26. Oktober 2011

Anekdoten und so


Meine Lieben

Nach einem weiteren Rundgang durch die abwechslungsreichen Strassen rund um unser Hostel, bin ich wieder am Ausgangspunkt angelangt, in meinem Café mit Blick auf die Calle Media Luna. Maurus ist noch immer nicht da und nun macht’s langsam kein Spass mehr – und ich bin sicher, ihm auch nicht - es ist nämlich bereits 16.00 Uhr. Zeit für das erste Bier und weitere "Reflexion" der vergangenen Tage, es ist ja noch lange nicht alles erzählt - und das wird es auch nie sein.

Die Zeit auf dem kleinen, gemütlichen Segelboot verging unglaublich schnell - obwohl wir nichts zu tun hatten ausser Sünnelen, Essen, Abwaschen, Schnorkeln, Lesen, Dösen und natürlich Quatschen. An das Ungewaschensein (abgesehen von den Meergängen) gewöhnten wir uns rasch, genauso wie an die Toilette, woraus man alles hörte, was darin passierte – somit war sie am häufigsten frequentiert, wenn der Motor lief. Da ich noch nie so braun war in meinem Leben, sah man den Dreck sowieso kaum und wir frönten uns dem Hippie-Leben. Trotzdem waren wir am fünften Tag froh, als wir in der Abenddämmerung die fantastische Skyline von Cartagena erblickten und mit dem Dingie an Land chauffiert wurden. Insbesondere der letzte Tag war dank beachtlichem Wellengang und Sturm nicht nur noch angenehm und ich lag hauptsächlich in unserem Bett oder auf einer Matte auf Deck und hielt die Augen geschlossen, damit mir nicht vollends übel wurde. Auf dem Festland angekommen, schwankten wir noch immer mit der gesamten Sputnik-Gruppe (nach erfolgreichem Geldholen) zu einer Pizzeria. Die anderen blieben eine weitere Nacht auf dem Boot während wir uns eine Dusche und ein normales Bett gönnten, wunderbar.

Am nächsten Tag geschah es, ich verliebte mich in Cartagena und somit wohl auch ein bisschen in Kolumbien! Diese Stadt ist wunderschön und kein Wunder gehört sie zu den Orten mit den meisten Touristen, da jedoch noch immer nicht Hauptsaison herrscht, störten uns diese nicht. Um einen Überblick zu erhalten, entschieden wir uns für eine Sight-Seeing-Tour im roten Double-Decker-Bus (shame on us!) und erlebten einen Aufstand der Touristen-Guides hautnah. Wie wir später von Ronaldino erfuhren, gibt es diese rote Touri-Attraktion erst ein halbes Jahr und nun haben die Guides Angst, dass ihnen die Arbeit weg genommen wird. Nicht ganz unberechtigt, denn unser besagter Bus fuhr nicht die gedruckte Route sondern am Hafen vorbei um eine Gruppe venezuelanischer Cruise-Ship-Touristen abzuholen. Die mischten sich heftig laut in die Situation ein und fielen dabei fast aus dem Bus raus. Maurus und ich staunten nicht schlecht und lernten ein paar neue spanische Fluchwörter. Ein vorbeifahrendes Polizisten-Pärchen wurde herbei gerufen, um das Gezetter und Mordio zu schlichten. Erfolgreich, die Fahrt ging weiter und wir ergötzten uns dem heissen Sonnenschein. Das Ende der Tour bot uns der Sonnenuntergang auf dem Castillo de San Felipe, wo wir aufpassen mussten, dass wir uns nicht in den geheimnisvollen Gängen verirrten. Danach trafen wir unsere Sputniks zum letzten Mal. Bis dahin waren wir nämlich sozusagen illegal in Kolumbien unterwegs: Captain Rengin hatte unsere Pässe beschlagnahmt und nun erhielten wir diese gestempelt wieder, zusammen mit ein paar Mojitos of the Day. Um am nächsten Tag für den historischen Rundgang durch die Altstadt von Cartagena bereit zu sein, machten wir irgendwann einen französischen Abgang. Trotzdem verpassten wir die Tour am nächsten Morgen, erhielten aber am Nachmittag noch eine Chance. Wir hatten bereits am Vortag einiges der Altstadt begutachtet, aber durch Ronaldino erfuhren wir natürlich noch ein bisschen mehr. Mir gefielen die kolonialen Balkone am besten, wovon früher jeweils einmal im Jahr der schönste gekürt wurde. Den Abend liessen wir wie viele andere Reisende im Café del Mar ausklingen, mal wieder bei zauberhaftem Sonnenuntergang. Und dann kam eben der Montag, an dem wir Eddie zurück holten, wir hatten ihn tatsächlich ein bisschen vermisst. Und der Arme uns wohl auch, als wir ihn wieder hatten, war seine Batterie aus Erschöpfung alle.

