28. September 2011

Regentanz


Meine Lieben

Die Zeit fliegt nur so dahin! Und so haben wir uns gestern nach fantastischen und abwechslungsreichen zehn Tagen in Pavones einmal mehr schweren Herzens verabschiedet. Pavones ist ein kleines Dörfchen, das während der Nebensaison sehr ruhig und beinahe ein bisschen ausgestorben ist. Somit „kennt“ man irgendwann einige Reisende, Einwohnende und Auswandernde - eine spannende Mischung aus verschiedenem Volk - die da hin finden. Das ist nämlich ein kleines Unterfangen, denn die Strassen sind mit Schlaglöcher übersät und insbesondere zur Zeit werden diese noch grösser, es herrscht ja Regenzeit. Eddie hat es aber geschafft, obwohl er am ersten Tag in Costa Rica, genau genommen in Liberia, in einen kleinen Auffahrtunfall verwickelt war, in dem er schlussendlich mit dem linken Hinterrad in der Luft und zum Glück ohne überschlagen zum Stehen kam. So konnten Maurus und ich unversehrt hinausklettern und den vielen anhaltenden und -rennenden Ticos ein lachendes Gesicht zeigen. Ein Pick-Up zog Eddie schlussendlich wieder aus dem Graben und wir konnten mit ein paar Ecken und Kanten mehr weiterziehen. Unseres Glücks bewusst, genoss Maurus eine Sonnenuntergang-Surfsession an der Playa Hermosa, bevor wir mit Musica en Viva und Bier darauf anstiessen. Am nächsten Tag besuchten wir kurz die Playa Dominical für ein Mittagessen am selben Ort, wo Maurus vor zehn Jahren schon mal war – meinerseits habe ich keine Ortschaft in Costa Rica nochmals besucht, was auch das Ziel war.

In Pavones haben wir in der Casa Olas gewohnt. Hauptsächlich wegen Jenny, die dieses kleine, feine Hostel führt und Warmherzigkeit und Gastfreundschaft verkörpert wie niemand anderes. Da zur Zeit wenig Gäste ankommen und ihre zwei Kinder gerade bei den Grosseltern in den Ferien sind, hat sie uns auch mal auf einen Ausflug zur Punta Banco mit anschliessendem Kuchenschmaus in Joaquins speziellem Haus ohne Türen begleitet. Genauso wie Mati, der nach einigen Tagen sozusagen unser treuer Begleiter wurde und uns interessante Geschichten über Israel und Argentinien, seine Heimatländer, erzählte. Somit ist er einerseits Krav-Maga-Instruktor und anderseits Salsalehrer. Und weil er versehentlich meine Fotos von einem besonders bilderreichen Tag am Abend bei der Durchschau löschte, erhielten wir im Gegenzug eine Salsalektion und somit haben wir nun den Dreh raus. Und auch im Wasser machen wir Fortschritte: Maurus kriegt immer mehr und grössere Wellen und ich hab nicht alle Finnen unseres Sets zerstört, nur ungefähr vier und eine ist in den Steinen hängen geblieben – aber immerhin habe ich eine grüne Welle erwischt. Im Line-Up trifft man zudem auch immer neue Leute, oft wartet man ja auf die perfekte Welle und hat Zeit nebenbei zu quatschen. Bianca, Severin, Dan, Phil und Jim lernten wir so kennen. Lustigerweise kannten sich Bianca und Maurus bereits vom freestyle.ch – und da dies ja gerade vergangenes Wochenende erfolgreich stattfand, traute sie natürlich ihren Augen nicht: Maurus hier?? Aber so ist es, wir geniessen eine bereichernde Auszeit!

Regenzeit in Costa Rica bedeutet eine riesige Wassermenge, die aus den Wolken strömt, nicht nur nachts. Während zwei Nächten allerdings hat es so geblitzt und gedonnert, dass sogar ich aus dem Tiefschlaf gerissen wurde, mich an Maurus klammerte und wir die eine Strasse am nächsten Tag nicht mehr passieren konnten, weil sie quasi weggeschwemmt wurde. Dafür ist die gesamte Landschaft quietsch-grün und saftig, mancherorts auch pink wie meine Fussnägel. Und auf dem Weg nach Pavones haben wir gar Krokodile gesehen, die lagen dreckig braun-grün faul im Fluss. Die Iguanas, die wir sichteten, sind im Gegensatz umso lebendiger und von kräftigen Farben gesegnet. In Pavones wird das quietsch-grüne Gras übrigens nicht wie an der Costa del Bàlsamo von Kühen wiedergekaut, sondern mehr von wilden Pferden gefressen. So liegt man also im Wasser und schaut zum Strand hin und da stehen sie, diese schönen Tiere, und sehen zufrieden aus, mitten in der bezaubernden Natur. Ein wunderschönes Bild! Genauso inspirierend wie bei Sonnenuntergang auf dem Brett im Wasser zu liegen...

