Meine Lieben
Die Zeit fliegt nur so dahin! Und so haben wir uns gestern nach fantastischen und abwechslungsreichen zehn Tagen in Pavones einmal mehr schweren Herzens verabschiedet. Pavones ist ein kleines Dörfchen, das während der Nebensaison sehr ruhig und beinahe ein bisschen ausgestorben ist. Somit „kennt“ man irgendwann einige Reisende, Einwohnende und Auswandernde - eine spannende Mischung aus verschiedenem Volk - die da hin finden. Das ist nämlich ein kleines Unterfangen, denn die Strassen sind mit Schlaglöcher übersät und insbesondere zur Zeit werden diese noch grösser, es herrscht ja Regenzeit. Eddie hat es aber geschafft, obwohl er am ersten Tag in Costa Rica, genau genommen in Liberia, in einen kleinen Auffahrtunfall verwickelt war, in dem er schlussendlich mit dem linken Hinterrad in der Luft und zum Glück ohne überschlagen zum Stehen kam. So konnten Maurus und ich unversehrt hinausklettern und den vielen anhaltenden und -rennenden Ticos ein lachendes Gesicht zeigen. Ein Pick-Up zog Eddie schlussendlich wieder aus dem Graben und wir konnten mit ein paar Ecken und Kanten mehr weiterziehen. Unseres Glücks bewusst, genoss Maurus eine Sonnenuntergang-Surfsession an der Playa Hermosa, bevor wir mit Musica en Viva und Bier darauf anstiessen. Am nächsten Tag besuchten wir kurz die Playa Dominical für ein Mittagessen am selben Ort, wo Maurus vor zehn Jahren schon mal war – meinerseits habe ich keine Ortschaft in Costa Rica nochmals besucht, was auch das Ziel war.
In Pavones haben wir in der Casa Olas gewohnt. Hauptsächlich wegen Jenny, die dieses kleine, feine Hostel führt und Warmherzigkeit und Gastfreundschaft verkörpert wie niemand anderes. Da zur Zeit wenig Gäste ankommen und ihre zwei Kinder gerade bei den Grosseltern in den Ferien sind, hat sie uns auch mal auf einen Ausflug zur Punta Banco mit anschliessendem Kuchenschmaus in Joaquins speziellem Haus ohne Türen begleitet. Genauso wie Mati, der nach einigen Tagen sozusagen unser treuer Begleiter wurde und uns interessante Geschichten über Israel und Argentinien, seine Heimatländer, erzählte. Somit ist er einerseits Krav-Maga-Instruktor und anderseits Salsalehrer. Und weil er versehentlich meine Fotos von einem besonders bilderreichen Tag am Abend bei der Durchschau löschte, erhielten wir im Gegenzug eine Salsalektion und somit haben wir nun den Dreh raus. Und auch im Wasser machen wir Fortschritte: Maurus kriegt immer mehr und grössere Wellen und ich hab nicht alle Finnen unseres Sets zerstört, nur ungefähr vier und eine ist in den Steinen hängen geblieben – aber immerhin habe ich eine grüne Welle erwischt. Im Line-Up trifft man zudem auch immer neue Leute, oft wartet man ja auf die perfekte Welle und hat Zeit nebenbei zu quatschen. Bianca, Severin, Dan, Phil und Jim lernten wir so kennen. Lustigerweise kannten sich Bianca und Maurus bereits vom freestyle.ch – und da dies ja gerade vergangenes Wochenende erfolgreich stattfand, traute sie natürlich ihren Augen nicht: Maurus hier?? Aber so ist es, wir geniessen eine bereichernde Auszeit!
Regenzeit in Costa Rica bedeutet eine riesige Wassermenge, die aus den Wolken strömt, nicht nur nachts. Während zwei Nächten allerdings hat es so geblitzt und gedonnert, dass sogar ich aus dem Tiefschlaf gerissen wurde, mich an Maurus klammerte und wir die eine Strasse am nächsten Tag nicht mehr passieren konnten, weil sie quasi weggeschwemmt wurde. Dafür ist die gesamte Landschaft quietsch-grün und saftig, mancherorts auch pink wie meine Fussnägel. Und auf dem Weg nach Pavones haben wir gar Krokodile gesehen, die lagen dreckig braun-grün faul im Fluss. Die Iguanas, die wir sichteten, sind im Gegensatz umso lebendiger und von kräftigen Farben gesegnet. In Pavones wird das quietsch-grüne Gras übrigens nicht wie an der Costa del Bàlsamo von Kühen wiedergekaut, sondern mehr von wilden Pferden gefressen. So liegt man also im Wasser und schaut zum Strand hin und da stehen sie, diese schönen Tiere, und sehen zufrieden aus, mitten in der bezaubernden Natur. Ein wunderschönes Bild! Genauso inspirierend wie bei Sonnenuntergang auf dem Brett im Wasser zu liegen...
Nun ist aber erstmals City-Life angesagt: Nachdem wir gestern ganz und gar ohne Ganoven-Geschichten die Grenze nach Panama passiert haben, machen wir einen kurzen Zwischenstopp in David, dem Shopping-Paradies schlecht hin, zumindest wenn frau während den vergangenen Wochen keine gescheiten Shops angetroffen hat. Ich hab trotzdem nichts gekauft. Heute geht es nämlich weiter nach Panama-City und das soll nicht anders sein. Da treffen wir zudem Dennis, Marc und Kathi wieder, um den letzen Abend von Dennis zu feiern, bevor er wieder nach Deutschland fliegt. Einmal mehr ist das Glück auf unserer Seite: Wir freuen uns riesig, müssen wir noch nicht zurück resp. haben wir noch mehr Zeit, Land und Leute sowie uns zwei und uns selbst besser kennen zu lernen.
Ciao Adios Bye
Flavia