Und da Maurus noch immer nicht erschienen ist und das zweite Bier auf dem Tisch steht, erzähl ich noch eine kleine unwichtige Anekdote, nein gar zwei:

1. Anekdote: Studio F.
Nachdem wir vergangenen Sonntag für Maurus neue FlipFlop geshoppt haben, die seine Füsse bisserl mehr unterstützen sollen resp. seinen Rücken entlasten, erhob ich natürlich ebenso einen Kauf-Anspruch. So gingen wir ins Studio F. Diesen Laden hatte ich bereits in Panama-City gesichtet und gewusst: Das wäre MEIN Laden in Zürich. Kaum drin, ruf ich Maurus irgendsowas in der Art von „Oh, kuck das Gilet!“ zu. Worauf sich eine Dame im Bikini umdreht und meint: „Que bueno, estas de Chile tambien?“ Nein, aus der Schweiz nicht aus Chile, erzähl ich ihr, und ich hätte das Gilet da gemeint. „Ah, el color chilly me gusta tambien!“ war ihre Antwort. Erfolgreich erklärte ich ihr schlussendlich, dass dieses Ding bei uns Gilet hiesse, was sie sehr seltsam fand... Ein lustiger Moment!

2. Anekdote: Taxi Fahrt
Obwohl wir Eddie haben, sind wir bereits verschiedenste Male Taxi gefahren und haben dabei neben Gustavo einige weitere interessante Taxi-Fahrer kennen gelernt, die uns jeweils gerne was über ihr Land oder ihr Leben erzählten. Zum Beispiel am Montag sind wir um Eddie zu kriegen oft Taxi gefahren. Die involvierten Büros, die wir besuchen mussten, um unsern ominösen 11-Punkte-Plan abzuarbeiten, liegen nämlich nicht in Laufweite voneinander entfernt. Natürlich fragte ich mich, wie sie die ganzen Informationen über unsere Eddie-Einreise  bei dem ganzen Papierkrieg in den unterschiedlichsten Büroswieder zusammen kriegen, aber das soll ja nicht meine Sorge sein, meinte Maurus... Eine Fahrt haben wir mit einem älteren, sehr angenehmen Herrn gemacht, der sein Leben sozusagen im Taxi verbracht hatte. Ich wollte ihm Anerkennung für seinen Beruf zeigen und habe ihm erzählt, dass ich gerne Taxi-Fahrerin wäre, wenn ich besser Autofahren könnte. Es sei doch bestimmt spannend, so viele verschiedene Personen an einem Tag kennen zu lernen. Ob er denn auch schon berühmte Persönlichkeiten chauffiert hätte? Und siehe da: Mel Gibson mit seinem Sohn plus Robert de Niro. Pas mal, hm?
...

Genau als ich den oberen Satz beendet habe, ist Maurus zur Türe rein gekommen. Er fand’s tatsächlich auch nimmer lustig und Versicherung haben wir noch immer keine, dafür ein bisschen mehr Geld los, aber Maurus will mir partout nicht sagen wie viel. Dafür können wir jetzt wieder Holperstrassen ohne Probleme passieren. Und dem Sprungfeder-Typen in Panama-City senden wir via Nick eine fette Stinkbombe vorbei, jawohl!!

