31. August 2011

Kurzhaarschnitt


Meine Lieben

Nach drei tollen Wochen wollten wir El Salvador über Perquin nach Honduras verlassen um nach Gracias zu gelangen, was wie San Cristobal de las Casas und Antigua eine charmante Kopfsteinpflaster-Stadt sein soll. Nachdem Maurus eine weitere Massage genossen hat und ich mich nochmals ins Surfvergnügen stürzte, sind wir am frühen Nachmittag in Richtung Nordosten gezogen. Von schönen Landschaften auf Holperwegen inspiriert, haben wir mit Regentröpfchen die Grenze erreicht. Die Herren da, alle voll bewaffnet wie immer in El Salvador, haben grosse Augen gemacht, als wir mit Eddie angebraust kamen. Die Grenze, die wir uns ausgesucht haben um El Salvador zu verlassen, ist ein Migrationsübergang – schade hatte uns das keiner gesagt, als wir nach dem Weg fragten. Das heisst, Menschen können da zwar raus, aber nicht rein und fremde Autos weder noch. Wir brauchten einen Stempel für Eddie um sicherzustellen, dass wir ihn auch wieder mitgenommen haben. Ausländer Autos, die vor dem Jahr 2002 gebaut wurden, dürfen nicht im Land bleiben. Das wussten wir eigentlich bereits, weil wir uns zwischendurch informiert hatten ob wir Eddie umtauschen können. Auf jeden Fall hatten sie diesen Stempel da nicht. Genauso wenig wie Telefone und Computer und somit gab es keine andere Lösung als lachend zurück zu fahren. El Salvador ist ja zum Glück nicht so gross und den Weg kannten wir ja nun bereits! Auf dem Rückweg sahen wir eine Menschenmenge am Strassenrand stehen. Beim Vorbeifahren wurden wir gestoppt weil jeweils nur eine Richtung passieren konnte. Wir waren zuvorderst und so erkannten wir schnell den leblosen, jungen Mann, der blutend im Regen lag. Um ihn herum war alles abgesperrt, so wie in den CIA-Filmen, nur das um den Toten kein Zelt aufgebaut wurde. Ob er überfahren wurde oder erschossen, wissen wir nicht, aber diese Begegnung hinterliess eine nachdenkliche Stimmung.

In der Eindunklung erreichten wir Santa Rosa de Lima, ein lebhaftes Städtchen nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt, wo wir die Nacht verbrachten. Eine weise Entscheidung, die wir auch dank Carlos Mail mit dem Hinweis auf einen komplizierten Grenzübergang und „f*** asholes“ getroffen haben. Am nächsten Morgen kurz vor dem Grenzübergang rannten uns bestimmt 20 vermeintlich tüchtige Helfer entgegen. Einer von ihnen war José: „Hey Mauro, como estas?“ Leicht erstaunt erfuhren wir, dass unsere Gangster von der Grenze von Guatemala nach El Salvador brav die Info über das Mexikanische Touristenpaar weitergeleitet haben und José hat geduldig auf uns gewartet. Er wollte uns für fünf Dollar unterstützen. Da wir unser Geld auch schon dümmer losgeworden sind, sagten wir zu und er hängte sich aussen an Eddie um die Strecke mitzufahren. Ein bisschen skeptisch waren wir schon, haben uns doch die anderen Gangster einiges mehr abgeknöpft – weil sie anscheinend die Zollbeamten bestechen mussten damit es schneller geht, wer’s glaubt wird selig. Kaum ausgestiegen, wurden wir von zwei weiteren Amigo-Gangstern willkommen geheissen, die uns dann auch nicht mehr von der Stelle wichen. Wie auch immer, sie sind nicht doof und während ich auf Eddie aufpasste, lotsten sie Maurus mithilfe eines Polizisten in eine Art offizielles Büro - hier sieht nichts wirklich offiziell aus, auch wenn es so ist - und liessen ihn unter dem Deckmantel „Transit Gebühr“ 45 Dollar bezahlen. Sogar eine offizielle Quittung erhielten wir dafür, mit der jedoch der eine Gangster untertauchte. Danach begleiteten sie Maurus zum wirklich offiziellen Zoll, wo dann das Spielchen auffiel und die taffe Zollbeamtin empört war über die clever verbündete Bande – und es ihr leid tat für ihr Land, Honduras. Sie wies uns zudem zurecht, immer nur an offizielle Beamte Geld zu geben, aber auch sie war fast nicht als solche erkennbar, ihr Ratschlag also nicht ganz einfach umzusetzen. Erstaunlicherweise liess sie sich noch so gerne mit einem Kollegen zu diesem Office vis-à-vis der Policia begleiten um dem Boss dieser Agencia ihre Meinung lautstark kund zu tun. Natürlich wurde alles abgestritten und unsere Gangster waren bereits spurlos verschwunden und so haben auch wir das Weite gesucht.