Nun ist aber erstmals City-Life angesagt: Nachdem wir gestern ganz und gar ohne Ganoven-Geschichten die Grenze nach Panama passiert haben, machen wir einen kurzen Zwischenstopp in David, dem Shopping-Paradies schlecht hin, zumindest wenn frau während den vergangenen Wochen keine gescheiten Shops angetroffen hat. Ich hab trotzdem nichts gekauft. Heute geht es nämlich weiter nach Panama-City und das soll nicht anders sein. Da treffen wir zudem Dennis, Marc und Kathi wieder, um den letzen Abend von Dennis zu feiern, bevor er wieder nach Deutschland fliegt. Einmal mehr ist das Glück auf unserer Seite: Wir freuen uns riesig, müssen wir noch nicht zurück resp. haben wir noch mehr Zeit, Land und Leute sowie uns zwei und uns selbst besser kennen zu lernen.

Ciao Adios Bye

Flavia

19. September 2011

Que Onda?


Meine Lieben

„Nicaragua ist wie ein ungeschliffener Diamant. Von aussen sieht vieles runtergekommen, unspektakulär und ärmlich aus, aber wenn man dahinter kuckt, entdeckt man Wunderbares.“ Das sind die Worte von Dennis, die wir nur unterstreichen können! Dennis hat 10 Monate im Buena Onda Resort als Mädchen für alles gearbeitet und die CH-Besitzer, Sarah und Philipp mit der kleinen Alana Sophia, tatkräftig unterstützt. Nebenbei hat er aber auch die Zeit gefunden, die Umgebung samt Menschen zu erkunden. In seinen Erzählungen hat er uns ein bisschen daran teilhaben lassen. Genauso wie Marc, der seit über einem halben Jahr unterwegs ist und gut eineinhalb Monate da verbracht hat. Natürlich erhalten auch Maurus und ich viele Eindrücke und sprechen mit unterschiedlichsten Leuten, das ist dennoch anders als irgendwo tatsächlich zu leben und arbeiten, aber weder besser noch schlechter. Die beiden Jungs surfen auf jeden Fall auch wie die Wilden und so hatte Maurus wieder Sparring Partner für Wellengänge und Surfdiskussionen, was ich ihm von Herzen gönnte. Es war aber nicht nur Surfen angesagt. Einerseits weil mein Board nach meiner zweiten Session für zwei Tage zum Board Doktor musste und andererseits weil der Tag ja bekanntlich 24 Stunden hat und auch Maurus Rücken nach wie vor bisserl Schonung gut tat. Langweilig geworden ist uns dennoch nicht, mittlerweile können wir ganz gut nichts tun (quatschen, lesen, essen, in der Hängematte hängen, im Pool plantschen, spielen...) und die Zeit vergeht dennoch im Flug. Mit den beiden Jungs und Kathi, welche die beiden besuchte, fuhren wir an einem unsurfbaren Tag nach San Juan de Sur um die besten Sandwiches dieses Ortes zu verzehren und Jesus Christus auf dem Berg hallo zu sagen. Dieser Herr ist 24 Meter hoch (und somit wohl die zweithöchste Jesus Statue auf der Welt) und bewacht mit seiner schützenden Hand den Ort vor Bösem, wobei da viele Touristen sind und wo die sind, werden sie auch beklaut – natürlich ist das nicht die Tagesordnung, passiert aber immer mal wieder. Unser Schutzengel haben aber einmal mehr ihr bestes gegeben. Die haben allgemein schon gute Arbeit geleistet bis anhin, wenn wir andere Geschichten so hören. Auf jeden Fall hat das Besteigen des Hügels einige Schweisstropfen gekostet, der Sonnenuntergang hat dies aber mehrfach wieder Wett gemacht.

Manchmal sind wir auch abends ausgefahren um andere Ambiente zu geniessen. Am meisten fasziniert hat mich das Restaurant Jolanda, benannt nach der Köchin und Besitzerin. Jolanda ist bestimmt über 60 Jahre alt und begrüsst alle Gäste einzeln mit einer Umarmung und einem Kuss auf die verschwitze Schulter inklusive. Gut, bei uns war das keine grosse Leistung, da wir wegen Nebensaison die einzigen Gäste waren. Wenn dann aber Hauptsaison herrscht, sei der Laden pumpenvoll. Und auch dann zieht sie das Willkommens- und Tschüssprozedere durch und steht nebenbei auch noch in der Küche und kontrolliert das Essen, was richtig gut schmeckt. Da fühlt man sich definitiv Herzlich Willkommen! ...was man von aussen nicht auf den ersten Blick sieht.