Und jetzt ist Feierabend. Wir haben uns definitiv ein schickes Nachtessen verdient, man soll den Tag schliesslich nicht vor dem Abend verdammen.

Ciao Adios Bye

Flavia

Blast away!


Meine Lieben

Ich kucke grad auf die verregnete Calle Media Luna in Cartagena, durch die offene Türe eines Cafés: Kolumbianer rennen vorbei, Auto brausen vorüber und ein Drogenabhängiger macht seine Faxen unter dem Hausvordach genau vis-à-vis von mir. Die vergangenen Tage in Cartagena hatten wir allerdings Glück und der Himmel schenkte uns viel Sonnenschein. Nicht so am ersten Tag unseres Segeltörns via San Blas Inseln nach Kolumbien: Als wir nach der ersten Nacht in der Honeymoon Suite - die beste Schlafgelegenheit auf dem Boot wurde uns offiziell zugesprochen, jedoch hatte ich am Anfang schon bisserl ein schlechtes Gewissen da wir mit Abstand am meisten Privatsphäre hatten - aufwachten, hörten wir den Regen auf das Deck prasseln und mussten schnell die Fensterlucken schliessen, ein bisschen Nass war bereits eingedrungen. Eigentlich wäre die Abfahrt auf morgens um 6.00 Uhr geplant gewesen, aber von unserem Captain fehlte jede Spur. Irgendwann kurz vor Mittag erschien Captain Rengin mit prallen Einkaufstüten und wir erhielten als Entschädigung ein zweites Frühstück resp. Mittagessen. Allerdings hatte sie unsere persönlichen Wünsche auf der am Vortag kursierenden Liste vergessen. Irgendwas war schief mit Rengin, aber zum Glück nur am Anfang, danach erwies sie sich als sauberer Captain. Wohl vermisste sie ihren Mann, der sonst mit ihr diese Touren macht und nun gerade in der Türkei weilt. Dafür war Fernando aka Alejandro (Lady Gaga) mit an Board und versorgte uns mit sympathischem Englisch und ausreichend Info. Und auch die fünf Belgier sorgten für Unterhaltung (insbesondere die männliche Fraktion): Dirk aka Spitz (natürlich war er erfreut, als wir ihm die deutsche Bedeutung seines Namens kund taten), Una Nona (er schreibt sich anders, aber so wie er seinen vollen Namen ausspricht, tönt es wie „eine Grossmutter“), Raul aka Wallace, Meike und Yoka aka Anne Engelke. Zudem sorgten drei Party Girls aus Sydney und England für VIP Vibes und Music: Cynthia, Phili und Lissy. Und dank den zwei deutschen Psychologie-Mädels, Anne und Nergiz, mussten Maurus und ich aufpassen was wir sagten, da sie uns verstehen konnten. Was aber auch völlig in Ordnung war, denn wir hatten abgesehen von der anfänglichen Wetterlage nichts zu beklagen. Und auch diese änderte sich am zweiten Tag und wir konnten „unsere“ San Blas Insel bei heissestem Sonnenschein begutachten. Es gibt insgesamt übrigens 365 Inseln, sozusagen eine für jeden Tag. Und die Inseln sind unterschiedlich, deshalb ziehen die Kuna Yala Familien, das sind indigene Einwohner der Inseln, die diese auch autonom verwalten, halbjährlich um, so ist keine der Familien über längere Zeit bevorzugt. Auf „unserer“ Insel führte die Familie gar ein kleines „Restaurant“ mit kaltem Bier. Erstaunt waren wir, als wir abends da waren und die Familien draussen beim Video schauen beobachten konnten, dies auf einem nigelnagelneuen Flatscreen-TV, wieso auch nicht? Lustig und lecker war auch das Krabben und Hummer Hammer-Mittagessen am selben Ort. Danach gingen Maurus und ich auf Schnorkel-Tour. Das Killer Wrack war das Ziel. Die Story dazu ist echt gruselig und bereits im Hostel Captain Jack hörten wir von verschiedenen Seiten davon. Fernando und Rengin haben zusätzlich noch den Rest geliefert. Kurzform: Xavier, ein Spanier, kam Anfang dieses Jahres nach Portobelo und irgendwann tauchte Jean-Pierres vermisster Körper tot im Wasser auf. Alles deutete auf Xavier als Mörder, aber man konnte ihn Mangels an Beweisen nicht überführen. Später dann verschwand auch Dan, dessen Körper nie gefunden wurde. Xavier nahm aber dessen Identität an und fuhr sein Boot. Nun sitzt er im Knast, da er weitere Menschenleben auf dem Gewissen hat. Zum selben Zeitpunkt als wir im Hostel Captain Jack waren, sei scheinbar auch Xaviers Bruder und dessen Geliebte da gewesen. Wenn es der Herr ist, denn wir dann auf den San Blas Inseln wieder trafen, ist das doppelt unheimlich. Wir haben das Boot, was Xavier versenkte, auf jeden Fall gefunden, tauchten aber nicht richtig danach, da die Situation zu schauerlich war. Ein riesiger Rochen (inkl. Stachel war er sicherlich fast zwei Meter lang!) bescherte uns eine willkommene Ablenkung: Sehr imposant wie er zuerst am Boden seine Flügen (oder wie nennt man das?) schweben liess, sanft auf und ab, bevor er gemächlich und majästhetisch davon schwamm. Mir blieb vor Ehrfurcht beinahe der Atem stehen. Ich glaube, diese Begegnung war bis anhin meine eindrücklichste Unterwassererfahrung – abgesehen von den vielen vielen bunten Fischen in Thailand und Malaysia. Und noch etwas hat mich auf unseren drei Tagen San Blas fasziniert: Seesterne! Ich mag mich nicht erinnern, jemals einen gesehen zu haben und da gab es ganz viele davon. Schon interessant, dass diese unbeweglichen Sterne tatsächlich zu den Lebewesen zählen, ich hätte sie spontan als Steine eingestuft.

