ich nach ihren Gutenachtgrüssen noch hinzufügten: Nicht arbeiten. Denn wir beide haben den Eindruck erhalten, dass Glenn ziemlich reich verheiratet war.  Im Dunkeln liefen wir den Weg durch den Wald zurück, was gar nicht so gespenstisch war wie wir uns das vorstellten. Der Mond leuchtete ausreichend und wenn man von Beginn die richtige Route wählt, ist diese ziemlich gut gebaut.

Unser Bungalow hat übrigens eine riesige Fensterfront ohne Abdunklungsmöglichkeit und somit werden wir jeden Morgen durch die Sonne geweckt. Da wir die vergangenen Tage viel geschlafen haben, waren wir heute Morgen genug fit, frühzeitig aufzustehen und uns das Spektakel des Sonnenaufgangs anzusehen: Unbeschreiblich schön, inspirierend und beruhigend. Eigentlich schade, geht es heute bereits wieder weiter. Aber die Orange Utans auf Sumatra, Indonesien, genaugenommen in Bukit Lawang warten auf uns. Wie wir da genau hinkommen, ist noch nicht klar, wahrscheinlich per Flugzeug ab Kuala Lumpur (wohin wir heute Abend mit dem Nachbus fahren), denn Claudia hat mit ihren super Orientierungssinn auf der Karte was falsches im Kopf behalten und ich hab’s nie kontrolliert. Aber was soll’s, wir sind ja flexibel und uns bleibt - nur noch oder immer noch, je nach dem ob das Glas halb voll oder leer ist - eine gemeinsame Woche und allzu lange halten wir City-Chicks den Dschungel eh nicht aus. Laut meinem Reiseführer kann uns da nämlich alles passieren: Tsunami, Erdbeben und Vulkanausbrüche. Claudia lies gerade „Der Schwarm“ und ist somit natürlich sensibilisiert - und für mich ein Grund, das Buch erst nächstes Jahr zu lesen, wenn ich wieder in der sicheren Schweiz bin, wo ich höchstens vom Auto überfahren werden kann – aber auch nur im Tessin.

Mein Apfelsaft ist unterdessen alle und ich werde nun Claudia am Beach abholen um schon wieder essen zu gehen, wir wollen für die bevorstehende lange Reise schliesslich gestärkt sein (wir stehen zur Zeit total auf French Fries, Banausen)! Und wenn wir schon wieder beim Essen und Restaurants sind: Hier wird mit den Händen gegessen, vor allem die Männer. Und bezahlen tut man in der Hütte drin, oft bei der Hausmamma mit Kopftuch, beim Cashier-Fenster. Dadurch kann man in die Hütte reinschauen und da sieht man oft ganze Familien in der Frische eines Ventilators am Boden schlafen, die wohnen alle auf engstem Raum zusammen und süsse kleine Kinder kucken einem lachend mit ihren Kulleraugen an. Muss man dann im Restaurant mal für kleine Mädchen, dann geht man ins Badezimmer der Familie (oder Sippschaft), auch wieder WC und Dusche in einem und überall liegen Zahnbürsten und Duschgels. Sympathisch, abgesehen davon, dass Klopapier niergends vorhanden ist.

Ciao adios bye

Flavia

PS: Da gestern die Blogger-Site down war, ist auch dieser Blog-Post nicht real-time sondern Sonne von gestern!

