Meine Lieben
Nach drei tollen Wochen wollten wir El Salvador über Perquin nach Honduras verlassen um nach Gracias zu gelangen, was wie San Cristobal de las Casas und Antigua eine charmante Kopfsteinpflaster-Stadt sein soll. Nachdem Maurus eine weitere Massage genossen hat und ich mich nochmals ins Surfvergnügen stürzte, sind wir am frühen Nachmittag in Richtung Nordosten gezogen. Von schönen Landschaften auf Holperwegen inspiriert, haben wir mit Regentröpfchen die Grenze erreicht. Die Herren da, alle voll bewaffnet wie immer in El Salvador, haben grosse Augen gemacht, als wir mit Eddie angebraust kamen. Die Grenze, die wir uns ausgesucht haben um El Salvador zu verlassen, ist ein Migrationsübergang – schade hatte uns das keiner gesagt, als wir nach dem Weg fragten. Das heisst, Menschen können da zwar raus, aber nicht rein und fremde Autos weder noch. Wir brauchten einen Stempel für Eddie um sicherzustellen, dass wir ihn auch wieder mitgenommen haben. Ausländer Autos, die vor dem Jahr 2002 gebaut wurden, dürfen nicht im Land bleiben. Das wussten wir eigentlich bereits, weil wir uns zwischendurch informiert hatten ob wir Eddie umtauschen können. Auf jeden Fall hatten sie diesen Stempel da nicht. Genauso wenig wie Telefone und Computer und somit gab es keine andere Lösung als lachend zurück zu fahren. El Salvador ist ja zum Glück nicht so gross und den Weg kannten wir ja nun bereits! Auf dem Rückweg sahen wir eine Menschenmenge am Strassenrand stehen. Beim Vorbeifahren wurden wir gestoppt weil jeweils nur eine Richtung passieren konnte. Wir waren zuvorderst und so erkannten wir schnell den leblosen, jungen Mann, der blutend im Regen lag. Um ihn herum war alles abgesperrt, so wie in den CIA-Filmen, nur das um den Toten kein Zelt aufgebaut wurde. Ob er überfahren wurde oder erschossen, wissen wir nicht, aber diese Begegnung hinterliess eine nachdenkliche Stimmung.
In der Eindunklung erreichten wir Santa Rosa de Lima, ein lebhaftes Städtchen nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt, wo wir die Nacht verbrachten. Eine weise Entscheidung, die wir auch dank Carlos Mail mit dem Hinweis auf einen komplizierten Grenzübergang und „f*** asholes“ getroffen haben. Am nächsten Morgen kurz vor dem Grenzübergang rannten uns bestimmt 20 vermeintlich tüchtige Helfer entgegen. Einer von ihnen war José: „Hey Mauro, como estas?“ Leicht erstaunt erfuhren wir, dass unsere Gangster von der Grenze von Guatemala nach El Salvador brav die Info über das Mexikanische Touristenpaar weitergeleitet haben und José hat geduldig auf uns gewartet. Er wollte uns für fünf Dollar unterstützen. Da wir unser Geld auch schon dümmer losgeworden sind, sagten wir zu und er hängte sich aussen an Eddie um die Strecke mitzufahren. Ein bisschen skeptisch waren wir schon, haben uns doch die anderen Gangster einiges mehr abgeknöpft – weil sie anscheinend die Zollbeamten bestechen mussten damit es schneller geht, wer’s glaubt wird selig. Kaum ausgestiegen, wurden wir von zwei weiteren Amigo-Gangstern willkommen geheissen, die uns dann auch nicht mehr von der Stelle wichen. Wie auch immer, sie sind nicht doof und während ich auf Eddie aufpasste, lotsten sie Maurus mithilfe eines Polizisten in eine Art offizielles Büro - hier sieht nichts wirklich offiziell aus, auch wenn es so ist - und liessen ihn unter dem Deckmantel „Transit Gebühr“ 45 Dollar bezahlen. Sogar eine offizielle Quittung erhielten wir dafür, mit der jedoch der eine Gangster untertauchte. Danach begleiteten sie Maurus zum wirklich offiziellen Zoll, wo dann das Spielchen auffiel und die taffe Zollbeamtin empört war über die clever verbündete Bande – und es ihr leid tat für ihr Land, Honduras. Sie wies uns zudem zurecht, immer nur an offizielle Beamte Geld zu geben, aber auch sie war fast nicht als solche erkennbar, ihr Ratschlag also nicht ganz einfach umzusetzen. Erstaunlicherweise liess sie sich noch so gerne mit einem Kollegen zu diesem Office vis-à-vis der Policia begleiten um dem Boss dieser Agencia ihre Meinung lautstark kund zu tun. Natürlich wurde alles abgestritten und unsere Gangster waren bereits spurlos verschwunden und so haben auch wir das Weite gesucht.
Im Süden kann man Honduras in nur drei Stunden durchqueren um nach Nicaragua zu gelangen und weil dieser Transitdurchgang wohl oft genutzt wird, wurden wir bis nach San Marcos de Colon volle vier Male kontrolliert. Meist hatten wir aber den Eindruck, die Polizisten wollen einfach bisserl mit uns quatschen. San Marcos de Colon ist ein hübsches Grenzstadt-Dörfchen und da es bereits wieder später war, kamen wir in einem netten Familien-Hotel unter. Als erstes haben wir uns nach einem Frisör erkundigt. In einer Barbaria wurden wir fündig: Josue hat jedes Haar von Maurus für zwei Dollar einzeln mit dem Rasierer bearbeitet während ich mich mit seiner Frau unterhielt und die süsse kleine Tochter Elisa unsere Schachfiguren ins Köfferchen packte und wieder raus. Unter anderem wurde ich nach meinem Glauben befragt, was eigentlich kein Wunder ist, bei all den vielen, verschiedenen Iglesias, die wir bereits gesehen haben. Nicht nur in Honduras sondern bereits in El Salvador und überall kann man lesen, dass Jesus lebt und er uns liebt...
Gestern Morgen wurden wir von Tambouren geweckt und wir gingen neugierig auf die Strasse um zu schauen, was los ist: Jungs und Mädels in Schuluniform – allerdings können sich diese nicht alle leisten - zogen an uns vorbei. Wie uns der Besitzer des Hotels aufklärte, ist am 15. September der Unabhängigkeitstag und bis dahin wird nun jeden Tag fleissig geübt. Durch ihn haben wir auch die Hilfsbereitschaft von Honduras erfahren: Er begleitete Maurus zur einzigen Chiropraktikerin im Dorf während ich es mir in einem Schaukelstuhl bequem gemacht habe um diesen Blog zu schreiben.
Mittlerweilen sind wir in Nicaragua angekommen und auch das war wieder ein lustiger Grenzübergang. Diesmal waren aber keine Gangster am Werk: Wir hatten nicht mehr genügend Bargeld im Sack und so musste dieses erstmals organisiert werden, was in all den kleinen Dörfchen in Grenznähe gar nicht so einfach ist. Wie immer hat schlussendlich alles geklappt und wir freuen uns darauf, uns wieder ein Örtchen zu suchen an dem wir ein bisschen läbger verweilen...
Ciao Adios Bye
Flavia