Meine Lieben
Mittags um 13.30 Uhr in Cafayate: Mein Teller ist leer. Ebenso mein Viertli Vino Tinto della Casa. Ich bin beschwipst und geniesse das Alleinsein. Mittlerweile empfinde ich es auch gar nicht mehr als einsam sondern als bereichernd: Ich konzentriere mich viel mehr auf mich selbst und auf mein gesamtes Umfeld. Zudem werden Erinnerungen wach. Und dieser Mittag in Cafayate lässt mich an die Sonntage denken, welche ich mit Tata und meiner Familie in Canobbio verbracht habe: Dolce Vita far niente. Einfach an der Sonne sitzen, Italienische Spezialitäten essen, Weisswein trinken und vor allem nichts tun zu müssen ausser die glitzernde Sonne auf dem Lago Maggiore zu bewundern. Ein Lebensgefühl, was nicht nur ich empfinde, in Cafayate. Entfernt man sich ein bisserl vom Touristentumult rund um die Plaza, sehe ich grauhaarige Herren im Sonntagshemd zum Mittagessen zusammen sitzen und Geschichten austauschen. Vielleicht diskutieren sie auch über Politik? Ich kann sie lachen hören, aber versteh sie nicht. Spielt auch keine Rolle, die Menschen um mich herum sehen zufrieden aus. In diesem Momenten freue ich mich auf das Älter werden...
Den Morgen hatte ich mit Flanieren verbracht und Capuccino trinken, hier gibt es nämlich den schönsten. Ursprünglich wollte ich mit dem Rad zum Rio Colorado fahren, habe mich schlussendlich dagegen entschieden weil die Zeit zu knapp war. Und nach so viel Reisen hab ich nicht mehr das Gefühl, alles gesehen haben zu müssen. Ich geniesse es viel mehr einfach Zeit zu haben. Bis um 15.00 Uhr. Dann ging meine Tour zur Quebrada de Cafayate los, auch genannt Quebrada de las Conchas. Wieder übernahm ich die Übersetzung für ein Englisches Pärchen. So gut es ging zumindest, was es hier alles für wilde Tieren, Insekten und Reptilien geben sollte, verstand ich selbst nicht und gesehen haben wir davon auch keine, abgesehen von Alpakas auf einer kleinen Finca, wo ich mich mit Ziegenkäse und Brot eindeckte. Einerseits um die Bauern da zu unterstützen weil sie von einer grossen Gruppe Touristen neugierig überfallen wurden, anderseits wollte ich den Abend im schönen Hostal bei einem guten Glas Vino Tinto verbringen und dazu zur Abwechslung picknicken. Nein nein, ich werde keine Alkoholikerin, ich lerne zu geniessen... Das tat ich auch während der ganzen Tour durch die Tobel und Schluchten von Cafayate. Eine Guckprobe hatte ich bereits am Vortag auf dem Hinfahrt erhalten, aber der Anblick, der sich mir nun erbot, war absolut traumhaft und unterhaltsam obendrein. In vielen der Gesteine konnte man ohne viel Fantasie ein Gesicht oder das Profil davon erkennen, woanders eine Lokomotive oder die untergehende Titanic. In dieser wundersamen Natur wurde mir klar: Ich liebe Argentinien – und ich werde wiederkommen. Vielleicht mit Papa und Mama, was meint ihr?
Irgendwann spät am Abend ging ich nochmals aus, schliesslich konnte ich Cafayate nicht verlassen ohne das Original Weineis probiert zu haben. Cabernet Savignon schmeckte einmalig und die Frau von dem Erfinder Miranda war mächtig stolz. Wieder zurück im Hostal war ich zu meinem Erstaunen nicht mehr alleine im Dorm. Zwei Porteños, Argentinier aus Buenos Aires, waren angekommen und ich verstand kein Wort, denn sie packten noch mehr „schschschschschs“ in ihre Sätze als die anderen Argentinier, die ich bis anhin kennen gelernt habe. Es stellte sich heraus, dass Soledad (ein irrsinniger Name, nicht?) am nächsten Morgen um 8.30 Uhr ebenso nach Jujuy fuhr und somit taten wir das gemeinsam.
So, und an dieser Stelle muss ich kurz ausholen: In Jujuy war ich nämlich schon mal, allerdings nur Transit als ich von San Pedro de Atacama nach Salta fuhr. Jujuy war mir auch sonst nicht unbekannt, Cecilia ist an diesem Ort gross geworden. Sie war Claudias und meine Nachbarin an der Kanonengasse und danach trafen wir uns immer mal wieder. Nun haben wir uns aber über ein Jahr nicht gesehen, weil sie sich in Österreich verliebt hat. Wie auch immer, ich dachte nicht, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt bei ihrer Familie weilt. Das sah ich erst zwei Tage später auf Facebook als ich ihr Profil besuchte (alter Stalker!) um zu sehen, was sie wohl macht. Schnell war klar, dass ich die 6stündige Fahrt zurück unternehmen werde um Cecilia zu sehen und ihre Familie kennen zu lernen. Am späteren Nachmittag heute genau vor einer Woche kam ich in Jujuy an und nahm ein Taxi zu dem Haus, wo Cecilia wohnte. Es kam mir ein bisschen so vor wie im Film: Erwartungsvoll und neugierig kuckt man aus dem Fenster, vor welchem Haus der Taxifahrer wohl halten würde und siehe da, er tat es vor dem grössten. Klingeling! Die Türe wurde geöffnet. Ohne Zweifel musste dies die Schwester von Cecilia sein. Nach einer herzlichen Begrüssung lernte ich nah dies nah die ganze Familie kennen, bis wir schlussendlich mit dem einen Cousin, Mati, in ein grosses Tal in die Thermalbäder fuhren. Dort aber nicht badeten, sondern einfach die Aussicht genossen und ein streunendes Hündchen auflasen. Eigentlich hoffte Mati, den Besitzer zu finden. Es gab aber keinen und deshalb überliessen wir das Schicksal des süssen, kleinen Dings der dortigen Polizeistation. Zurück im gemütlichen Heim, gab es eine Snackrunde und Mate. So lernte ich dieses intensive Kräutergetränk auch endlich original kennen. Gesehen habe ich bereits viele Personen mit der speziellen Tasse inkl. Trinkhalm in der Hand und Thermoskanne unter dem Arm. Jedoch durfte ich bis anhin noch an keinem dieser Matetrink-Rituale teilhaben. Mittlerweile war es bereits 22.00 Uhr und Cecilia fragte, ob ich Lust hätte sie zu begleiten. Sie gingen kurz ihrer Schwester beim Umzug helfen. Diese zügelte grad ihren Kleiderladen an einen strategisch besseren Ort. Na klar! Im Dunkeln trugen wir also das ganze Mobiliar plus Inventar zum Auto und vom Auto in den geschmacksvoll renovierten, neuen Laden. Kurz nach Mitternacht waren wir wieder zu Hause. Wenn die ganze Familie mithilft, geht das schnell und ist lustig – und ich mag zügeln ja ganz gerne. Jetzt war Nachtessen angesagt: Pizzaplausch! Irgendwann gegen 2.00 Uhr entschieden wir, doch noch auszugehen, einfach was trinken. Und nun muss ich gestehen, dass ich der Schweiz definitiv nicht alle Ehre erwies. Ich bin zwar nicht am Tisch eingeschlafen, musste mir aber echt Mühe geben, dass ich nicht vom Stuhl fiel und der spanischen Konversation einigermassen folgen konnte. Nachdem wir noch die besten Perros Calientes resp. Panchos von Jujuy verzehrt hatten, ging es dann gegen 5.00 Uhr morgens ins Bett. Dort fiel ich sofort in einen erholsam tiefen Schlaf, der bis um 13.00 Uhr dauerte. Kein Problem, am Sonntag wird immer erst spät gegessen und zwar Asado con todo la familia. Keine Ahnung wie viel Kilo Fleisch und Wurst da auf dem Grill lagen, aber es war viel! Wir waren schlussendlich aber auch eine grosse Meute, und alle hatten Platz rund um den riesigen Tisch im Garten. Und das nicht wegen mir, nein, so ist das jeden Sonntag: Ein Käferfest! Am späteren Nachmittag gingen wir das beste Eis von Jujuy kaufen und ich konnte mich wenigsten ein bisschen für die Gastfreundschaft revanchieren. Danach spielten wir so was ähnliches wie Activity, für mich auf Spanisch allerdings schwierig, trotzdem lustig, aber auch anstrengend. Zum Nachtessen gab es nochmals lecker Asado, diesmal bisserl früher als am Vorabend. Mit dem Essen läuft übrigens auf immer der Fernseher. An diesem Abend wurden die Präsidentenwahlen übertragen. Irgendwie kümmerte es aber niemanden sonderlich, dass Cristina Kirchner wiedergewählt wurde. Die Tanzshows à la „DSDS“ waren viel spannender. Ui, und da werden nackte Tatsachen gezeigt, in der Schweiz würde das wohl glatt unter Erotik-Show durchgehen.