Im Süden kann man Honduras in nur drei Stunden durchqueren um nach Nicaragua zu gelangen und weil dieser Transitdurchgang wohl oft genutzt wird, wurden wir bis nach San Marcos de Colon volle vier Male kontrolliert. Meist hatten wir aber den Eindruck, die Polizisten wollen einfach bisserl mit uns quatschen. San Marcos de Colon ist ein hübsches Grenzstadt-Dörfchen und da es bereits wieder später war, kamen wir in einem netten Familien-Hotel unter. Als erstes haben wir uns nach einem Frisör erkundigt. In einer Barbaria wurden wir fündig: Josue hat jedes Haar von Maurus für zwei Dollar einzeln mit dem Rasierer bearbeitet während ich mich mit seiner Frau unterhielt und die süsse kleine Tochter Elisa unsere Schachfiguren ins Köfferchen packte und wieder raus. Unter anderem wurde ich nach meinem Glauben befragt, was eigentlich kein Wunder ist, bei all den vielen, verschiedenen Iglesias, die wir bereits gesehen haben. Nicht nur in Honduras sondern bereits in El Salvador und überall kann man lesen, dass Jesus lebt und er uns liebt...

Gestern Morgen wurden wir von Tambouren geweckt und wir gingen neugierig auf die Strasse um zu schauen, was los ist: Jungs und Mädels in Schuluniform – allerdings können sich diese nicht alle leisten - zogen an uns vorbei. Wie uns der Besitzer des Hotels aufklärte, ist am 15. September der Unabhängigkeitstag und bis dahin wird nun jeden Tag fleissig geübt. Durch ihn haben wir auch die Hilfsbereitschaft von Honduras erfahren: Er begleitete Maurus zur einzigen Chiropraktikerin im Dorf während ich es mir in einem Schaukelstuhl bequem gemacht habe um diesen Blog zu schreiben.

Mittlerweilen sind wir in Nicaragua angekommen und auch das war wieder ein lustiger Grenzübergang. Diesmal waren aber keine Gangster am Werk: Wir hatten nicht mehr genügend Bargeld im Sack und so musste dieses erstmals organisiert werden, was in all den kleinen Dörfchen in Grenznähe gar nicht so einfach ist. Wie immer hat schlussendlich alles geklappt und wir freuen uns darauf, uns wieder ein Örtchen zu suchen an dem wir ein bisschen läbger verweilen...