Unterdessen regnet es nicht mehr und der spastische Kolumbianer von gegenüber ist auch verschwunden. Dafür ist Maurus aufgetaucht, hatte mir schon Sorgen gemacht: Während ich ausschlafen durfte, ist er zu einer Spezialisten-Werkstatt für Sprungfedern gefahren um unsere neuen zu überprüfen, die tönen nämlich nicht ganz normal. Und scheinbar sind sie das auch nicht, sie sind nämlich schon am A... Schön, nicht? Zudem wurde Maurus beim fahrenden Telefonieren von Polizisten erwischt und angehalten. Dabei fanden sie raus, dass wir unversichert rumkurven (für jedes andere Land haben wir eine Versicherung, aber Kolumbien ist nicht dabei). Tja, nach einer halbstündigen Diskussion kam Maurus für drei Desayunos (Frühstücke) wieder los. Jetzt grad ist er mit einem Taxista unterwegs um eine Versicherung zu lösen, wir bleiben ja noch ein bisschen in diesem schönen Land. Tönt anstrengend, ich weiss, aber Maurus machen diese Eddie-Geschichten irgendwie Spass - auf jeden Fall hat er keinen gestressten Eindruck gemacht - und wir erfahren jeweils ja auch was über die entsprechenden Länder und können zudem unser Spanisch einsetzen. Normalerweise will auch ich mir diese Geschichten nicht entgehen lassen, aber heute find ich’s relaxter, schreibend einen Kaffee zu geniessen und mich von den vorbeilaufenden Kolumbianern inspirieren zu lassen – ich erhole mich nämlich noch immer vom Eddie Einlösen, was uns den ganzen Montag gekostet hat.