Granada hingegen sieht schon von aussen schmuck aus. Wenn man dann aber in ein geöffnetes Tor kuckt, noch schmucker: Ein grosszügiger Innenhof oder eine gemütliche Stube, in der es üblicherweise viele grosse Schaukelstühle gibt, laden zum Verweilen ein. Und deshalb haben wir uns entschieden, den Unabhängigkeitstag am 15. September da zu verbringen. Wir waren überzeugt, dass wir da ein Fest sondergleichen erleben werden, hatten wir doch schon öfters die Trommelparadenübungen miterlebt. Dennis, Marc und Kathi passte das auch in den Kram und so erhielt ich die Gelegenheit Chickenbus zu fahren. Mit dem lieg ich Maurus ja schon lange in den Ohren. Der Bus heisst nämlich so, weil da nicht nur Menschen mitfahren sondern eben auch Hühner. Während dem die Jungs also nochmals surfen waren und Eddie optimal packten, machten Kathi und ich uns auf den Weg um über Rivas nach Granada zu gelangen. Holperwege waren inklusive, aber keine Hühner, und auch keine sonstigen skurrilen Begegnungen - abgesehen von den Marktschreiern die im Bus ihr Essen verkauften -trotzdem mal was anderes, wieder weder schlechter noch besser.

Voller Erwartungen standen wir am nächsten Tag auf, um dann zu erfahren, dass wohl morgens um 7.00 Uhr ein kleiner Umzug stattgefunden hatte, nun jedoch die Trommelkinder in andere Dörfer gegangen sind, um diese zu beglücken – und die Feste vor allem innerhalb Familien gefeiert werden. Tja, wir kannten keine. Dennis, Marc und Kathi nahmen somit wie geplant die Fähre zum Rio San Juan und wir entschieden uns, doch mal noch einen Vulkan aus der Nähe zu betrachten. Der Vulcano Masaya lag in der Nähe und da wir die Strecke bereits kannten, fuhren wir ohne Umwege stolz dahin. Auf der Auffahrt nahmen wir ein Spanierpärchen mit, das in der Hitze schmorend die Daumen in die Höhe hielt. Zwar mussten sie sich einen Sitz teilen, den wir mit ach und krach frei machen konnten, aber das waren sie sich vom Chickenbus fahren scheinbar gewohnt. Am Gipfel empfing uns eine Schwefelwolke, die uns zum Husten nötigte und unsere Augen juckten. Dennoch liessen wir uns nicht davon abhalten auch die kleine Chinesische Mauer hochzulaufen, um die gesamte spektakuläre Aussicht zu geniessen. Wegen Gesundheitsrisiken sollte man nicht länger als 45 Minuten da oben bleiben, wie dies der Parkwächter aber acht Stunden am Tag durchhält, ist uns schleierhaft. Auf dem Rückweg besuchten wir das Vulkan Museum, wessen Grösse uns beeindruckte. Das Pärchen hauste in Masaya und so chauffierten wir die beiden dahin, wo wir einen Handwerksmarkt besuchten. Währenddessen wurde Eddie für ein Heidengeld gewaschen und glänzte weiss als wir im beginnenden Regen wieder kamen. Der Wäscher wollte aber noch die Pneus reinigen und so dachten wir an Bier. Der beginnende Regen goss mittlerweile jedoch in Strömen, wodurch wir auf die Schnelle in einer offenen aber doch geschützten Beiz in Mitten von Einheimischen Unterschlupf fanden. Müde und zufrieden schliefen wir an dem Abend so früh ein wie noch nie. Wir hatten uns ja aber für die zwei Nächte Granada ein extra schönes Hotel geleistet, so hat es sich wenigstens gelohnt! Und am nächsten Tag wollten wir schliesslich fit sein für den Grenzübergang nach Costa Rica. Bevor wir diesen jedoch in Angriff nahmen, liessen wir Eddie ein bisschen richten, der von den Holper- und Flusswegen ein klein wenig havariert war. Und dann wurden wir von einem ganz genauen Polizisten gestoppt, der uns beim Überholen an doppeltdurchgezogener Streifenstrasse erwischte. Zuerst wollte er uns eine Busse geben, was ja ok gewesen wäre. Aber dann hätte er uns den Führerausweis entführt, den wir dann nach Einzahlung wieder gekriegt hätten. Uff. Und bestechen lassen liess der sich nicht, die Polizeichefin macht echt gute Arbeit. Wir haben’s zum Glück gar nicht erst versucht, denn dann hätte er uns bestimmt doppelt gebüsst. Lange Rede kurzer Sinn, wir zeigten uns reuig und durften weiterfahren.
Bei der Ausreise aus Nicaragua kam uns zum ersten Mal unser Mexikanisches Nummerschild in die Quere: Wir mussten alles Gepäck rausholen und Eddie wurde inspiziert. Alibiübung, denn das Gepäck wurde keines Blickes gewürdigt. Die Einreise in Costa Rica verlief dafür tadellos, hat einfach ebenso viel Zeit beansprucht. Nun aber sind wir da und trotz Touristenscharen vielerorts müssen wir eingestehen, dass dieses Land seinen Namen definitiv verdient hat! Und statt Que Onda? (Was geht ab?) hören wir nun Pura Vida überall, was wollen wir mehr?