Ciao Adios Bye

Flavia

28. August 2011

Kurz & Bündig


Meine Lieben

Es geht uns wunderbar in El Salvador und so sind wir noch immer hier. Unser Heim bei Nieve und Pedro an der Playa El Sunzal hat’s uns wirklich angetan und so haben wir weitere acht Tage und Nächte da verbracht ohne zu merken, dass es bereits so viele waren.  Eigentlich könnte ich den Blog „Kurzweilig“ copy pasten, exkl. Grenzübergang und Carlos, aber inkl. allem anderem. Sogar dem stinkigen aber interessanten Marktbesuch. Von Einheimischen haben wir erfahren, dass dort so ein heilendes Ruda-Kraut verkauft wird, was gegen Ohrenleiden helfen soll. Maurus litt nämlich noch immer an der Ohrenentzündung, die nicht heilen wollte. Aber nicht nur diese hielt ihn vom Surfen ab, auch sein Rücken streikte. Zwischendurch stiegen wir zwar nochmals ins Wasser, aber seinem Rücken und den Ohren half das nicht und ich versteckte mich noch immer vor den Wellen – und nochmals auf Stein auflaufen hatte ich keine Lust zu. So haben wir viel geschlafen und gefaulenzt, lecker gegessen, Massagen genossen, mit Nieve Kunststücke geübt, Maurus Ohren und Rücken mit allem Möglichen kuriert, haben uns von Gille, dem belgischen Besitzer eines unserer Lieblingsrestaurantbars, interessante aber nicht nur schöne Geschichten über El Salvador erzählen lassen und kleine Ausflüge gemacht wie zum Beispiel zu den Ruinas de San Andres, von wo aus wir eigentlich noch die Joya Ceren (so was wie Pompeji in El Salvador) besuchen wollten um dann aber feststellen zu müssen, dass all diese Sehenswürdigkeiten schon um 16.00 Uhr schliessen. Um diese Zeit werden wir oft erst so richtig aktiv und spielen Arschloch (Tschuldigung Mama!) und Schach. In San Cristobal de las Casas haben wir ein kleines Spiel gekauft und Maurus hat’s mir beigebracht. Bis anhin hat er aber ausnahmslos immer gewonnen und er ist definitiv auch mehr König als ich. Dafür habe ich Glück in der Liebe. Man kann ja nicht immer „s Foiferli und s Weggli“ haben, musste ich mir schon als Kind immer anhören, dies zu akzeptieren fällt mir trotzdem schwer. Maurus wäre ja aber nicht Maurus wenn er nicht lehrreiche Tipps auf Lager hätte, die er bekannterweise auch gerne teilt. Angreifen und Fressen ist angesagt, nicht verteidigen und fliehen! Heute habe ich diese Hilfestellung nach langer Surfpause im Wasser angewendet. Seit vorvorgestern sind wir nämlich in Las Flores. Das ist eine echt schöne Sandbucht neben El Cuco. Da haben wir uns in einem gemütlichen Hostel mit grosszügiger Terrasse eingenistet, wo wir von lauten aber netten Brasilianern umgeben sind, einer davon spricht sogar Deutsch. Leider war unser kleines Wunschhotel oben auf den Klippen ausgebucht als wir angekommen sind, aber wenigstens liessen sie uns da Bier trinken und die Aussicht geniessen. Und weil diese grandios ist, waren wir gestern nach dem Frühstück nochmals da um nachzufragen, ob denn nun nicht ein paar der überaus freundlichen Amerikaner abgereist sind, erfolglos. Eddie schien es da auch zu gefallen, er wollte schon wieder nicht anfahren. So haben wir erneut die Hilfsbereitschaft der Menschen in Zentralamerika gespürt – auch wenn sie’s mit Zeitangaben nicht so genau nehmen. Solche Situationen haben also immer auch gute Seiten und bringen uns mit Locals in Kontakt, was fünf Stunden Warten schnell vorbei gehen lässt. Zudem hätte ich mich eh zu nichts anderem wirklich imstande gefühlt, da mich unsere Entgiftungs-Kur (Homöopathische Tröpflis), angeordnet durch Maurus Wunderheiler in El Tunco, fertig machte. Dieser Wunderheiler meint eben, dass der Magendarmbereich alles beeinflusst, Disfunktion aber nicht zwingend melden muss. Das Sprichwort „Liebe geht durch den Magen“ macht also irgendwie auch Sinn, obwohl’s Maurus Rücken betrifft. Auch wenn ich keine Leiden hatte, habe ich mich solidarisch angeschlossen, bin aber wohl viel giftiger als Maurus, fühlte mich echt verschissen. Wie auch immer, wir haben’s gestern dann noch zur Punta Mango geschafft um Fabiola und Will einen Spontanbesuch abzustatten. Ihn haben wir bereits in Chacahua kennen gelernt und später dann auch sie in Puerto Escondido. Die beiden haben eine ähnliche Route wie wir und so treffen wir die beiden aus Australien (resp. sie ursprünglich aus Peru) wohl noch öfters. Mal wieder im Dunkeln sind wir zum Nachtessen in unser Hotel zurückgekehrt um heute nach dem Surfen bei einem Bier von Locals zu erfahren, dass die Gegend um Punta Mango rum nicht super sicher ist – vor sechs Jahren gab es da Mal einen fiesen Überfall auf Touristen. Aber wir haben überlebt, und diese Jungs sind vor allem einfach auch sehr stolz auf ihre Sicherheit in Las Flores, was man ihnen ja nicht übel nehmen kann. Wir haben trotzdem einen Nachtwächter im Hostel, Antonio, der sieben Tage die Woche nachts arbeitet und tagsdurch auf dem Land genauso. In Gesprächen mit Menschen wie ihm fühl ich mich hilflos (natürlich versuchen wir Propinas (Trinkgeld) gerecht zu verteilen, aber trotzdem...) – egoistischer Weise bin ich froh, dass er trotzdem einen zufriedenen Eindruck macht. Nun aber nochmals zu meinem Surftag, ich bin nämlich auch super happy! Heute Morgen habe ich mit Maurus seine Schachlogik auf dem Wasser angewendet und ich hab gewonnen (danke Maurus)! Zusätzlich habe ich mich an den Tipp von Abdul, meinem Surflehrer in Senggigi, erinnert: Flavia, du hast Potential, jetzt aber deine Begeisterung (stimmt, die hatte ich mal!) zügeln und schön brav die kleinen Wellen anpeilen. Also habe ich mich ans grosse Weisswasser gehalten und so stand ich endlich mal wieder auf dem Brett, mehrmals. Definitiv ein Erfolgsmoment! So bin ich am Nachmittag gleich nochmals raus und stand sogar zweimal auf einer richtigen kleinen Welle. Und weil ich’s so toll fand, bemerkte ich nicht, dass meine Nase wieder rot ist wie die einer Indianerin, meint Maurus. Egal, morgen ist sie braun und ich geh nochmals surfen bevor wir dann nach Honduras weiterziehen.