Mittlerweilen regnet es erneut, der Abhängige hat seinen Platz wieder eingenommen, das Café hat neue Gäste gekriegt und die herzliche Besitzerin lächelt mich immer sofort an, wenn ich sie anschaue. Sein ist relaxt!

Ciao Adios Bye

Flavia

24. Oktober 2011

Captain Jack


Meine Lieben

Das Abenteuer „Eddie verschiffen“ ist noch nicht fertig, resp. grad im vollen Gange. Maurus ist in komplizierter Mission unterwegs während ich im Sicherheitstrakt mit netter Aufsicht schreibe (da wir beide nur Flipflops tragen, darf zu unserem resp. im konkreten Fall meinem Schutz nur jemand in die Hafengegend rein) um die Zeit zu nutzen. Seit dem letzten Eintrag ist ja doch einiges passiert. Unter anderem habe ich 30 Jahre komplettiert, wie man auf Spanisch sagt (cumpleanos). Allerdings nicht mit brausendem Fest wie ich mir dies seit Jahren vorstelle, habe den Tag ja extra auf einen Freitag gelegt. Aber eben, auf Reisen geschieht vieles unerwartet und Flexibilität ist gefragt. So wollten wir also am Donnerstag Eddie in den Container sperren. Alfredo von Barwil gab hilfsbereit alles, jedoch gab es irgendwelche Schwierigkeiten, wodurch wir am nächsten Morgen zurückkehren mussten, und zwar um 8.00 Uhr. Also ging’s im Anbruch der Dunkelheit nach Portobelo, woher die meisten Segeltouristenschiffe nach Panama loslegen und wir wenigstens unsere Überfahrt nach Kolumbien organisieren wollten. Schlussendlich landeten wir bei Captain Jack, dessen Gehilfe Steve uns wissen liess, dass das nächste Schiff erst am Montagmorgen startet. What?? Ich wollte doch auf offener See älter werden! Da Jack mit seinem langjährigen Israelisegelgefährten Vunsh einen Trip zu den San Blas Inseln plante, überredete ich ihn charmant, doch die Rundfahrt ein bisschen zu verlängern und noch kurz nach Kolumbien zu segeln. Zusage! Maurus und ich konnten unser Glück kaum fassen, denn Captain Jack versprach noch mehr Abenteuer, eine gute Küche und alles quasi privat. Am nächsten Morgen standen wir schlaftrunken um 6.00 Uhr auf um rechtzeitig in Colòn zu erscheinen, bei wärmsten Sonnenschein. Die ganze Geschichte sollte nicht länger als zwei Stunden dauern, natürlich aber verbrachten wir den gesamten Vormittag am Hafen und waren erstaunt: Für jede einzelne Handlung ist jemand anderes verantwortlich. Einer kam einzig um das Schloss zu bringen und es am Ende zu schliessen. Arbeitsteilung nennt man das, oder? Da wir uns keine Zeit für ein richtiges Frühstück genommen hatten, knurrte der Magen entsprechend und wir besorgten uns Comida para llevar um uns im Chickenbus zu verköstigen. Danach holte uns der latente Schlafmangel der vergangenen Wochen ein und wir dösten rumpelnd, obwohl die Fahrt höchst unbequem war und nur ein bisschen mehr als eine Stunde dauerte. Durch Regenschauer liefen wir zu Captain Jack hoch und gönnten uns ein zweites Mittagessen. Heitere Stimmung bis wir erfuhren, dass der Motor von Fantasy (dieses Schiff wurde ursprünglich für eine amerikanische TV-Show konstruiert) soeben kaputt ging und dieser sich nicht so schnell reparieren liesse. Somit doch keine Feier auf hoher See. Die Dorms bei Captain Jack waren zwar vernünftig, aber nicht für diesen lang erwarteten Anlass meines 30igsten geeignet. Wir liessen uns zu einem der wenigen Hotels chauffieren, das schmucke Einzelzimmer versprach und einhielt. Im hauseignen Restaurant bestellten wir kurz darauf einen Apéro mit Sonnenuntergang, als einzige Gäste überhaupt. Kaum beim Abendessen angelangt, wurde es dunkel, sehr dunkel! Zack, alle Lichter gingen aus, nicht nur bei uns sondern überall in Portobelo. Als irgendwann klar war, dass der Elektrizitäts-Ausfall andauern wird, erhielten wir romantisches Kerzenlicht. Und so kam es, dass ich an meinem 30. Geburtstag um 20.30 Uhr im Bett lag und erschöpft aber zufrieden einschlief.