7. Mai 2011

Koh Phi Phi

Meine Lieben

Noch immer übernächtigt haben wir den Flug nach Krabi gut überstanden und da sogleich den Bus-Shuttle gebucht sowie das Boat-Ticket zum Reiseziel: Koh Phi Phi! Den Boat-Trip verbrachten wir natürlich auf dem Deck, so hat sich Claudia auch gleich den ersten Sonnenbrand eingefangen – ich hab mich clevererweise zwischendurch in den Schatten gesetzt und richtig eingecremt. Dafür bin ich am nächsten Morgen mit deftigen Kopfschmerzen aufgewacht wodurch wir uns nun Sonnenhüte gegen Sonnenstich geholt haben – vielleicht waren’s aber auch die Nachwirkungen der kurzfristigen Impfung, mein Oberarm sah nämlich aus wie der eines Body-Builders. Unsere ersten zwei Nächte auf dieser kleinen aber feinen Insel verbrachten wir in einem netten Bungalow (leider ohne Meersicht) am definitiv schönsten Strand von Koh Phi Phi: Long Beach! Dies wurde uns aber erst so richtig am darauffolgenden Morgen bewusst, denn dann war High-Tide und der Strand so richtig weiss und das Wasser unglaublich blau! So genossen wir den Tag im Schatten, lasen in den neu gekauften Büchern und hängten in der Hängematte. Am späteren Nachmittag tuckerten wir nach Tan Soi, denn dort spielt sich das eigentliche Leben ab. Hier gibt es übrigens keine Tuktuks wie in Bangkok dafür Longtailboard-Taxis, auch sehr romantisch. Und statt „Tuktuk?“ hört man an allen Ecken „Boat Boat??“ Die kleinen Gässchen in Tan Soi erinnern ein klein wenig an den Suk in Marokko, aber ganz so einfach verirrt man sich da nicht, denn alles ist ziemlich übersichtlich – den Point of View haben wir dennoch verpasst. Das Ziel für den Abend war eine neue Unterkunft zu finden (da Long Beach eben eher abgelegen ist - und wir uns ja doch nicht nur am Strand sonnen sondern was erleben wollen), uns betreffend Tauchen erkundigen und was leckeres essen. Somit gingen wir schnurstracks zu Moskito Diving (danke Ranil!), wo uns Kim herzlich begrüsste. Er ist verantwortlich für den Laden, gehören tut Moskito Diving jedoch voll und ganz einem Thai – Minimum ist jeweils 51% in Thai-Händen, was irgendwie beruhigend ist. Kim ist ursprünglich aus Schweden aber bereits seit 2003 auf der Insel und hat somit auch den Tsunami erlebt. An seiner Reaktion konnten wir erkennen, dass er da Dinge gesehen hat, die er nicht erzählen mag... Als Laie jedoch erkennt man auf der Insel nichts von dieser Naturkatastrophe – abgesehen von dem Memorial Park, der jedoch noch nicht ganz fertig scheint und dem wenig Beachtung geschenkt wird. Da Claudia und ich noch unentschlossen waren, ob wir zwei Tauchgänge mit Refresh buchen oder gleich den Advanced Kurs machen, liessen wir uns ein leckeres Restaurant empfehlen, was sich tatsächlich bewährte – worüber wir uns insbesondere freuten, da der vorherige Tag kulinarisch eine Enttäuschung war. Gestärkt entschieden wir uns gegen den Advanced Kurs (denn PADI heisst ja auch Put Another Dollar In) und für die zwei Tauchgänge. Da wir schon wieder hätten um 07.30 Uhr bereit sein müssen, schoben wir für den darauffolgenden Tag eine Schnorcheltour mit Sunset rein. Wow!! Die Vielfalt der Fische hat uns echt umgehauen und wir konnten das Tauchen kaum erwarten. Auf eben dieser Tour besuchten wir neben dem Schnorcheln den Maya Bay – wer „The Beach“ mit Leonardo di Caprio gesehen hat, weiss welchen Strand ich meine! Nun, die Kulisse war tatsächlich umwerfend, was uns aber fast noch mehr begeisterte resp. amüsierte, waren die Touristen, die sich jeweils im Bikini in Pose warfen, um schöne Bilder zu erhalten. Wohlbemerkt, wir sind nach Hauptsaison hier und der Strand war gut besucht, undenkbar wie das aussieht, wenn man zur Vollsaison hier ist. Wäre definitiv nix für uns – und dennoch kommen wir nicht drum rum, die ganzen Touri-Tours trotzdem mitzumachen, was insofern ok ist, dass wir da ja auch andere Touris (insbesondere Engländer, die Mühe haben unser Schul-Englisch zu verstehen und Franzosen, die nicht schwimmen können) kennen lernen. Ach ja, Sunset war dann irgendwie doch nicht dabei, in dieser Tour, aber die ganzen Riffe zu sehen, hat sich doch gelohnt!