Ciao Adios Bye

Flavia

17. August 2011

Kurzgeschichte


Meine Lieben

Es war ein Mal ein Paar, das fand das Reisen wunderbar. Deshalb brachen sie eines Samstags auf um die Ruta de las Flores zu erkunden. Diese sollte ein spezielles Highlight in El Salvador darstellen und das tat sie auch: Ein interessantes und buntes Dorf nach dem anderen erwartete die beiden und die Landschaft bot fantastische Aussicht in grüne Wälder und in die Weite. Besonders angetan war das Paar von Juayúa (ausgesprochen „Why-ooh-ah“), das irgendwo in der Mitte der Ruta de las Flores lag und in dem jeweils an den Wochenenden ein Gourmet Festival auf der Plaza stattfindet: Ein leckerer Stand neben dem anderen grilliert Fleisch und Fisch mit unterschiedlichsten Beilagen und als Spezialität werden gar ganze Frösche angeboten. Auf diese verzichtete das Paar grosszügig, genauso wie auf die Iguanas, die hier scheinbar auch zu den ganz speziellen Köstlichkeiten gehören – zum Glück sahen die beiden diese Dinger aber nirgendwo auf einem Grill. Dafür aber lebendig in einer Reptilienausstellung, in welcher sie auch eine Albino Boa beobachten konnten und salvadorianische Touristen, die sich mit dieser ablichten liessen. Das schmucke Dörfchen bot dem Paar aber nicht nur einen vollen Magen sondern auch einen Markt mit lokalen Kunstwerken, Chilbi-Grümschel-Ware und einen Stand mit alternativen Heilmedizin, mit welcher er sich eindeckte, denn sein Rücken schmerzte vom vielen Surfen der Vorwoche. Der Händler erkannte sofort sein potentielles Opfer – viele westliche Touristen waren nämlich nicht vertreten - und machte wohl das Geschäft des Tages. Sogar ein Rosenkranz wurde er los, was als Geschenk für Eddie gedacht war um ihn zu ermuntern, weiterhin keine Mätzchen zu machen. Auch ein Spaziergang lohnte sich durch die Gässchen, da viele Hausmauern kunstvoll mit Bildern bemalt waren. Viele Zeichnungen erzählen aus dem lokalen Leben von damals. Davon war besonders sie angetan. Und weil das Dörfchen so viel Romantik versprühte, buchten die beiden spontan eine Kutschentour, mit Papa und Sohnemann. Irgendwann wurde es dunkel und das Paar hatte noch kein Bett für die Nacht. Dona Mercedes öffnete trotzdem ihre Pforten und adoptierte die beiden sofort. Sie kannte das Dorf wie ihre eigene Rocktasche und wusste wo man den Abend am gemütlichsten ausklingen lassen konnte. Auch bei tobendem Regenschauer, welcher später einbrach. Die beiden liessen sich den Hauswein schmecken, viel Hauswein und schwankten irgendwann zufrieden heim. Nach süssen Träumen wurden sie morgens von den vorbeidröhnenden Autos geweckt, und ein kleinwenig Sonnenschein drängte sich durch die Vorhänge. Das Frühstück und die fröhliche Musik am Gourmet Festival weckte die Lebensgeister des Paares vollends und sie waren bereit weiterzuziehen. Es lagen weitere einladende Dörfchen an der Ruta de las Flores und es war bereits wieder früher Nachmittag. Unterwegs tranken die beiden einen Kaffee in einer Finca Vivero und liessen sich vom wunderschönen Garten und der traditionellen Musik inspirieren. Als sie weiterfahren wollten, tat Eddie jedoch keinen Wank. Die beiden hatten sich wohl in seinem Glauben vertan. Gutes Zureden half und er fuhr direkt weiter bis nach Ataco, wo die beiden wiederum einen Spaziergang durch die bunten Gassen und Marktstände unternahmen. Die Nacht wollten die beiden in Santa Ana verbringen. Auf dem Weg dahin legte das Paar einen kurzen Pipistopp für sie ein, was Folgen hatte: Eddie war definitiv beleidigt und wollte um Himmels Willen nicht anfahren. Der Tankwart tauschte verschiedenste Sicherungen aus und irgendwann wie durch Gottes Hand, sprang Eddie wieder an und das Paar zog erleichtert von dannen um wieder in der Dunkelheit nach einem Hotel Ausschau zu halten. Lonely Planet sei dank