Meine Lieben
Abenteuer habe ich mir anders vorgestellt: Nach dem wir in Singapore angekommen sind und in Little India (juhui!) ein Hostel gefunden haben, was dank Bank Holiday gar nicht so einfach war,haben wir direkt dasRaffels Hospital aufgesucht. Wietske sollte wegen eines Tuktuk-Unfalls in Bangkok ihre zweite Tollwutspritze erhalten und René wollte sein Herz untersuchen lassen. Seit ca. zwei Monaten hat er das Gefühl, dass nicht alles in Ordnung ist, insbesondere wenn er sich sportlich betätigt oder gar fliegt. Er hat dies jedoch sauber verdrängt bis seine älteste Tochter geträumt hat, dass er einen Herzinfarkt hatte – und sein Vater starb an einem solchen. Trotzdem nichts Böses ahnend haben wir also die Ergebnisse abgewartet und waren dann ziemlich geschockt, als es hiess, er müsse zur Überwachung gleich da bleiben, es sehe gar nicht gut aus. Wietske und ich haben also sein Zeugs im Hostel geholt und sind wieder zurück gegangen, da lag er auf der Intensivstation, überall Kabel und Herzfrequenz, mittlerweile mit dem Aussehen eines 50jährigen, aber mit einem Lachen im Gesicht. Dies hat aber am nächsten Tag aufgehört, denn René hat weder Word Wide noch Reiseversicherung und somit war die Zahlung der notwendigen Behandlung unklar. Und eine Herzoperation in einem Privat-Spital in Singapore ist eben auch nicht gratis. Sehr unschön – it’s all about money!
Nach dem Wietske und ich den Freitagabend und Samstagmorgen im unterkühlten Spital verbracht haben, mussten wir raus - denn schlussendlich wollten wir trotz mieser Situation einen Eindruck von Singapore erhalten. So sind wir zum Marina Bay gelaufen, wo all die eindrücklichen Architekturen stehen. Das Schiffhotel (hab noch nicht rausgefunden, wie das wirklich heisst) ist besonders speziell: Drei Glastürme die auf dem Dach durch ein Objekt verbunden sind, das aussieht wie ein Schiff. Und wenn man dann da hochfährt, haut einem der Luxus um: Palmen und Swimmingpool mit direktem Blick auf die Stadt – ähnlich wie die Terrasse im neuen Thermalbad im Löwenbräuareal in Zürich, jedoch um ein Vielfachesimposanter! Definitiv wunderschön, irgendwie aber nicht das richtige nach einer Woche auf der einsamen Insel und Backpacker-Klamotten. Trotzdem sind wir in dieser Gegend geblieben und haben uns rumgeschaut. Die ganze Geschichte mit René hat uns verständlicherweisenicht sonderlich heiter gestimmt und nicht mal die Sonne schien an diesem Tag. Alles war grau in grau. Vergleichen sollte man nicht, jedoch kam ich nicht drum rum, an Kuala Lumpur zu denken, was mich um ein vielfaches mehr begeistert und inspiriert hat, was Wietske wiederum nicht nachvollziehen konnte. Geschmäcker sind verschieden, aber auch sie konnte keine grosse Begeisterung für diese Stadt aufbringen, irgendwie fehlte uns der Spirit und das Leben. Vielleicht aber auch, weil Singapore sehr westlich ist und ich nicht danach auf der Suche bin, das habe ich zu Hause.Klar hat auch Renés Situation nicht zur Sympathie dieser Stadt beigetragen und alles dunkel überschattet - obwohl das Personal im Spital super nett und zuvorkommend war, wie allgemein die meisten Leute hier. Somit ist es schwierig einen objektiven Eindruck von Singapore wiederzugeben– aber vielleichtkriegt Singapore irgendwann eine zweite Chance, denn als Business Place ist diese Stadt definitiv interessant.
Am Abend erhielten wir zum Glück gute Neuigkeiten bei einem weiterem Besuch im Spital: Mit grosser Wahrscheinlichkeit würde die Versicherung von René den Betrag bezahlen, der in Holland für eine solche Herzoperation üblich ist und das Spital willigte dadurch ein, ihn am nächsten Tag zu operieren – denn ein Rückflug nach Holland wäre zu riskant gewesen. Erleichtert haben Wietske und ich mit viel Wein auf René angestossen und mit der zweiten Flasche wurde der Wein besser. Beste Ausgangslage um in einem Dorm trotz Schnarchgeräuschen tief und fest zu schlafen. Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg nach China Town. Interessant ist, dass hier definitiv „fast nur“ Chinesen unterwegs sind, und in Little India entsprechend „fast nur“ Inder. Irgendwie logisch, bis anhin habe ichdasaber nicht registriert, wohl weil ich vom Tumult überwältigt war– und eben dieser Tumult hat in dieser China Town gefehlt. So sind wir weiter gezogen an die Orchad Road, wo sich eine Shopping Mall nach der anderen reiht. Dabei sind wir voller Überzeugung in die falsche Richtung gelaufen. Ich glaube eine miserablere Orientierung hatte ich noch in keiner Stadt! Schlussendlich sind wir jedoch im Ziel angekommen und ein kleines Andenken fanden sowohl Wietske als auch ich.Zufrieden gingen wirmal wieder René besuchen, der mittlerweile wohlauf seine Operation hinter sich hatte und betreffend Befund nachdenklich war: Die Vene (no cluewhichone!), die schlussendlich operiert werden musste, war zu 99% zu - er konnte dies während seiner Operation sogar live sehen, denn er hatte nur eine lokale Anästhesie! Die Operation war somit absolut notwendig und höchste Zeit! Und uns wurde die Trageweite der Situation bewusst: René wollte eigentlich auf die anstrengende Hiking Tour nach Juaramitkommen, ist aber nach 10 Minuten umgekehrt, weil er sich nicht wohl fühlte dabei. Die Chance, dass er diese nicht überlebt hätte, wäre tatsächlich gross gewesen und Wietske und ich hätten keine Chance gehabt, ihm zu helfen! Seine Tochter hat ihm wohl das Leben gerettet – und uns vor einem unausdenkbaren Schock bewahrt!So wie’s aussieht, ist alles wieder gut und René wird in den nächsten Tagen nach Bali weiterziehen, denn wo kann man sich besser psychisch und physisch erholen als an einem schönen Strand – plus ist seine fantastische Wohnung in Amsterdam untervermietet.
Heute Morgen bin auch ich weiter gezogen, nach Yogyakarta. Zwar habe ich noch nicht viel dieser Stadt gesehen, aber sie ist definitiv anders als zu Hause und das gefällt mir. Und ich geniesse nach vier Wochen mal ein eigenes Zimmer mit blauer Malerei an den Wänden, denn Yogya ist sehr künstlerisch und auch intellektuell angehaucht – und ich habe Aussicht auf einen lustigen Abend! Denn per Zufall habe ich am Flughafen von Yogya die Zoe getroffen, die ursprünglich heute abreisen wollte, jedoch ihre Pläne geändert hat...
Ciao adios bye
Flavia
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