Ciao Adios Bye

Flavia

10. September 2011

Süsswasser


Meine Lieben

Vorgestern Abend haben wir dieses Örtchen zum Verweilen im Lande der Schaukelstühle schlechthin gefunden: Buena Onda Resort, Popoyo. Das hat eine gute Woche gedauert, aber nicht weil wir so anspruchsvoll oder verwöhnt wären, sondern weil es auf dem Weg dahin so viel zu sehen gibt, Nicaragua ist extrem abwechslungsreich. Unsere erste Nacht haben wir in Somoto verbracht, sind dann aber am nächsten Tag ohne Schluchtbesichtigung nach Esteli weitergezogen, was unser ursprüngliches Ziel war. Esteli zeichnet sich durch viele farbig bemalte Mauern aus und ich bin voll auf meine Smiley-Kosten gekommen – ohne, dass Maurus eine Vollbremse einlegen musste oder gar Eddie wenden, damit ich das Foto kriege. Eigentlich schade, gibt es in der Schweiz so viele Richtlinien, der Alltag wäre viel bunter, wenn ein bisschen mehr Kreativität erlaubt wäre. Dieses Städtchen verdient ihr Geld aber insbesondere durch die Tabakindustrie und Kaffeeplantagen. Per Zufall sind wir zu der Zigarrenfabrik gelangt, welche die einzige ist, die total biologische Zigarren herstellt. Sergio, offiziell Brand Embassador in Person, hat uns grosszügig und voller Stolz die Produktion gezeigt. Wir waren fasziniert, dass alles in Handarbeit geschieht, vom Fermentieren, Rollen bis zum Etikettieren und Einpacken der Zigarren. So beschäftigt das Familienunternehmen Plasencia um die 700 Arbeiterinnen und Arbeiter, die sich glücklich schätzen, eine kollegiale Arbeitsatmosphäre zu geniessen. Leid taten uns aber diejenigen, die in Ammoniakluft arbeiten müssen - uns hat es fast den Atem genommen.
Um ein paar Zigarren reicher, fanden wir Unterkunft in einem gemütlichen Bed & Breakfast bei einer Nica-Familie. Als wir abends heim kamen, war die Abuelita grad müde am Nachrichten kucken. Nebenbei hat sie uns ein bisschen über die Situation in Nicaragua aufgeklärt. Auch hier stehen bald die Wahlen für einen neuen Präsidenten an, wobei der Amtsinhaber, Daniel Ortega von der Sandinisten Partei resp. FSLN - die Sympathie der Nicas für diese Partei ist allgegenwärtig - wohl wieder antritt. Zur Zeit ist dies gesetzeshalber noch illegal, vielleicht wird dieses Gesetz aber auch extra abgeschafft. So habe ich das zumindest verstanden. Und der Polizeichef ist eine Frau, die Korruption hasst und dieser den Kampf angesagt hat, was nicht schlecht zu funktionieren scheint, an der Pazifikküste besser als an der Karibik.
Nach Nica-Frühstück in der Familienküche sind wir am nächsten Mittag nach León gefahren um die grösste Kathedrale von Zentralamerika anzukucken. León konnte unser Herz nicht auf Anhieb erobern, weshalb wir uns entschieden, die Nacht nicht da zu verbringen. Fast mussten wir dies jedoch trotzdem tun, wir fanden Eddie nämlich nicht mehr: Weil uns die Hitze so faul machte, liessen wir uns in einer Rischka rumkutschieren und haben dadurch die Orientierung komplett verloren. Irgendwann setzte der Verstand aber wieder ein und wir waren überglücklich Eddie am Strassenrand winken zu sehen.