So sehr ich es genoss, unter vielen lieben Menschen zu sein, so sehr freute ich mich am nächsten Mittag meine Weiterreise alleine anzutreten und in meine eigene Welt einzutauchen. Es erwartete mich eine über 24-stündige Reise nach Puerto Iguazú. Die dortigen Wasserfälle waren für mich das zweite grosse Ziel, was ich nicht verpassen wollte. So viel vorweg: Zum Glück war ich da!
Ciao Adios Bye
Flavia
17. Dezember 2011
Cafayate - Jujuy
13. Dezember 2011
San Pedro de Atacama - Salta
Meine Lieben
Und noch etwas ist beim Reisen ohne Eddie anders: Kaum steigt man aus dem Bus, erhält man verschiedene Flyers von Hotels, die natürlich die besten sind im Ort. Das war bereits in Copacabana so und auch in San Pedro de Atacama. Also kuckten Yumi, Dayne und ich mir das erste Hostal an, was ganz ordentlich war, aber Yumi und ich wollten noch ein zweites als Vergleich. Nachdem ich kurz ein Foto vom Smiley-Kissenbezug gemacht hatte, zogen wir weiter zum Hostal Corvatsch, wo wir uns schlussendlich einnisteten. Das Hostal ist tatsächlich halb schweizerisch und entsprechend stiegen da viele Landesgenossen ab, was ich nicht nur toll fand. So leid es mir tut, aber Schweizerdeutsch gehört nun mal nicht zu den schönsten Sprachen - abgesehen von Bündnerdialekt – und wirkt langsam.
Da weder Yumi noch ich vorhatten, lange in San Pedro de Atacama zu bleiben, buchten wir direkt einen Ausflug zum Valle de la Luna für den späteren Nachmittag. Das Mondtal versprach uns eine Landschaft, die wir auf der Tour von Uyuni hier her noch nicht bewundert haben. Und so war es dann auch: Die Sandhügel und -täler boten uns einen Anblick, den ich nicht so schnell vergessen werde. Genauso wie den Wind, der mir den Sand so sehr an die Beine peitschte, dass es fast schmerzte. Auch die Salzhöhlen waren ein Erlebnis für sich. Nicht zu vergessen der Sonnenuntergang, der allerdings nicht wegen seinen Farben speziell war war, sondern wegen dem Ort wo wir uns befanden: Inmitten der trockensten Wüste der Welt! Speziell für mich war zudem, dass mittlerweile die Sonne erst um 20.00 Uhr unterging.
Zurück im Hotel versuchten wir auf die Schnelle den Sand loszuwerden. Überall hängen Warnsignale, dass man bitte mit dem Wasser sorgfältig umzugehen habe, da dies vor Ort Mangelware ist. So kriegt man beim Duschen fast schon ein schlechtes Gewissen, ich zumindest. Apropos Duschen: Sowohl in Zentralamerika als nun auch in Südamerika ist es verrückt schwierig Duschgel zu finden, denn hier duschen alle mit Seife. Es kann also durchaus sein, dass man in einem riesigen Einkaufszentrum vor einer Wand mit tausend verschiedenen Shampoos steht aber kein einziges Duschgel sichtet. Wenn man danach fragt, wird man gross angekuckt und Badeschaum wird vorgeführt. Nur mit Glück findet man dann eine einzige Flasche Duschgel, meist völlig überteuert, aber die Suche wert.
Nachdem wir also unser Peeling hinter uns hatten, holten wir Dayne im ersten Hostal ab. Für diejenigen, die sich gewundert haben, weshalb ich die Hostalsuche anfänglich ausführte, hier kommt’s: Als ich nämlich an die Türe klopfte, wohinter ich Dayne glaubte, öffnete mir Timo die Türe! Ich wusste zwar, dass er auch da wir, schliesslich hatten wir uns auch auf der Salar-Tour zwischendurch gesehen. Trotzdem staunte ich nicht schlecht, in San Pedro de Atacama gibt es schliesslich unzählige Übernachtungsmöglichkeiten. Zudem schlief er auf meinem Smiley-Kissen. Leider aber ging es ihm und Lisa magentechnisch nicht hervorragend und so verbrachten wir den Abend nicht wie gehofft gemeinsam.
Während Yumi am nächsten Morgen schon fleissig ihre Weiterreise nach Santiago de Chile buchte, schlief ich erstmals aus. Danach machten wir uns auf die Suche nach einem feinen Restaurant, wo wir hiesige Spezialitäten essen können. Wir wurden fündig, allerdings war es das erste Mal, dass ich etwas schlichtweg nicht mochte und Yumi genauso wenig. Leider konnte ich mir nicht merken wie die Speise hiess, aber es war etwas mit Hackfleisch. Somit sollte dies meiner Geschmacksmeinung nach salzig sein, aber es war zusätzlich mit Früchten und somit süss. Egal, wir hatten ein grosses Glas Wein zum Spülen und verabredeten uns für ein Wiedersehen in Buenos Aires bevor ich Yumi zum Busbahnhof begleitete.
Da wir am Vortag noch nicht viel von San Pedro de Atacama gesehnen hatten, entschied ich mich, eine weitere Nacht zu bleiben und mir einen zweiten Eindruck von diesem Lehmdorf zu machen. Insgesamt sah es aus, als sei es allein für Touristen konstruiert worden: Ein Restaurant nach dem anderen, viele Souvenirladen und Tour-Agencies. Auf der Plaza traf ich auf Elena, eine clevere und natürlich hübsche Russin, die bereits am Vorabend mit uns essen war. Nach Kaffeeplausch vereinbarten wir, am Abend erneut zusammen dinieren zu gehen. Derweil besuchte ich Timo und Lisa, die noch immer kränkend in ihrem Zimmer weilten und kaufte mein Ticket nach Salta für den nächsten Morgen.