wurden sie innert Kürze fündig und trafen in der Casa Verde auf vertraute Gesichter: Die einzigen Touristenpaare, die sie bereits in Juayúa gesichtet hatten, waren auch hier und tranken bereits Bier. Das Paar schloss sich fröhlich an und bestellte zudem noch comida china para llevar obendrauf. Die beiden sind echte Penntüten und so war das Leben in Santa Ana schon im vollen Gange als er am nächsten Tag das Hotel für eine Chiro-Behandlung verliess, für fünf Dollar – bereits an der Playa El Tunco bezahlten die beiden für eine physiotherapeutische Massage von eineinhalb Stunden nur 25 Dollar. Erholt fuhren die beiden nach reichhaltigem Frühstück nach Suchitoto. Sie fand diesen Namen extrem exotisch und erhoffte sich, dort mal wieder Sushi geniessen zu können. Ja, die beiden sind echt verfressen - nicht nur ineinander. Sie mögen sich auch einfach von interessanten Wegweisern leiten lassen und landeten so am faszinierenden Lago de Suchitlan, mitten in der Pampa mit vielen Kühen und Fliegen und einem Comedor. Nachdem sie - wie es sich gehört und ein bisschen zur Empörung von Normita, welcher der Comedor gehört - ein paar Fotos geschossen hatte, wollten die beiden weiterfahren. Doch Eddie wollte nun wirklich nicht mehr. Die beiden hofften, dass Zeit die Wunden heilt und tranken bei Normita ein Bier, was deren Stimmung erheiterte. Doch Eddie hatte ja nichts davon und bewegte sich nicht von der Stelle. Andi gefiel das. Andi ist ein 11jähriger Junge, der Automech werden will, wenn er gross ist - und nicht Kuhhirte wie seine ganze Familie. Jetzt war er aber noch keiner und so war das Paar grad bisserl ratlos, denn niemand hatte die Nummer des Mechanikers im Dorf oben und bald wurde es schon wieder Nacht. So blieb ihm, also dem männlichen Teil des Paares, nichts anderes übrig als mit dem lokalen Bus, der zum Glück alle halben Stunden fährt, hochzufahren um Hilfe zu holen. Derweil blieb sie unten und wurde von Andi unterhalten. Er war nämlich besorgt, dass sie sich langweilen konnte. So erfuhr sie einiges über den Kleinen und war fasziniert, wie tüchtig er war, als dann sein Freund Israel kam und unter Eddie kroch. Fachmännisch unterstütze er diesen und so konnte Eddie innert kurzer Zeit repariert werden: Irgendein Kabel war durchtrennt und es ist und bleibt ein Rätsel wie das Paar überhaupt noch so weit hatte kommen können - und wie dies passiert ist erst recht. Vielleicht wurden sie von den Gangstern des Grenzübergangs verfolgt, denen sie, also der weibliche Teil des Paares, am Ende noch deftig die Meinung gesagt hatte? Auf jeden Fall musste das Paar schlussendlich doch nicht im Auto übernachten, sondern konnte sich eine schöne Bleibe in Suchitoto suchen, was gar nicht so einfach war. Es war schon wieder dunkel und viele Hotels waren entweder Montags geschlossen, bereits ausgebucht, hatten grosse Skorpione beim Klingelknopf oder waren zu teurer (in Suchitoto befinden sich nämlich ein paar echte Luxushotels) oder die Bleiben boten kein privates Bad, auf was das verliebte Paar keines Falls verzichten wollte. Und wieder trafen sie bekannte Gesichter, denn El Salvador ist bekanntlich nicht so gross und Suchitoto nur an den Wochenenden richtig belebt. Den Abend verbrachten die beiden trotzdem alleine in einem gemütlichen Restaurant bei Kerzenschein - resp. ein hungriger Hund leistete ihnen Gesellschaft und kriegte natürlich auch ein paar Happen Pupusa ab. Pupusas sind gefüllte Maisfladen und ein typischer Snack in El Salvador ab 16.00 Uhr. Zufrieden ging das Paar schlafen um am nächsten Morgen wieder an die Costa del Balsàmo aufzubrechen. Dahin machten die beiden aber noch einen Abstecher auf den Vulkan San Salvador im Gebiet Boqueron, der 1917 zum letzten Mal ausgebrochen ist und ihnen erneut eine faszinierende Aussicht bot.