Es standen uns also zwei Tage Portobelo bevor, was ein kleiner Hafen ist und nicht wirklich schön – was der Name ja eigentlich voraussetzt. Interessant war es aber dennoch. Erstens fand bald das Fest des „Cristo Negro“ statt, wodurch bereits viele nationale Fromme den Weg nach Portobelo fanden um sich einen Platz zu sichern. Zweitens ist die Karibikküste doch anders: Die Menschen hier sind viel dunkler und haben alle definitiv den Afrikanischen Einfluss. Zudem ist alles viel schmutziger, das Bewusstsein für Entsorgung ist hier noch gar nicht angekommen. Es wird einfach alles da weggeschmissen, wo man gerade konsumiert hat. Zurück im Hostal trauten wir unseren Augen nicht, da stand er wahrhaftig und tatsächlich vor uns: Captain Jack Sparrow in Person (nicht der Captain Jack, den das Hostal gehört, zwei Captain Jacks an einem Ort also). Einer solchen Ausführung sind wir zwar bereits an der Calle Uruguay in Panama-City begegnet, aber gesprochen hatten wir mit dem Jonny Depp Double nicht. Und diese Version aka Jorge wollte mit Maurus Schach spielen. Zwei Mal hat der Verkleidete Maurus souverän Matt gesetzt, definitiv kein Beginner und nicht zu unterschätzen. Ein unterhaltsamer Abend folgte, an dem Jorge plus seine Begleitung Yadira uns ein bisschen aus ihrem Leben in Panama-City erzählten. Am nächsten Morgen war Yadira jedoch verschwunden, mit ihrem „Freund“ durchgebrannt, hiess es. Niedergeschlagen liess uns Jorge wissen, dass der Tag für ein Fotoshooting auf den Hafenmauern vorgesehen war und wer machte denn nun Bilder von ihm? Alle natürlich! Aber nicht mit seiner Kamera und so brachen wir auf um Captain Jack Sparrow (wehe jemand sprach ihn nicht mit seinem ganzen Namen an!) in Portobelo festzuhalten. Wie lustig, insbesondere auch, weil alle dachten, wir hätten ihn engagiert dabei war es genau umgekehrt. Ein freches aber aufgewecktes Mädchen schrie mir gar geradeaus ins Gesicht: „Gringa!“. Das war nicht böse gemeint, aber das erste Mal, dass wir so direkt damit konfrontiert werden. Natürlich liess ich es mir nicht nehmen, die kleine Pippi Langstrumpf in dunkel aufzuklären, dass ich aus der Schweiz bin, was sie hellhörig aufnahm und die hohle Hand wieder einsteckte.

Am späteren Nachmittag war Zeit aufzubrechen, nach Puerto Lindo. Da erwartete uns Captain Rengin und Segelschiff Alice, unser Heim für die nächsten fünf Tage sowie unsere Sputniks, was übrigens Reisegefährte bedeutet. Check-In sollte bereits am Sonntagabend stattfinden, da wir am Montagmorgen um 6.00 Uhr losfahren wollten. Sollten und wollten und wenn das Wörtchen wenn nicht wäre, dann wäre mein Papa nicht nur Millionär, sondern wir hätten nun auch bereits Eddie wieder. Aber das dauert wohl noch ein Weilchen und meine Geduld wird trainiert. Es hat ja immer alles auch eine gute Seite, na?