Damit wir für das Tauchen fit waren, gingen wir schön brav zeitig ins Bett, wurden jedoch von einer riesigen Kakerlake geweckt, die über mein Kopfkissen spazierte. La Cucheracha zu singen half nicht um sie zu vertreiben und somit versuchten wir erneut zu schlafen. Aber da war das ca. 7 cm Ding wieder und erst noch in meinen Locken. Kurzerhand stellten wir die Matratze auf und stopften alle Löcher des Holzrosts mit Klopapier zu, was wir zusätzlich mit Insektenspray grosszügig einsprühten. So war die Gefahr des Kakerlaken-Überfalls zwar beseitigt, jedoch drohte uns Erstickungsnot. Der Ventilator half. Und so standen wir am nächsten Morgen mehr oder weniger frisch am vereinbarten Treffpunkt, wo Daniel (auch er ein Schwede, seit drei Jahren auf Koh Phi Phi, ehemaliger Brot-Verkäufer) mit einem grossen Lachen auf uns wartete und auch sogleich unsere Tests entgegen nahm – zero defect (multiple choice ist ja aber auch einfach und wir ja nicht doof). So ging’s auf’s Boot. Leider war das Wetter nicht wunschgemäss perfekt und nach der regnerisch-stürmischen Nacht, das Wasser sehr bewegt. Somit keine ideale Ausgangslage zum Tauchen, eigentlich. Nach dem Trockenübungen und dem obligaten Buddy-Check sprangen wir ins Wasser und tauchten auch sogleich unter. Die Refresh-Übungen erledigten wir einigermassen elegant – bis auf das Maske-mit-Wasser-füllen-und-wieder-auspusten: Ich raste panisch wieder an die Wasser-Oberfläche weil ich das Wasser nicht aus der Maske brachte und nicht mehr wusste, was unten und oben war und dass ich nicht durch die Nase atmen kann – und eigentlich meine Augen dank Linsenimplantation hätte öffnen können. Derweil blieb Claudia unter Wasser und wartete... Der Tauchgang danach verlief zum Glück reibungslos – abgesehen davon, dass wir keine Haie gesehen haben und ich mit Abstand am meisten Sauerstoff verbraucht habe (wegen meinen riesigen Lungen wohl), was sogar Daniel erstaunte, denn normalerweise brauchen die Mädels immer viel weniger Luft, tja. Nach zwei Tauchgängen erreichten wir dann wieder sicher das Land und machten erstmals Siesta um für den Abend munter zu sein. In der Stonesbar genossen wir den Sonnenuntergang hinter dem Felsen bei einem Bier und entschlossen uns doch noch einen weiteren Tag auf der Insel zu bleiben, denn irgendwie sind wir endlich angekommen! So gingen wir aus, nicht ohne das Nationalgetränk zu geniessen (Bucket!)... und tanzten mit Ed (Londoner Musikmacher und DJ, den wir im besagten fantastischen Restaurant kennen gelernt hatten) bis die Musik aus ging und das Meer für ein Nachtbad auf uns wartete... einfach auf den Rücken liegen und in die Sterne kucken...wunderbar!

Heute schliefen wir natürlich aus, schlenderten durch die Gässchen, assen lustige Dinge, sonnten und lasen am Strand, genossen Dolce Vita far niente – und buchten unsere Weiterfahrt nach Penang, Malaysia, welche morgen um 09.00 Uhr per Boot startet und bis abends um 20.00 Uhr dauert. Da wir ursprünglich noch nach Koh Lanta wollten, haben wir noch einige Bath übrig, die wir heute Abend wohl grosszügig verprassen werden, problemlos.


So, und nun geselle ich mich auch zu Claudia und den zwei Franzosen, die vis-à-vis von uns ein Bungalow haben und auch mit Kakerlaken im Zimmer streiten.


---- internet connection failed ----


Wahrscheinlich weil ein mächtiger Regenschwall bevorstand, den wir lachend mit Silvain und Macho überstanden, die unser Englisch nicht verstehen und wir ihres nicht. Trotzdem war schnell klar, dass wir unser Badezeugs anziehen und ins Meer rennen. Eine erfreuliche Abkühlung, die sogar zu frisch wurde.

Und heute Abend wollen wir uns voraussichtlich noch Thai Boxing ankucken, hoffentlich!


Ciao adios bye


Flavia

2. Mai 2011

Bangkok


Meine Lieben

Zufrieden, aber doch bisserl übernächtigt, sind Claudia und ich gestern gegen Mittag in Bangkok gelandet! Als Beweis gibt’s auch gleich eine kleine Anekdote, die ich an dieser Stelle kund tue da sie sonst über Claudia sowieso die Runde macht. Flavia: „Kuck mal, die sehen sympa aus! Lass uns fragen, ob sie mit uns ein Taxi zur Khao San Road teilen!“ Claudia: „Aber das sind drei, so passen wir nicht in ein Taxi.“ Flavia: „Wieso denn nicht? Jemand vorne und drei hinten...“ Nun ja, und die liebe Zeitverschiebung hat ja irgendwie auch was mit Mathematik zu tun – dazu aber später mehr.