Und wenn das Paar auf der Rückfahrt nicht gestorben ist – und Eddie sich anständig verhält, dann reisen die beiden noch immer glücklich weiter.

Ciao Adios Bye

Flavia

16. August 2011

Kurzweilig


Meine Lieben

Die Grenze von Guatemala nach El Salvador war definitiv weniger spannend als diejenige von Mexico nach Guatemala: Keine bunten Läden, kein chaotisches Durcheinander, einfach ein paar graue Gebäude und Personen, von denen wir nicht so recht wussten, wer für was verantwortlich war. Vielleicht schien aber alles nur düster weil grad der Regen einsetzte. Insgesamt war dieser Grenzübergang trotzdem aufregender. Weil wir uns nämlich von zwei Gangstern haben überreden lassen, all den Papierkram für uns zu übernehmen. „Perfekt!“ dachten wir. Denkste, schlussendlich hat uns diese „nette Geste“ unsere letzten Dollars gekostet – Maurus ist aber auch jetzt noch überzeugt, dadurch ungefähr drei Stunden gespart zu haben. Schlussendlich konnten wir problemlos in El Salvador einreisen und freuten uns auf das Land, was nur die halbe Fläche der Schweiz misst aber fast so viele Einwohner zählt und somit das dichtest besiedeltste Land von Zentralamerika ist.

