Meine Lieben
Mein nächstes Ziel war Gunung Bromo (danke Susan!) und dann die direkte Weiterfahrt nach Denpasar, Bali. Also ging ich in meine Lieblingsagency und buchte eine komplette Tour obwohl ich dachte: „Nimmst mal wieder die easy Tour, hm? Eigentlich könntest du das alles im Alleingang machen und würdest in einem local bus bestimmt mehr erleben.“ Falsch, wie sich später erwies. Zwar wurde ich pünktlich in meinem Losmen abgeholt und zum Minibus geführt. Der einzig freie Platz war vorne neben Beth und dem Fahrer eingequetscht, sehr unbequem und an schlafen oder lesen nicht zu denken. So habe ich während der 13stündigen Fahrt (laut den Mitreisenden sollte sie nur acht Stunden dauern) viel aus dem Fenster gekuckt und manchmal gedacht, wir fahren im Kreis. Denn es reiht sich ein lustiges Häuschen nach dem anderen und dazwischen taucht immer mal wieder ein „Tante Emma Laden“ auf sowie kleine Restaurants. Java scheint echt dicht besiedelt zu sein, nur selten habe ich eine grüne Fläche gesehen – aber wahrscheinlich sind die Reisfelder hinter den Häuschen, nur konnte ich sie nicht sehen. Aus dem Fenster kucken lässt sich sehr gut mit quatschen verbinden und zwischendurch habe ich DJ mit nur einem Radio-Sender gespielt, ich sass ja auf dem Logenplatz. Ausgetauscht habe ich mich insbesondere mit Beth. Sie ist Amerikanerin und könnte meine Mama sein – dafür wird sie mittlerweile auch oft gehalten. Sie hat selbst sechs Kinder in Boston, Israel und Deutschland. Nachdem sie jahrelang als Musik- und Familientherapeutin selbständig gearbeitet hat, war Zeit für etwas anderes und so hat sie ihren Rucksack gepackt und ist nun seit neun Monaten in Neuseeland, Südamerika und Asien unterwegs, insgesamt ein Jahr. Es ist also niemals zu spät, seinen Traum zu verwirklichen!
Als es bereits stockdunkel war, kamen wir in Ngadisari an. Das ist ein kleines kaltes Dörfchen oberhalb von Probolinggo. Dort ist der Ausgangspunkt für die Touren zum Gunung Bromo. Nach unserem späten Nachtessen in einem gemütlichen Restaurant im Alpenstiel sind wir in unsere schäbige Unterkunft zurückgekehrt. Und genau als ich mich in meinem Zimmer einrichten wollte, fiel der Strom aus. Was aber nicht weiter schlimm war, denn vor uns lagen eh nur knapp vier Stunden Schlaf: Morgens um 3.45 Uhr wurden wir mit dem Jeep abgeholt und fuhren über Stock und Stein zum Gebiet des Gunung Bromos, von wo aus eine kleine Völkerwanderung im Dunkeln zum Aussichtspunkt stattfand. Morgenstund hat definitiv Gold im Mund! Der Sonnenaufgang über der mondähnlichen Landschaft mit epischen Dimensionen war schlichtweg surreal schön. Da konnten mir auch die Fotoanfragen nichts anhaben. Mit Sonnenschein im Gesicht stiegen wir den Berg wieder runter, zogen unsere vielen Kleiderschichten aus und fuhren zum Fusse des Gunung Bromos. Das ist übrigens ein aktiver Vulkan und eigentlich erhielt ich in meiner Lieblingsagency die Info, dass ich den Krater nicht werde besteigen können, eben wegen seiner Aktivität. Doch siehe da, schon von weitem erkannten wir die bunten Punkte, die mühsam den Aufstieg wagten - was auf der Mischung von Sand und Asche gar nicht so einfach war. Oben angekommen erwartete uns ein riesiges dunkles Loch aus dem in regelmässigen Abständen grosse Rauchwolken aufstiegen. Schwefelgeruch lag in der Luft und der Vulkan schenkte uns zusätzlich brodelnd hungrige Geräusche. Somehow scary but sooo impressive!