Eben an diesem suchte ich zeitig nach Frühstück, was sich als gar nicht so einfach herausstellte, insbesondere da ich nicht mehr viel chilenische Pesos übrig hatte und mein Lieblinsbäcker an der Plaza auch noch nicht da war. Und dann ging erst noch inmitten der Suche mein Flipflop kaputt und mein Ersatzpaar war beim Rucksack im Cocacola-Lastwagen, wo vorübergehend auf ihn aufgepasst wurde. Somit blieb mir nichts anderes als barfuss durch den Staubsand zu zotteln und aufzupassen, dass ich die Orientierung nicht verlor, denn insbesondere am Morgen, da noch praktisch kein Geschäft offen hatte, sahen alle Lehmhütten gleich aus. Die Blicke, die ich dabei erhielt waren eher seltsame... und ich wurde unfreundlich bedient, aber vielleicht ist der Monsieur auch einfach mit dem falschen Fuss aufgestanden... Pünktlich zurück beim Busterminal - jedoch nur mich Chips-Tüten bewaffnet - traf ich Leon wieder. Mit ihm hatte ich tagsvorher bereits kurz Bekanntschaft gemacht weil er mit Nils unterwegs war, der ein Smiley-Shirt trug – und ich natürlich ein Foto von ihm machte. Die beinahe 10-stündige Fahrt nach Argentinien inkl. Grenzübergang verlief reibungslos und wir erreichten Salta irgendwann nach 20.30 Uhr. Gerne liessen wir uns von einem Hostal überzeugen, was sogar den Taxiservice beinhaltet. Nachdem wir unser Gepäck kurz deponiert hatten, machten wir uns auf den Weg zur Balcarce, dies ist die Restaurant- und Barstrasse von Salta. Da wir deutlich underdressed waren, entschieden wir uns für eine Eisdiele, in der sonst niemand war, die Glaceauswahl jedoch riesig und absolut lecker! Ich glaube, ein so grosses Eis habe ich lange nicht gegessen.
Salta ist ziemlich gross und so war für mich schnell klar, dass ich am nächsten Tag weiterziehen werde. Ich hatte weder Zeit noch Musse diese Stadt kennen zu lernen. Zudem kam ich beim blossen Anblick der vielen Kleidershops am nächsten Morgen in einen total Rausch und eigentlich wollte ich mich dem Shoppingwahn erst in Buenos Aires hingeben – dafür dann so richtig, ich freu mich schon! Somit suchte ich mit Leon, dem Spar-Profi (und ziemlich genau 10 Jahre jünger als ich), kurz ein neues Hostal und ass mit ihm selbstgemachte Sandwiches im Park, wo uns die Tauben alle Krümel direkt von den Füssen pickten. Danach liess ich mich zum Busterminal fahren, von einem knapp 60jährigen Taxifahrer, der pro Tag drei Päckli Zigis raucht. Obwohl er harte Schicksalsschläge erlebte, ist er überzeugt: Das Leben ist so, wie du willst, dass es ist – auf Spanisch tönt das natürlich schöner, aber die Bedeutung bleibt dieselbe. Nichts neues unter der Sonne.
Trotzdem inspiriert bestieg ich den Bus nach Cafayate, einer der besten Weinregionen Argentiniens.
Ciao Adios Bye
Flavia
Und noch etwas ist beim Reisen ohne Eddie anders: Kaum steigt man aus dem Bus, erhält man verschiedene Flyers von Hotels, die natürlich die besten sind im Ort. Das war bereits in Copacabana so und auch in San Pedro de Atacama. Also kuckten Yumi, Dayne und ich mir das erste Hostal an, was ganz ordentlich war, aber Yumi und ich wollten noch ein zweites als Vergleich. Nachdem ich kurz ein Foto vom Smiley-Kissenbezug gemacht hatte, zogen wir weiter zum Hostal Corvatsch, wo wir uns schlussendlich einnisteten. Das Hostal ist tatsächlich halb schweizerisch und entsprechend stiegen da viele Landesgenossen ab, was ich nicht nur toll fand. So leid es mir tut, aber Schweizerdeutsch gehört nun mal nicht zu den schönsten Sprachen - abgesehen von Bündnerdialekt – und wirkt langsam.
Da weder Yumi noch ich vorhatten, lange in San Pedro de Atacama zu bleiben, buchten wir direkt einen Ausflug zum Valle de la Luna für den späteren Nachmittag. Das Mondtal versprach uns eine Landschaft, die wir auf der Tour von Uyuni hier her noch nicht bewundert haben. Und so war es dann auch: Die Sandhügel und -täler boten uns einen Anblick, den ich nicht so schnell vergessen werde. Genauso wie den Wind, der mir den Sand so sehr an die Beine peitschte, dass es fast schmerzte. Auch die Salzhöhlen waren ein Erlebnis für sich. Nicht zu vergessen der Sonnenuntergang, der allerdings nicht wegen seinen Farben speziell war war, sondern wegen dem Ort wo wir uns befanden: Inmitten der trockensten Wüste der Welt! Speziell für mich war zudem, dass mittlerweile die Sonne erst um 20.00 Uhr unterging.
Zurück im Hotel versuchten wir auf die Schnelle den Sand loszuwerden. Überall hängen Warnsignale, dass man bitte mit dem Wasser sorgfältig umzugehen habe, da dies vor Ort Mangelware ist. So kriegt man beim Duschen fast schon ein schlechtes Gewissen, ich zumindest. Apropos Duschen: Sowohl in Zentralamerika als nun auch in Südamerika ist es verrückt schwierig Duschgel zu finden, denn hier duschen alle mit Seife. Es kann also durchaus sein, dass man in einem riesigen Einkaufszentrum vor einer Wand mit tausend verschiedenen Shampoos steht aber kein einziges Duschgel sichtet. Wenn man danach fragt, wird man gross angekuckt und Badeschaum wird vorgeführt. Nur mit Glück findet man dann eine einzige Flasche Duschgel, meist völlig überteuert, aber die Suche wert.
Nachdem wir also unser Peeling hinter uns hatten, holten wir Dayne im ersten Hostal ab. Für diejenigen, die sich gewundert haben, weshalb ich die Hostalsuche anfänglich ausführte, hier kommt’s: Als ich nämlich an die Türe klopfte, wohinter ich Dayne glaubte, öffnete mir Timo die Türe! Ich wusste zwar, dass er auch da wir, schliesslich hatten wir uns auch auf der Salar-Tour zwischendurch gesehen. Trotzdem staunte ich nicht schlecht, in San Pedro de Atacama gibt es schliesslich unzählige Übernachtungsmöglichkeiten. Zudem schlief er auf meinem Smiley-Kissen. Leider aber ging es ihm und Lisa magentechnisch nicht hervorragend und so verbrachten wir den Abend nicht wie gehofft gemeinsam.
Während Yumi am nächsten Morgen schon fleissig ihre Weiterreise nach Santiago de Chile buchte, schlief ich erstmals aus. Danach machten wir uns auf die Suche nach einem feinen Restaurant, wo wir hiesige Spezialitäten essen können. Wir wurden fündig, allerdings war es das erste Mal, dass ich etwas schlichtweg nicht mochte und Yumi genauso wenig. Leider konnte ich mir nicht merken wie die Speise hiess, aber es war etwas mit Hackfleisch. Somit sollte dies meiner Geschmacksmeinung nach salzig sein, aber es war zusätzlich mit Früchten und somit süss. Egal, wir hatten ein grosses Glas Wein zum Spülen und verabredeten uns für ein Wiedersehen in Buenos Aires bevor ich Yumi zum Busbahnhof begleitete.