Ciao Adios Bye

Flavia

13. Oktober 2011

Campo Suizo


Meine Lieben

Autsch, ich werde definitiv älter, zwei Stunden Pferdchen reiten und mir tut alles weh – das habe ich vergangene Woche weder mit Surfen noch mit Yoga geschafft - aber der Ausflug mit Christine und Bettina durch den Dschungel und entlang dem Strand ist das jetzige Leiden wert. Bettina ist die Freundin von Mark und die beiden kennen Nick und Nick kennt Thomas aka Race und Christine ist die Freundin von Race und Race kennen wir aus der Schweiz und so haben wir uns alle an der Playa Venao mehr oder weniger per Zufall getroffen, vielleicht war’s auch Schicksal, aber auf jeden Fall war’s schön! Am besten beginne ich jedoch da, wo ich das letzte Mal aufgehört habe: Zeitig waren Maurus und ich unterwegs als Eddies Motor zu stottern begann. In der nächsten Werkstatt hielten wir hoffnungsvoll, aber die Jungs konnten Eddie nicht helfen. Unsere Vermutung war, Eddie mit unreinem Benzin gefüttert zu haben und dass ihm dies schlussendlich auf den Magen schlug. Fahren konnten wir glücklicherweise noch, aber nur im Schneckentempo. Vor Einbruch der Dunkelheit kamen wir irgendwann doch noch in Panama-City an und haben Eddie direkt in der Fordgarage platziert, wo Heilung versprochen wurde. Verschwitzt stellten wir uns guter Dinge an die Strasse um eins der abertausend gelben Taxis zu ergattern. Gar kein so einfaches Unterfangen: Entweder besetzt oder in die falsche Richtung unterwegs, wie bei Männern. Eine geschlagene Stunde mussten wir warten bevor wir uns endlich zu Dennis, Marc und Kathrin in Casco Viejo gesellen konnten, um einen weiteren gemütlichen Abend gemeinsam zu verbringen bevor wir todmüde ins Bett fielen. Übrigens Premiere für Maurus und mich: Wir übernachteten in einem Dorm! Selbstverständlich haben wir das überlebt, aber ich verzichte sehr ungern darauf, in Maurus Armen einschlafen zu können und Maurus hasst’s wenn ihm der Ventilator direkt ins Gesicht weht. Trotzdem sind wir am nächsten Morgen einigermassen frisch aufgestanden und haben die Umgebung erkundschaftet, die zum UNESCO Kulturerbe gehört und wir uns keine Sekunde gewundert haben, wieso das so ist. Um nicht nur die Kultur, die Architektur und die Menschen auszukosten sondern auch das Nachtleben, sind wir natürlich nachts an die berühmt berüchtigte Uruguay Street gezogen. Da ist Clubbing angesagt auf schwindelerregend hohen Highheels! Wir haben uns für die einzig gemütliche Gartenbeiz entschieden und das Geschehen aus der Ferne beobachtet – umgehauen hat sie uns nicht, diese Strasse. Aber insgesamt gefällt mir Panama-City sehr gut und erinnert mich ein klein wenig an Kuala Lumpur. Genau wie da, herrscht auch hier ein Mix aus alten (resp. verlotterten) und modernsten Gebäuden, in einer Ecke kriegt man Hamburguesas vom Schiebewagen und in der anderen Sushi im klimatisierten Saal: Same same but very different.