Unser nächstes Ziel war Managua: In der Hauptstadt wollten wir einen weiteren Wunderheildoktor für Maurus Rücken aufsuchen. Nach unserer Irrfahrt in Guatemala City waren wir nun schlau genug einem Taxifahrer die gewünschte Adresse zu nennen und diesem hinterher zu fahren. Ok, Maurus wollte dies schon damals tun, aber ich habe darauf bestanden, meine Kopilot-Pflichten zu erfüllen und selbst den Weg zu finden. Das kann ich nämlich zu Fuss spielend, aber nicht im Auto sitzend fahrend. Wie auch immer, wir sind mal wieder im Dunkeln im gewünschten Hotel angekommen. Die Bar um die Ecke bot Musica en Viva und das richtige Ambiente um unsere organic Zigarre zu zünden. Natürlich verbunden mit einem Schachspiel und ich hab endlich auch Mal gewonnen! Am drauffolgenden Tag folgten wir dem Tipp der Hotelangestellten und besuchten einen Oldschool-Physiotherapeuten, der Maurus schmerzenden Rücken mit Infrarot, Elektrostimulation und Ultraschall behandelte, frei nach dem Motto: Nützt's nichts, so schadet’s nicht. Es hat nichts genützt und wir sind nach Granada gefahren. Granada ist ein schmuckes Städtchen und ladet zum Dolce far niente ein. Im Hotel con Corazon – was den ganzen Gewinn in die lokale Bildung der Kinder investiert, nomen est omen - fühlten wir uns pudelwohl und rundum aufgehoben. Neben Strolchgängen durch die Gassen, feinen Restaurantbesuchen und unglaublich viel süssem Nichtstun, fand Maurus den urchigen Doktor Caballero und den Chiropraktiker Amos, die endlich richtig überzeugten und Maurus Rücken Linderung brachten. Nach drei erholsamen Nächten war erneut Zeit aufzubrechen und die Laguna de Apoyo zu besichtigen. Das ist ein alter Kratersee, wunderschön und inspirierend ruhig. Auf dem Weg dahin kamen wir an den Pueblos Blancos vorbei, die gar nicht weiss sind, dies aber mal waren, also die Häuser, nicht die Menschen. Ach ja und vorher haben wir einen Bootstrip zu den saftig grünen 350 Isletas de Granada gemacht, die vor langer Zeit wegen eines Vulkanausbruchs entstanden sind. Auf diesem Ausflug haben wir 70 (wir haben nicht mitgezählt, aber das wurde uns erzählt) der Inseln gesehen, unter anderem diejenige der reichsten Nica-Familie, welche alle möglichen Geschäftsketten besitzt. Das Highlight dieses Trips war für mich definitiv die Schüttelblume: Der ca. sechsjährige Sohn des Bootsführer präsentiere uns stolz und mit einem schüchternen Lächeln zwei gelbe Stäbe, die der Papa vorher an einem Wasserstrauch abgeknickt hatte. Maurus und ich hatten beide Fragezeichen im Gesicht, da wir die Faszination des Kleines nicht teilen konnten. Als dieser die gelben Dinger jedoch schüttelte und weiss-rote Blumen zum Vorschein kamen, war auch ich entzückt!

Weiter ging es zur  Isla de Omepete, welche im Lago de Nicaragua liegt und von knapp 30'000 Personen bewohnt ist. Nicht ganz klein also und so nahmen wir Eddie mit. Die Insel besteht aus zwei Vulkanen, von denen einer gar noch aktiv ist, aber 1957 zum letzten Mal ausbrach. Wir bestiegen keinen der Vulkane, schwammen aber im Ojo de Agua (Auge des Wassers), im klarsten Tümpel, den wir je gesehen hatten. Eben dieser Tümpel bietet alle Vorzüge einer Mineralquelle, abgesehen vom warmen Wasser. Beim Eingang erzählte uns der Kontrolleur die lustigsten Geschichten, wofür dieses Wasser alles gut ist, so dass unser Bauch schmerzte vor Lachen. Nach dem Bad fühlten wir uns definitiv 10 Jahre jünger und schöner und Maurus war soeben nach über drei Wochen Pause endlich wieder schmerzfrei surfen - und das Päckli mit den Tauchertropfen ist heute Morgen unerwarteterweise angekommen (danke Locke!), somit steht dem süssen Wasservergnügen nichts mehr im Wege!

Ciao Adios Bye

Flavia