Da wir am Vortag noch nicht viel von San Pedro de Atacama gesehnen hatten, entschied ich mich, eine weitere Nacht zu bleiben und mir einen zweiten Eindruck von diesem Lehmdorf zu machen. Insgesamt sah es aus, als sei es allein für Touristen konstruiert worden: Ein Restaurant nach dem anderen, viele Souvenirladen und Tour-Agencies. Auf der Plaza traf ich auf Elena, eine clevere und natürlich hübsche Russin, die bereits am Vorabend mit uns essen war. Nach Kaffeeplausch vereinbarten wir, am Abend erneut zusammen dinieren zu gehen. Derweil besuchte ich Timo und Lisa, die noch immer kränkend in ihrem Zimmer weilten und kaufte mein Ticket nach Salta für den nächsten Morgen.
Eben an diesem suchte ich zeitig nach Frühstück, was sich als gar nicht so einfach herausstellte, insbesondere da ich nicht mehr viel chilenische Pesos übrig hatte und mein Lieblinsbäcker an der Plaza auch noch nicht da war. Und dann ging erst noch inmitten der Suche mein Flipflop kaputt und mein Ersatzpaar war beim Rucksack im Cocacola-Lastwagen, wo vorübergehend auf ihn aufgepasst wurde. Somit blieb mir nichts anderes als barfuss durch den Staubsand zu zotteln und aufzupassen, dass ich die Orientierung nicht verlor, denn insbesondere am Morgen, da noch praktisch kein Geschäft offen hatte, sahen alle Lehmhütten gleich aus. Die Blicke, die ich dabei erhielt waren eher seltsame... und ich wurde unfreundlich bedient, aber vielleicht ist der Monsieur auch einfach mit dem falschen Fuss aufgestanden... Pünktlich zurück beim Busterminal - jedoch nur mich Chips-Tüten bewaffnet - traf ich Leon wieder. Mit ihm hatte ich tagsvorher bereits kurz Bekanntschaft gemacht weil er mit Nils unterwegs war, der ein Smiley-Shirt trug – und ich natürlich ein Foto von ihm machte. Die beinahe 10-stündige Fahrt nach Argentinien inkl. Grenzübergang verlief reibungslos und wir erreichten Salta irgendwann nach 20.30 Uhr. Gerne liessen wir uns von einem Hostal überzeugen, was sogar den Taxiservice beinhaltet. Nachdem wir unser Gepäck kurz deponiert hatten, machten wir uns auf den Weg zur Balcarce, dies ist die Restaurant- und Barstrasse von Salta. Da wir deutlich underdressed waren, entschieden wir uns für eine Eisdiele, in der sonst niemand war, die Glaceauswahl jedoch riesig und absolut lecker! Ich glaube, ein so grosses Eis habe ich lange nicht gegessen.
Salta ist ziemlich gross und so war für mich schnell klar, dass ich am nächsten Tag weiterziehen werde. Ich hatte weder Zeit noch Musse diese Stadt kennen zu lernen. Zudem kam ich beim blossen Anblick der vielen Kleidershops am nächsten Morgen in einen total Rausch und eigentlich wollte ich mich dem Shoppingwahn erst in Buenos Aires hingeben – dafür dann so richtig, ich freu mich schon! Somit suchte ich mit Leon, dem Spar-Profi (und ziemlich genau 10 Jahre jünger als ich), kurz ein neues Hostal und ass mit ihm selbstgemachte Sandwiches im Park, wo uns die Tauben alle Krümel direkt von den Füssen pickten. Danach liess ich mich zum Busterminal fahren, von einem knapp 60jährigen Taxifahrer, der pro Tag drei Päckli Zigis raucht. Obwohl er harte Schicksalsschläge erlebte, ist er überzeugt: Das Leben ist so, wie du willst, dass es ist – auf Spanisch tönt das natürlich schöner, aber die Bedeutung bleibt dieselbe. Nichts neues unter der Sonne.
Trotzdem inspiriert bestieg ich den Bus nach Cafayate, einer der besten Weinregionen Argentiniens.
Ciao Adios Bye
Flavia
Salar de Uyuni
Meine Lieben
Backpacker-Reisen ist definitiv anders als mit Eddie. Nicht nur, dass ich mich nun um Abfahrtszeiten kümmern muss, sondern eben auch um den Backpack selbst - an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an meine Mädels und Geschwister! Und meiner ist gross, vor allem seit dem unnötigen Taschenkauf in La Paz. Die Grösse ist aber nicht das eigentliche Problem und ein bisserl Krafttraining schadet mir auch nicht. Viel mehr muss ich nun darauf aufpassen. So habe ich dann auch beim Ticketkauf nach Uyuni gefragt, ob ich für meinen Rucksack einen Coupon erhalten werde? Natürlich, und eine Heizung gibt es auch im Bus. Das nächste Mal frage ich wohl besser, ob die Heizung denn auch funktioniert. Ich habe also bei der Gepäckabgabe kein Zettel gekriegt und der Verfrachter mochte mich Bleichgesicht offensichtlich nicht sonderlich. Dummerweise war dann mein Rucksack ganz zuvorderst eingereiht und als wir kurz nach Abfahrt nochmals anhielten und ich die Gepäcktüre auf- und zugehen hörte, machte ich mir ernsthaft Sorgen. Ich überlegte mir schon plastisch, wie ich am effizientesten ausraste, wenn ich am nächsten Morgen erfahren sollte, dass mein Hab und Gut tatsächlich weg sein sollte. Gleichzeitig realisierte ich, wie unfair es ist, dem Team was zu unterstellen nur weil ich Oruro nicht mochte und doch die eine oder andere Geschichte gehört habe. So habe ich mich für relaxen entschieden und mich erinnert: Es wird alles gut! Und das tat es natürlich auch. In aller Herrgottsfrühe erreichten wir Uyuni und ich nahm glücklich mein Backpack entgegen.
Die Chance bestand, dass wir noch am selben Tag zur Salzwüste aufbrechen konnten und deshalb machten Yumi und ich uns nach einer schnellen Dusche auf die Suche nach dem besten Anbieter. Allerdings waren wir zu früh unterwegs und alle Agenturen hatten noch geschlossen. Also genossen wir als erstes ein reichhaltiges Frühstück im aufwärmenden Sonnenschein. So müsste jeder Tag beginnen! Auch die Gruppe von Spaniern am Nachbartisch schienen den Moment zu geniessen und erzählten uns von der fantastischen Tour, die sie mit Titto als Guide unternommen hatten. Genau in diesem Moment kam dieser vorbei, er suchte nämlich noch zwei Personen für die Tour. Mir war der Mittvierziger auf Anhieb sympathisch und die Referenz der Spanier schien ein sicherer Wert. Yumi hätte eigentlich lieber eine Englische Tour gebucht, schlussendlich nahm sie aber mein Übersetzungsangebot an - eine andere Tour zu wählen in dem unübersichtlichen Angebot war nämlich kein einfaches Unterfangen. Und so starteten wir das Jeep-Abenteuer gemeinsam mit Anna Laura aus Brasilien, Dayne aus Texas sowie Cecile und Roul, einem Paar aus Quebec.
Als erstes begaben wir uns zum Friedhof der Lokomotiven, einem grossen Kletter-Spielplatz für Erwachsene sozusagen. Weiter ging es zum eigentlichen Ziel: El Salar de Uyuni. Diese Salzwüste ist auf 3653 Meter gelegen und 12'106 Quadratkilometer gross, somit ist alles weiss wohin das Auge sieht... Während unser simples Mittagessen vorbereitet wurde, versuchten wir uns in lustigen Perspektive-Fotos. Dafür braucht es ganz schön viel Geduld und für einmal war ich nicht die einzige, die diese nicht aufbrachte. Übernatürlich schön wurde es für mich dann aber erst am Nachmittag beim Besuch der Isla del Pescado oder Incahuasi. Auf dieser Insel mitten in der Salzwüste wachsen grosse Trichoreus-Kakteen und wir genossen eine Aussicht, die unbeschreiblich ist...