In dunkler Asche eingehüllt machten wir uns auf den Rückweg, denn bald schon wurden wir wieder von einem vollen Minibussen mit bekannten Gesichtern für die Weiterfahrt nach Bali abgeholt. Irgendwann war Umsteigen angesagt, wobei niemand so genau wusste in welchen Bus. Und dann stiegen wir nochmals um, in einen grossen Bus, in dem vor allem Indos reisten plus eine Handvoll Touristen, die wohl wie wir im falschen Bus gelandet waren weil der richtige Bus überbucht war – das fanden wir aber erst später raus. Dieser Bus hielt alle paar Meter an um Personen rauszulassen und neue rein. Lustige Musik auf höchstem Volumen verbreitete Ferienstimmung und wurde nur runtergedreht wenn mal wieder ein paar singende Jungs mit Gitarre durch den Gang schlenderten um ein paar Tausender einzukassieren. Ich war hell begeistert ab dem Kommen und Gehen, denn obwohl ich eine Tour gebucht hatte, war diese null organisiert und niemand war informiert, wann wo was wie passiert. Einzig klar war, dass wir niemals um 19.00 Uhr in Denpasar ankommen würden, was scheinbar der Zeitplan war. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal die Fähre erreicht und schon hielten wir wieder aus unerklärlichen Gründen an der Strasse an. Ich nutzte diese Stopps natürlich um meiner Sucht zu frönen oder für eine Pipipause. Die Zeit verging unerwartet schnell und nachts auf der Fähre zu sein mit nichts als schwarzem Wasser rundherum hat auch seinen Reiz. Mit dem gleichen Bus ging’s dann weiter. Zum Glück wollte um Mitternacht niemand mehr aus- oder zusteigen und die „Billiger Jakob“ Jungs waren wohl auch müde wodurch wir nonstop bis Denpasar fuhren. An Schlaf war jedoch wieder nicht zu denken, denn der Ein- und Aussteigzuweiser sass so dicht schlafend neben mir, dass ich sein Deo richten konnte. Noch schlimmer war, dass er dauernd zu mir rüber kippte. Nach mehrfachem Wegstossen wies ich ihn dann irgendwann freundlich zurecht, dass er nicht an meiner Schulter ruhen konnte, was half. Good girl, ich muss ja aus Mitleid nicht immer alles in Kauf nehmen, oder? Endlich nickte auch ich ein, wohl keine 20 Minuten bevor wir den unsympathischen Busbahnhof Ubung in Denpasar um 2.30 Uhr nachts endlich erreichten. Eigentlich wollten wir direkt nach Sanor weiterziehen, zogen es jedoch vor, ein Hotel zu suchen und die Nacht hier zu verbringen. So machte ich mit einem netten Polen auf den Weg um eine Bleibe zu suchen, während seine Frau und Tochter sowie Beth auf unser Gepäck aufpassten. Was für ein Glück, um die Ecke leuchteten ganz viele Hotelschilder! Was für ein Pech, alle hatten die Tore geschlossen und wo wir jemanden wecken konnten, war fully booked. So entschieden Beth und ich, ein Taxi nach Padangbai zu nehmen, von wo die Fähre nach Lombok startete. Die beste Entscheidung überhaupt und kaum da angekommen, legte die Fähre dann morgens um 5.00 Uhr los. Das Angebot einer schäbigen Matratze machte uns stutzig, denn aus unerklärlichen Gründen dachten wir, dass die Überfahrt nach Lembar nur zwei Stunden dauerte. Lonely Planet belehrte uns jedoch, dass es fünf Stunden sind und somit lohnte es sich zu schlafen, was wir dann auch taten. So kamen wir in der Morgenfrische an und liessen uns nach Sengiggi chauffieren, direkt zu einer der unzähligen Touristeninfos. Völlig übernächtig nach 24stündiger Reise wollte ich eigentlich keine einzige Entscheidung mehr treffen, nur noch richtig schlafen und vielleicht doch noch kurz die Preise zu vergleichen. Das Angebot entsprach jedoch meinen „Plänen“ und so buchte ich meine weitere Woche: Zwei halbtätige Surfkurse plus eine dreitägige Trekkingtour zum Gunung Rinjani, mit Weiterfahrt zu den Gili-Islands. Beth entschied sich für eine Tour zu den Inseln Komodo und Flores, von wo aus sie dann wieder nach Bali fliegen wird. Da unser Verkäufer wohl grad fett Kohle mit uns gemacht hatte, erhielten wir das Angebot, entweder in einem Durchschnitts-Guesthouse „gratis“ oder aber in einem 3 Sterne Hotel mit heissem Wasser für die Hälfte des Preises übernachten zu können. Nach Besichtigung der beiden Möglichkeiten, entschieden wir uns für die Luxusvariante mit Swimmingpool, der mir jedoch zum Verhängnis wurde.
So lief schlussendlich nichts wie „geplant“, einen besseren Ausgang hätten wir uns jedoch nicht wünschen können und so geniessen wir zur Zeit mal wieder süsses nichts tun...
Ciao adios bye
Flavia
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