Vergangenen Samstag haben wir Eddie mit neuem Benzinfilter, gewartet und gewaschen abgeholt und uns auf den Weg zur Playa Venao gemacht. Ursprünglich wollten wir nur drei Tage da verbringen bevor unsere Reise nach Kolumbien weiter geht - den Container für Eddie hatten wir gar bereits reserviert. Aber erstens kommt alles anders, zweitens als wir dachten: Auf dem Weg dahin erfuhren wir nämlich, dass Race und Christine auch da verweilen. Sie empfingen uns herzlich mit einem fantastischen Essen. Als dann am nächsten Tag Nick, Bettina und Mark die Runde komplettierten, erzählten sie über deren Pläne in den nächsten Tagen nach David zu reisen und Nicks Hütte bei einem Secret Spot aufzusuchen, um ein Surfvergnügen anderer Art zu erleben. Verlockend...  entsprechend entschlossen wir, unseren Marschplan über den Haufen zu schmeissen und erst eine Woche später nach Kolumbien zu reisen. Diese Entscheidung haben wir keine Sekunde bereut, obwohl wir schlussendlich vergebens sechs Stunden durch Regenschauer nach David gedonnert sind und am darauffolgenden Tag ohne anderes Surf- oder Shoppingvergnügen wieder zurück. Die Natur tut eben was sie will und bietet auch sonst bezaubernde Plätzchen: Playa Guanico hat’s mir sehr angetan. Wohl aber auch weil’s da ein lokales Restaurant gibt, mit leckerem Essen und kaltem Bier zu lauter Musica Latina, was Ferienstimmung verbreitet. Und auch die Playa Cambutal resp. Pedregal war toll, nicht wegen dem kulinarischen Angebot, sondern genau weil sie niemanden ausser uns beherbergte. In dieser Gegend haben wir auch zwei Nächte verbracht und für einmal wollten wir nicht selbst kochen sondern uns in einem Restaurant verwöhnen lassen. Leider aber war kein solches offen und in unsere Bleibe war an diesem Abend keine Kochgelegenheit verfügbar, wodurch wir uns im hiesigen Mini-Market mit verschiedensten Fressalien eindeckten und somit ein lausiges aber durchaus lustiges Abendessen verzehrten. Die gemeinsame Woche verging einmal mehr im Nu und ich fühlte mich aufgehoben wie in einer Grossfamilie in Lagerstimmung, jeder hatte sein Plätzchen und eine Aufgabe: Die einen kochten (zu denen gehörte ich nie), die anderen wuschen ab oder sorgten für Musik (zu denen gehörte ich natürlich auch nicht).

Wie immer kommt irgendwann der Aufbrechzeitpunkt, für Race und Christine gleichzeitig wie für uns. Zu unserem Glück, nicht nur weil wir einen weiteren gemeinsamen Abend in Panama-City verbringen konnten, sondern auch weil Maurus und ich sozusagen einen privaten Escorte-Service hatten: Eddie hat nämlich hinten links einen Platten eingefangen und so fuhren wir mit dem fünften Rad am Wagen. Was wohl nicht das Beste war, dieses platzte unterwegs und wir blieben am Rand des Highways stehen. Race und Christine fuhren direkt zur nächsten Garage und liessen den platten Pneu schnell reparieren, so dass wir innert kurzer Zeit weiterfahren konnten. Zur nächsten Llanteria, wo wir uns zwei neue gebrauchte Pneus kauften und montieren liessen.

Damit aber nicht genug, als wir vorgestern morgens auscheckten und zur Policia National fahren wollten um alles für die Überfahrt nach Cartagena zu regeln, wies Eddie vorne rechts einen weiteren Platten auf. Sabotage? Egal, ein weiterer Radwechsel erfolgte und im Laufe des Tages die Suche nach zwei neuen Vorder-Pneus, was gar nicht so einfach war, da genau unsere gewünschte Grösse in Panama-City nicht wirklich vertreten ist. Somit blieb keine Zeit für Shopping im Einkaufs-Paradies. Unser Geld haben wir aber doch sauber investiert: Eddie erhält grad im Moment neue Sprungfedern, vorne und hinten. So sind wir wieder bereit für neue Abenteuer!

Und das erste geht heute schon los: Wir fahren nach Colòn um Eddie zu verschiffen und uns selbst morgen hoffentlich auch. Wir haben nämlich noch keine Mitsegelgelegenheit via San Blas Inseln und hoffen auf eine kurzfristige Möglichkeit direkt vor Ort am Hafen. Es bleibt spannend!

Ciao Adios Bye

Flavia