Zeitig erreichten wir das simple Salz-Hostal, unser erstes Nachtlager. Nachdem wir kurz unsere Rucksäcke im Dorm deponiert hatten, fuhren wir wieder los um den Sonnenuntergang zu erleben, vom Salar aus. Auf diesem befanden wir uns nämlich noch immer. Da es bereits kühler wurde, animierte uns Titto zu Sprung-Bildern, welche uns allen eine schöne Erinnerung bescherten und definitiv ein lustiger Zeitvertrieb waren. Am nächsten Morgen früh stärkten wir uns und bestiegen erneut den Jeep. An diesem Tag waren Flamingos angesagt. Diese hausen bei verschiedensten nach Schwefel stinkenden Lagunen und essen Plankton mit Shrimps damit sie pink werden. Nicht ganz so pink wie mein Lieblingsauto, aber dennoch ein wunderschönes Bild! Aber gar nicht so einfach festzuhalten. Nebenbei bemerkt, ich glaube, ich habe noch nie so viele Bilder von jemandem gemacht wie von Yumi und geschweige denn von mir selbst. Die Foto-Knips-Geste für Japaner kommt also definitiv nicht von ungefähr... genauso wenig wie die Dankbarkeit. Jedes Mal nämlich hat sie mit ihrem lustigen Akzent „Thank you very much!“ gesagt, eine süsse Maus!
Mein Highlight an diesem Tag war die Laguna Colorada. Wenn man diese selbst nicht gesehen hat, dann ist dies schwierig zu glauben, aber diese wunderschöne Lagune weist eine beinah unnatürlich fantastische Farbkombination auf mit rotem Schwerpunkt, welche durch die vorherrschende Algenart entsteht.å
Ein weiterer, gemütlicher Gruppenabend mit Wein folgte. Es ist immer wieder interessant zu erfahren, wie schnell man sich an neue Leute gewöhnen kann und sich innert kürzester Zeit durch gemeinsame Erlebnisse verbunden fühlt. Trotzdem aber können diese Menschen weder Familie noch Freunde ersetzen. Definitiv aber helfen sie abzulenken und lassen einem wohl fühlen. Interessant zu erfahren fanden wir an diesem Abend auch das bereits 44 Jahre andauernde Liebesglück von Cecil und Roul: Das ältere Paar ging als erstes schlafen und als wir später ins Zimmer stiessen, entdeckten wir die beiden in einem dieser 90cm-Betten in einer Umarmung liegend, schlafend. Allerdings nicht für lange, Yumi schoss nämlich ein Bild von den beiden, mit Flash!
Nach einer kurzen und unruhigen Nacht standen wir um 4.00 Uhr auf um zum Geysirbecken Sol de Manana zu fahren, was dem Namen alle Ehre tat – und auf 4950 Höhenmeter gelegen ist. In der aufkommenden Morgensonne liefen wir vorsichtig fasziniert über die brodelnden Schlamm- und dampfenden Schwefellöcher und liessen es uns trotz klammen Fingern nicht nehmen, ein paar Erinnerungs-Fotos zu schiessen. Skeptisch erreichten wir schlussendlich die Termas de Polques: Bereits am Morgen habe ich auf Anweisung mein Bikini angezogen. Nun aber standen wir in der Kälte auch noch immer über 4000 Höhenmeter und sollten uns ausziehen um in das Hotspring-Becken zu steigen? Die vergnügten Gesichter und der aufsteigende Dampf überzeugten mich schnell und schwupdiwups war ich drin. Wie herrlich war das, ich wollte nicht mehr raus und leider liess sich Titto nicht dazu überreden, uns das Frühstück direkt an den Pool zu bringen. Irgendwann schien die Sonne in ihrer vollen Pracht und wir trauten uns aus dem Becken auszusteigen ohne von Hühnerhaut übersät zu sein. Schnell zogen wir uns um und setzen uns an den leckeren Frühstückstisch. Nachdem wir alle unsere Koordinaten ausgetauscht hatten, stiegen wir ein letztes Mal gemeinsam in den Jeep: Dayne, Yumi und ich wurden an der Grenze nach Chile abgesetzt während Anna Laura, Cecile und Roul wieder zurück nach Uyuni fuhren.
Reich beschenkt betrat ich San Pedro de Atacama: Die Naturwunder rund um den Salar de Uyuni sind etwas vom Schönsten, was ich je gesehen habe!
Ciao Adios Bye
Flavia
Backpacker-Reisen ist definitiv anders als mit Eddie. Nicht nur, dass ich mich nun um Abfahrtszeiten kümmern muss, sondern eben auch um den Backpack selbst - an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an meine Mädels und Geschwister! Und meiner ist gross, vor allem seit dem unnötigen Taschenkauf in La Paz. Die Grösse ist aber nicht das eigentliche Problem und ein bisserl Krafttraining schadet mir auch nicht. Viel mehr muss ich nun darauf aufpassen. So habe ich dann auch beim Ticketkauf nach Uyuni gefragt, ob ich für meinen Rucksack einen Coupon erhalten werde? Natürlich, und eine Heizung gibt es auch im Bus. Das nächste Mal frage ich wohl besser, ob die Heizung denn auch funktioniert. Ich habe also bei der Gepäckabgabe kein Zettel gekriegt und der Verfrachter mochte mich Bleichgesicht offensichtlich nicht sonderlich. Dummerweise war dann mein Rucksack ganz zuvorderst eingereiht und als wir kurz nach Abfahrt nochmals anhielten und ich die Gepäcktüre auf- und zugehen hörte, machte ich mir ernsthaft Sorgen. Ich überlegte mir schon plastisch, wie ich am effizientesten ausraste, wenn ich am nächsten Morgen erfahren sollte, dass mein Hab und Gut tatsächlich weg sein sollte. Gleichzeitig realisierte ich, wie unfair es ist, dem Team was zu unterstellen nur weil ich Oruro nicht mochte und doch die eine oder andere Geschichte gehört habe. So habe ich mich für relaxen entschieden und mich erinnert: Es wird alles gut! Und das tat es natürlich auch. In aller Herrgottsfrühe erreichten wir Uyuni und ich nahm glücklich mein Backpack entgegen.
Die Chance bestand, dass wir noch am selben Tag zur Salzwüste aufbrechen konnten und deshalb machten Yumi und ich uns nach einer schnellen Dusche auf die Suche nach dem besten Anbieter. Allerdings waren wir zu früh unterwegs und alle Agenturen hatten noch geschlossen. Also genossen wir als erstes ein reichhaltiges Frühstück im aufwärmenden Sonnenschein. So müsste jeder Tag beginnen! Auch die Gruppe von Spaniern am Nachbartisch schienen den Moment zu geniessen und erzählten uns von der fantastischen Tour, die sie mit Titto als Guide unternommen hatten. Genau in diesem Moment kam dieser vorbei, er suchte nämlich noch zwei Personen für die Tour. Mir war der Mittvierziger auf Anhieb sympathisch und die Referenz der Spanier schien ein sicherer Wert. Yumi hätte eigentlich lieber eine Englische Tour gebucht, schlussendlich nahm sie aber mein Übersetzungsangebot an - eine andere Tour zu wählen in dem unübersichtlichen Angebot war nämlich kein einfaches Unterfangen. Und so starteten wir das Jeep-Abenteuer gemeinsam mit Anna Laura aus Brasilien, Dayne aus Texas sowie Cecile und Roul, einem Paar aus Quebec.