Nach dem wir, wie vor knapp drei Jahren, im Guesthouse Wild Orchid eingecheckt und geduscht haben, sind wir sofort raus um zu kucken, was sich denn verändert hat und erkannten viele erinnerungswürdige Momente wieder. Sogar die einstündige, traditionelle Thai-Massage genossen wir am selben Ort – und Claudia hat nun wieder blaue Flecken an Beinen, Rücken und Armen, die Arme. Natürlich liessen wir uns auch die Mani- und Pedicure nicht entgehen und laufen nun wie echte Touri-Tussis rum.

Das bunte und lustige Treiben überall zog uns einmal mehr in Bann, machte aber auch müde und somit entschieden wir, nur zwei Nächte in Bangkok zu bleiben und in den Süden zu reisen – und shoppen darf ich eh nicht, da mein Rucksack mit 14 Kilo schon schwer genug ist. So steuerten wir das nächste Reisebüröchen an und erkundigten uns, wie wir denn am einfachsten zu den Similan Island kommen. Nun, das Hinkommen wäre kein Ding, jedoch muss man im Minimum eine Woche im Voraus buchen... also halt direkt nach Krabi um von dort auf Koh Phi Phi zu gelangen, um die weissen Sandstrände mal in echt zu sehen und unsere Tauchkenntnisse aufzufrischen. Zudem buchten wir auch gleich einen Trip zum Floating Market für den Sonntag. Die freundlichen und essenden Damen informierten uns, dass wir sowohl für den Markt auf dem Wasser als auch für den Flug nach Krabi um 07.00 Uhr vor dem Guesthouse bereit sein müssen. Flavia: „Kein Ding! Mit unserem Jetlag ist das für uns wie wenn wir bis Mittags ausschlafen!“ Auch Claudia war der festen Überzeugung, dass dies für die Überwindung der Zeitverschiebung der perfekte Deal ist. Beim Nachtessen jedoch erinnerten wir uns, dass wir in Bangkok ja fünf Stunden in der Zeit voraus sind... Körper ist zwar da, aber Geist wohl doch nicht ganz angekommen, aber wenn ich was kann, dann ist es über mich selbst zu lachen.

Irgendwann konnten wir dank Gutenachtgeschichten einschlafen, liessen uns von polternden betrunkenen Nachbarn nicht beirren und so erlebten wir den Floating Market wach und inspiriert: Schon erstaunlich, wie die ewig lächelnden Thais den ganzen lieben Tag lang mit viel Elan ihre Kostbarkeiten anpreisen und sich sogar freuen, wenn man in ihrer Sprache „nein“ („mai ka“ oder so) sagt. Sogar das Tuktuk fahren inkl. Besichtigung derselben Schmuckschmiede und Schneiderei (aus der sie uns beim letzten Besuch fast rausgeworfen hätten weil wir nichts kaufen wollten) überlebten wir lachend - und was gibt es tolleres als mit dem wagemutigen Tuktuk-Fahrer Utti durch Bangkok zu kurven. 

Mit Freude stellte ich zudem beim Besuch des Hochtempels fest, dass meine neue Sony-Cam (noch in Zürich gekauft!) eine Panorama-Funktion hat, mit der sich die wundervolle Aussicht über Bangkok hervorragende festhalten liess – obwohl, für wirklich tolle Bilder muss ich schon noch bisserl üben. Und auch einen Button mit einem Smiley drauf hat sie. So sucht das intelligente Ding automatisch lachende Gesichter und schärft diese. Im Land des Lächelns perfekt, oder? Das gefährlich an einer solch tollen Cam ist aber, dass man vor lauter Suche nach dem Top-Shot den Moment zu geniessen vergisst. Und somit werde ich wohl keine tausende Bilder machen - und hochladen dauert ewig...

So, Claudia erwacht langsam von ihrem Power Nap, resp. ich weck sie nun mal! Unsere letzte Nacht in Bangkok steht an – und bekannterweise schläft diese Stadt nie, wir jedoch wohl dann irgendwann schon...

Ciao adios bye

Flavia