Als erstes begaben wir uns zum Friedhof der Lokomotiven, einem grossen Kletter-Spielplatz für Erwachsene sozusagen. Weiter ging es zum eigentlichen Ziel: El Salar de Uyuni. Diese Salzwüste ist auf 3653 Meter gelegen und 12'106 Quadratkilometer gross, somit ist alles weiss wohin das Auge sieht... Während unser simples Mittagessen vorbereitet wurde, versuchten wir uns in lustigen Perspektive-Fotos. Dafür braucht es ganz schön viel Geduld und für einmal war ich nicht die einzige, die diese nicht aufbrachte. Übernatürlich schön wurde es für mich dann aber erst am Nachmittag beim Besuch der Isla del Pescado oder Incahuasi. Auf dieser Insel mitten in der Salzwüste wachsen grosse Trichoreus-Kakteen und wir genossen eine Aussicht, die unbeschreiblich ist...
Zeitig erreichten wir das simple Salz-Hostal, unser erstes Nachtlager. Nachdem wir kurz unsere Rucksäcke im Dorm deponiert hatten, fuhren wir wieder los um den Sonnenuntergang zu erleben, vom Salar aus. Auf diesem befanden wir uns nämlich noch immer. Da es bereits kühler wurde, animierte uns Titto zu Sprung-Bildern, welche uns allen eine schöne Erinnerung bescherten und definitiv ein lustiger Zeitvertrieb waren. Am nächsten Morgen früh stärkten wir uns und bestiegen erneut den Jeep. An diesem Tag waren Flamingos angesagt. Diese hausen bei verschiedensten nach Schwefel stinkenden Lagunen und essen Plankton mit Shrimps damit sie pink werden. Nicht ganz so pink wie mein Lieblingsauto, aber dennoch ein wunderschönes Bild! Aber gar nicht so einfach festzuhalten. Nebenbei bemerkt, ich glaube, ich habe noch nie so viele Bilder von jemandem gemacht wie von Yumi und geschweige denn von mir selbst. Die Foto-Knips-Geste für Japaner kommt also definitiv nicht von ungefähr... genauso wenig wie die Dankbarkeit. Jedes Mal nämlich hat sie mit ihrem lustigen Akzent „Thank you very much!“ gesagt, eine süsse Maus!
Mein Highlight an diesem Tag war die Laguna Colorada. Wenn man diese selbst nicht gesehen hat, dann ist dies schwierig zu glauben, aber diese wunderschöne Lagune weist eine beinah unnatürlich fantastische Farbkombination auf mit rotem Schwerpunkt, welche durch die vorherrschende Algenart entsteht.å
Ein weiterer, gemütlicher Gruppenabend mit Wein folgte. Es ist immer wieder interessant zu erfahren, wie schnell man sich an neue Leute gewöhnen kann und sich innert kürzester Zeit durch gemeinsame Erlebnisse verbunden fühlt. Trotzdem aber können diese Menschen weder Familie noch Freunde ersetzen. Definitiv aber helfen sie abzulenken und lassen einem wohl fühlen. Interessant zu erfahren fanden wir an diesem Abend auch das bereits 44 Jahre andauernde Liebesglück von Cecil und Roul: Das ältere Paar ging als erstes schlafen und als wir später ins Zimmer stiessen, entdeckten wir die beiden in einem dieser 90cm-Betten in einer Umarmung liegend, schlafend. Allerdings nicht für lange, Yumi schoss nämlich ein Bild von den beiden, mit Flash!
Nach einer kurzen und unruhigen Nacht standen wir um 4.00 Uhr auf um zum Geysirbecken Sol de Manana zu fahren, was dem Namen alle Ehre tat – und auf 4950 Höhenmeter gelegen ist. In der aufkommenden Morgensonne liefen wir vorsichtig fasziniert über die brodelnden Schlamm- und dampfenden Schwefellöcher und liessen es uns trotz klammen Fingern nicht nehmen, ein paar Erinnerungs-Fotos zu schiessen. Skeptisch erreichten wir schlussendlich die Termas de Polques: Bereits am Morgen habe ich auf Anweisung mein Bikini angezogen. Nun aber standen wir in der Kälte auch noch immer über 4000 Höhenmeter und sollten uns ausziehen um in das Hotspring-Becken zu steigen? Die vergnügten Gesichter und der aufsteigende Dampf überzeugten mich schnell und schwupdiwups war ich drin. Wie herrlich war das, ich wollte nicht mehr raus und leider liess sich Titto nicht dazu überreden, uns das Frühstück direkt an den Pool zu bringen. Irgendwann schien die Sonne in ihrer vollen Pracht und wir trauten uns aus dem Becken auszusteigen ohne von Hühnerhaut übersät zu sein. Schnell zogen wir uns um und setzen uns an den leckeren Frühstückstisch. Nachdem wir alle unsere Koordinaten ausgetauscht hatten, stiegen wir ein letztes Mal gemeinsam in den Jeep: Dayne, Yumi und ich wurden an der Grenze nach Chile abgesetzt während Anna Laura, Cecile und Roul wieder zurück nach Uyuni fuhren.
Reich beschenkt betrat ich San Pedro de Atacama: Die Naturwunder rund um den Salar de Uyuni sind etwas vom Schönsten, was ich je gesehen habe!
Ciao Adios Bye
Flavia
9. Dezember 2011
La Paz - Copacabana - Oruro
Meine Lieben
Nochmals von vorne: Die haben mich also tatsächlich reingelassen in Bolivien, obwohl ich mit meinen rot verquollenen Augen sehr verdächtig aussah. Zudem wurde mir bei der Ankunft in La Paz sogleich ein bisschen schwindelig. Einerseits befand ich mich auf über 3600 Höhenmeter, anderseits war die Einfahrt in die Hauptstadt mit dem Minibus sehr eindrucksvoll: Entlang des steilen Abhangs des Tals, worin sich La Paz befindet, schmieden sich kupfern farbige Häuser, die in der Abendsonne glänzten und aussehen als würden sie sogleich runterfallen. Das taten sie natürlich nicht, aber ich fühlte mich willkommen geheissen und dazu aufgefordert, alles in Ruhe anzugehen.
Über meine Tage in La Paz und Copacabana werde ich mich kurz halten, da es meine persönliche Leidenszeit war und ich diese bereits ausreichend ausgeschlachtet habe. Mittlerweile ist meine kleine Welt zum Glück wieder in Ordnung und ich geniesse meine eigene Gesellschaft. Viel mehr möchte ich ein paar wenige Worte zu Bolivien verlieren. Bolivien ist mit 60% das Land, mit dem grössten Anteil an indigenen Einwohnern. Dies lässt sich auch sogleich erkennen: Überall sah ich rotpfausbäckige Frauen mit beneidenswert dicken, schwarzen Zöpfen. Diese werden hinter dem Rücken an den Enden durch dunkle Zotteln zusammengebunden. Obendrauf kommt eine Art Zylinderhut in dunklen Farben, der wie durch Geisterhand immer locker auf dem Kopf sitzt, ohne befestigt zu sein. Ich weiss dies, weil ich beobachtet habe, wie die Frauen den Hut kurz abnehmen, wenn sie zum Beispiel in ein Auto steigen und sich dazu bücken müssen oder wenn sie am Handy sind und sich nachdenklich am Kopf kratzen. Fasziniert haben mich aber vor allem die Faltenröcke. Diese verleihen jeder Frau einen dicken Hintern. Unter uns Reisenden waren dies ein Thema, resp. wir fragten uns, wie grosse die Hinterteile in Wirklichkeit tatsächlich sind. Diese Faltenröcke sind aus Unmengen von Stoff gemacht und meist sind es nicht nur unzählige Falten sondern auch viele Stufen. Man kann sich das Ganze ein bisschen wie einen Tannenbaum vorstellen, eigentlich sogar wie ein Weihnachtsbaum. Bei mir herrschte also doch auch ein bisschen Adventsstimmung, denn oft sind die Röcke aus glitzerndem und glänzendem Material hergestellt. Ich hab sogar welche aus Plastik gesehen, was ganz praktisch ist, da sich die Damen überall hinsetzen, wo sie grad Lust zu haben. So sieht man an allen unmöglichen Orten ein paar Frauen am Boden kauern, sich selbst oder ihre Kinder fütternd. Viele sitzen auch in einem der unzähligen Souvenir-Shops und bieten ihre bunte Ware feil, inkl. Alpaca-Föten. Diese Dinger sind gruselig und werden scheinbar an Pachamama geopfert, an unsere Mutter Erde. In den Strassen von La Paz dienen sie jedoch wohl eher als Touristen-Attraktion und werden kaum gekauft, but who knows...
Kurz erwähnenswert ist meine Fahrt nach Copacabana. Diese dauerte doppelt so lange wie angekündigt - und ich hätte da bereits tscheggen müssen... dazu aber später mehr - weil unser Bus plötzlich von der Strasse abkam und Umwege über Stock und Stein fuhr, bis er stecken blieb. Wenig später mussten wir (nur Touristen) aussteigen und den Bus anschieben damit wir weiter fahren konnten. Ich fand das natürlich aufregend! Irgendwann erfuhren wir auch, weshalb der Bus in der Wildnis war: Wegen Nord-Süd-Territoriums-Besitz-Verteilung (so habe ich dies zumindest verstanden) gab es Proteste. Diese zeichneten sich durch grosse Steine auf den Strassen aus oder Feuer auf Brücken, die dann eben den Verkehr unterbrachen. Ob die ganzen Aktionen erfolgreich sind und Veränderung bewirken, habe ich leider nicht rausgefunden.
Copacabana gibt es übrigens zwei Mal: Das eine ist das „Bikini-Copacabana“ und das andere das „Zwiebelschicht-Copacabana“. Zwei Mal raten in welchem ich war? Auf jeden Fall war ich froh, hatte ich mich in La Paz mit Stulpen, Mütze und North Face Jacke aus Korea warm eingedeckt. Zwischen zwei Hügel am Titicacasee, wo sich das meine Copa befand, war der Ausflug auf die Isla del Sol mein Highlight. Die Aussicht, die sich auf dieser Insel erbot, war schlichtweg atemberaubend. Und auch der Austausch mit Jonas und insbesondere Ria aus St. Gallen war interessant: Ihr war es in Lobitos nämlich auch langweilig - genauso wie Fabiola, nebenbei bemerkt.
Ach und klar, dem Zusammentreffen mit Timo, einem ehemaligen Arbeitskollegen, gehören ein paar Zeilen gewidmet: Er hat gemeinsam mit Lisa, seiner Reisegefährtin, gerade mal eine knappe Stunde in Copa verbracht und just in dieser Zeit hielten wir uns am selben Ort auf und trafen aufeinander. Wenn das kein Zufall ist? Mich hat es gefreut!
Insgesamt bin ich bekanntlich ziemlich planlos unterwegs und gehe meiner Nase nach. Was ich aber von Beginn an wusste: Ich will zum Salar (Salzwüste) de Uyuni! Und zwar mit dem Zug, der nur dienstags und freitags fährt. Scheinbar bietet dieser ein spezielles Erlebnis und fährt jeweils nachmittags von Oruro ab, wodurch man also auch die Landschaft geniessen kann. Oruro tönt Horror, oder? Das war es für mich auch: Ich kam nach einer Tagesreise abends an und machte mich neugierig auf die Suche nach einem leckeren Restaurant. Auch in der Hoffnung, andere Reisende zu finden, welche dieselbe glorreiche Idee hatten wie ich. Abendessen fand ich, aber weit und breit kein anderes Touristengesicht, dafür unglaublich viel Leben auf der Strasse. Richtig auf der Strasse, denn um Verkehrsregeln kümmert sich in Bolivien niemand – abgesehen von den als Zebra verkleideten Menschen, die insbesondere in La Paz, lustig auf das Anhalten bei Rotlicht sensibilisieren. Also diesen Job täte ich als Zwischenlösung auch machen – any suggestions?! Nachdem ich an dem Abend zwei Mal doof angemacht wurde, ging ich bei Zeiten ins Bett. Schliesslich wollte ich am nächsten Morgen pünktlich am Ticketschalter sein um einen dieser begehrten Zugsplätze zu ergattern. Das war ich dann auch, allerdings vergeblich. Ich hätte gerne mein Gesicht gesehen, als mir der unfreundliche Beamte kund tat, dass erst am Sonntag wieder ein Zug startet. Was ich leider nicht kalkuliert hatte: Auch auf Schienen kann man Steine deponieren.
Zu meiner Enttäuschung fuhr erst abends um 21.00 Uhr ein Bus nach Uyuni. Dadurch musste ich einen Tag in diesem Oruro verbringen, einsam und verlassen. Wobei ganz alleine war ich nicht: Im Internetcafé fand ich Unterstützung durch verschiedene Freunde zu Hause (danke euch!). Und da war auch Vladimir, der Handy-Bastler. In seinem Laden fotografierte ich die Smiley-Bälle in den Vitrinen. Er bemerkte wohl, dass ich mich langweilte. Auch gefiel ihm meine Herkunft. Sein Vater und seine Schwester leben in Lausanne. Sein Vater musste vor 38 Jahren wegen seiner politischen Ansicht fliehen und kam nie zurück, die Schwester nahm er mit. Wenn ich mich nicht täusche, versteckte Vladimir genauso wie ich ein paar Tränen und das verband...
Positiv überrascht fand ich schlussendlich gar ein einladendes Restaurant und obwohl ich zwischendurch nicht daran glaubte, verging die Zeit und ich machte mich auf den Weg zum Bus Terminal. Zum meinem Erstaunen stand da gar eine andere Reisende: Yumi fuhr zusammen mit mir nach Uyuni!
Ciao Adios Bye
Flavia
Nochmals von vorne: Die haben mich also tatsächlich reingelassen in Bolivien, obwohl ich mit meinen rot verquollenen Augen sehr verdächtig aussah. Zudem wurde mir bei der Ankunft in La Paz sogleich ein bisschen schwindelig. Einerseits befand ich mich auf über 3600 Höhenmeter, anderseits war die Einfahrt in die Hauptstadt mit dem Minibus sehr eindrucksvoll: Entlang des steilen Abhangs des Tals, worin sich La Paz befindet, schmieden sich kupfern farbige Häuser, die in der Abendsonne glänzten und aussehen als würden sie sogleich runterfallen. Das taten sie natürlich nicht, aber ich fühlte mich willkommen geheissen und dazu aufgefordert, alles in Ruhe anzugehen.
Über meine Tage in La Paz und Copacabana werde ich mich kurz halten, da es meine persönliche Leidenszeit war und ich diese bereits ausreichend ausgeschlachtet habe. Mittlerweile ist meine kleine Welt zum Glück wieder in Ordnung und ich geniesse meine eigene Gesellschaft. Viel mehr möchte ich ein paar wenige Worte zu Bolivien verlieren. Bolivien ist mit 60% das Land, mit dem grössten Anteil an indigenen Einwohnern. Dies lässt sich auch sogleich erkennen: Überall sah ich rotpfausbäckige Frauen mit beneidenswert dicken, schwarzen Zöpfen. Diese werden hinter dem Rücken an den Enden durch dunkle Zotteln zusammengebunden. Obendrauf kommt eine Art Zylinderhut in dunklen Farben, der wie durch Geisterhand immer locker auf dem Kopf sitzt, ohne befestigt zu sein. Ich weiss dies, weil ich beobachtet habe, wie die Frauen den Hut kurz abnehmen, wenn sie zum Beispiel in ein Auto steigen und sich dazu bücken müssen oder wenn sie am Handy sind und sich nachdenklich am Kopf kratzen. Fasziniert haben mich aber vor allem die Faltenröcke. Diese verleihen jeder Frau einen dicken Hintern. Unter uns Reisenden waren dies ein Thema, resp. wir fragten uns, wie grosse die Hinterteile in Wirklichkeit tatsächlich sind. Diese Faltenröcke sind aus Unmengen von Stoff gemacht und meist sind es nicht nur unzählige Falten sondern auch viele Stufen. Man kann sich das Ganze ein bisschen wie einen Tannenbaum vorstellen, eigentlich sogar wie ein Weihnachtsbaum. Bei mir herrschte also doch auch ein bisschen Adventsstimmung, denn oft sind die Röcke aus glitzerndem und glänzendem Material hergestellt. Ich hab sogar welche aus Plastik gesehen, was ganz praktisch ist, da sich die Damen überall hinsetzen, wo sie grad Lust zu haben. So sieht man an allen unmöglichen Orten ein paar Frauen am Boden kauern, sich selbst oder ihre Kinder fütternd. Viele sitzen auch in einem der unzähligen Souvenir-Shops und bieten ihre bunte Ware feil, inkl. Alpaca-Föten. Diese Dinger sind gruselig und werden scheinbar an Pachamama geopfert, an unsere Mutter Erde. In den Strassen von La Paz dienen sie jedoch wohl eher als Touristen-Attraktion und werden kaum gekauft, but who knows...
Kurz erwähnenswert ist meine Fahrt nach Copacabana. Diese dauerte doppelt so lange wie angekündigt - und ich hätte da bereits tscheggen müssen... dazu aber später mehr - weil unser Bus plötzlich von der Strasse abkam und Umwege über Stock und Stein fuhr, bis er stecken blieb. Wenig später mussten wir (nur Touristen) aussteigen und den Bus anschieben damit wir weiter fahren konnten. Ich fand das natürlich aufregend! Irgendwann erfuhren wir auch, weshalb der Bus in der Wildnis war: Wegen Nord-Süd-Territoriums-Besitz-Verteilung (so habe ich dies zumindest verstanden) gab es Proteste. Diese zeichneten sich durch grosse Steine auf den Strassen aus oder Feuer auf Brücken, die dann eben den Verkehr unterbrachen. Ob die ganzen Aktionen erfolgreich sind und Veränderung bewirken, habe ich leider nicht rausgefunden.
Copacabana gibt es übrigens zwei Mal: Das eine ist das „Bikini-Copacabana“ und das andere das „Zwiebelschicht-Copacabana“. Zwei Mal raten in welchem ich war? Auf jeden Fall war ich froh, hatte ich mich in La Paz mit Stulpen, Mütze und North Face Jacke aus Korea warm eingedeckt. Zwischen zwei Hügel am Titicacasee, wo sich das meine Copa befand, war der Ausflug auf die Isla del Sol mein Highlight. Die Aussicht, die sich auf dieser Insel erbot, war schlichtweg atemberaubend. Und auch der Austausch mit Jonas und insbesondere Ria aus St. Gallen war interessant: Ihr war es in Lobitos nämlich auch langweilig - genauso wie Fabiola, nebenbei bemerkt.
Ach und klar, dem Zusammentreffen mit Timo, einem ehemaligen Arbeitskollegen, gehören ein paar Zeilen gewidmet: Er hat gemeinsam mit Lisa, seiner Reisegefährtin, gerade mal eine knappe Stunde in Copa verbracht und just in dieser Zeit hielten wir uns am selben Ort auf und trafen aufeinander. Wenn das kein Zufall ist? Mich hat es gefreut!
Insgesamt bin ich bekanntlich ziemlich planlos unterwegs und gehe meiner Nase nach. Was ich aber von Beginn an wusste: Ich will zum Salar (Salzwüste) de Uyuni! Und zwar mit dem Zug, der nur dienstags und freitags fährt. Scheinbar bietet dieser ein spezielles Erlebnis und fährt jeweils nachmittags von Oruro ab, wodurch man also auch die Landschaft geniessen kann. Oruro tönt Horror, oder? Das war es für mich auch: Ich kam nach einer Tagesreise abends an und machte mich neugierig auf die Suche nach einem leckeren Restaurant. Auch in der Hoffnung, andere Reisende zu finden, welche dieselbe glorreiche Idee hatten wie ich. Abendessen fand ich, aber weit und breit kein anderes Touristengesicht, dafür unglaublich viel Leben auf der Strasse. Richtig auf der Strasse, denn um Verkehrsregeln kümmert sich in Bolivien niemand – abgesehen von den als Zebra verkleideten Menschen, die insbesondere in La Paz, lustig auf das Anhalten bei Rotlicht sensibilisieren. Also diesen Job täte ich als Zwischenlösung auch machen – any suggestions?! Nachdem ich an dem Abend zwei Mal doof angemacht wurde, ging ich bei Zeiten ins Bett. Schliesslich wollte ich am nächsten Morgen pünktlich am Ticketschalter sein um einen dieser begehrten Zugsplätze zu ergattern. Das war ich dann auch, allerdings vergeblich. Ich hätte gerne mein Gesicht gesehen, als mir der unfreundliche Beamte kund tat, dass erst am Sonntag wieder ein Zug startet. Was ich leider nicht kalkuliert hatte: Auch auf Schienen kann man Steine deponieren.
Zu meiner Enttäuschung fuhr erst abends um 21.00 Uhr ein Bus nach Uyuni. Dadurch musste ich einen Tag in diesem Oruro verbringen, einsam und verlassen. Wobei ganz alleine war ich nicht: Im Internetcafé fand ich Unterstützung durch verschiedene Freunde zu Hause (danke euch!). Und da war auch Vladimir, der Handy-Bastler. In seinem Laden fotografierte ich die Smiley-Bälle in den Vitrinen. Er bemerkte wohl, dass ich mich langweilte. Auch gefiel ihm meine Herkunft. Sein Vater und seine Schwester leben in Lausanne. Sein Vater musste vor 38 Jahren wegen seiner politischen Ansicht fliehen und kam nie zurück, die Schwester nahm er mit. Wenn ich mich nicht täusche, versteckte Vladimir genauso wie ich ein paar Tränen und das verband...
Positiv überrascht fand ich schlussendlich gar ein einladendes Restaurant und obwohl ich zwischendurch nicht daran glaubte, verging die Zeit und ich machte mich auf den Weg zum Bus Terminal. Zum meinem Erstaunen stand da gar eine andere Reisende: Yumi fuhr zusammen mit mir nach Uyuni!
Ciao Adios Bye
Flavia
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