Auf dem Weg zu unserem ersten Ziel, Costa del Bàlsamo, wurden wir wegen Strassenarbeiten gestoppt. Diese unterbrachen den Verkehr auf beide Seiten. So stiegen wir aus und lernten Carlos aus Canada kennen. Er ist mit seinem Motorrad für insgesamt zwei Jahre in Zentral- und Südamerika unterwegs und ein lustiger kleiner Kerl. Unter anderem erzählte er uns von seiner gemütlichen Bleibe an der Playa El Sunzal, die noch ein anderes freies Zimmer hat und eine gute Preis-Leistung bietet. Also sind wir ihm gefolgt und gleich für fünf Nächte geblieben. Nicht wegen der wirklich guten Preis-Leistung, sondern weil es Maurus und mir hervorragend gefallen hat und die Tage im Nu vergingen.

Die Costa del Bàlsamo ist eine Strasse unter blühenden Bäumen, die manchmal wie grüne Tunnels wirken und Kühe laufen wild darauf rum. Genauso wie Frauen, die gefüllte Eimer mit was weiss ich oder Holz auf dem Kopf tragen, so wie wir das bereits in Mexiko, Guatemala und auch Bali staunend beobachten konnten. Weil grad Wassermelonensaison ist, liegen diese übereinander gestapelt am Strassenrand. Schmatzende Personen stehen drum rum, die nach dem Schmaus die Schale einfach auf die Strasse werfen. Es reiht sich ein kleiner Ort mit Strand nach dem anderen und zu unserem Surfstrand hatten wir zwar keine fünf Minuten zu Fuss, in der Regel fuhren wir jedoch mit Eddie dahin. Keineswegs weil wir faul sind, zwischendurch mal bisserl laufen würde uns durchaus gut tun. Am ersten Tag jedoch wurden wir von Mücken so krass gefressen, dass wir danach rot weiss gepunktet waren und den Weg kein zweites Mal wagten – und es gibt noch viele andere Möglichkeiten gestochen zu werden. Da die Wellen schön gleichmässig waren und eine vernünftige Grösse aufwiesen, weihte ich endlich mein Surfboard ein. So konnte Carlos mein Boggie-Board benutzen und tat dies definitiv erfolgreicher als ich. Ui, weil ich mittlerweile mit dem Ding schon zu oft böse gewaschen wurde, war mein einziges Ziel mit dem Surfboard nicht von den Wellen gefressen zu werden, statt die Wellen zu erwischen. Das ist natürlich nicht die optimale Voraussetzung um Fortschritte zu machen und Maurus hat eine wütende Flavia kennen gelernt. Aber Einsicht ist der beste Weg zur Besserung und so schnell gebe ich mich nicht geschlagen. Maurus kam dafür voll auf seine Kosten und genoss jeweils morgens und abends ein paar gute Rides.

Zwischendurch blieb viel Zeit für süsses Nichtstun wie zum Beispiel Dösen in unseren Hamacas. Mittlerweile haben wir gar unsere eigene bunte Hängematte, die Nieve besonders liebte. Nieve ist eine Mischung aus Dalmatiner und Rottweiler und der coolste Hund, den ich je kennen gelernt habe. Er gehört Pedro, der unsere Zimmer und den fantastischen Garten bewirtete und für Maurus jeden Morgen frische Kokos auf den Tisch stellte. Keine fünf Autominuten von uns weg war zudem Playa El Tunco, ein Strand der touristischer ist und viele leckere Restaurants beherbergt. Diese haben wir voll ausgekostet, obwohl unser Heim eine voll ausgestattete Küche gehabt hätte und der Supermarkt ein verlockendes Angebot hat. Aber das ist ja genau das schöne am Reisen – zumindest wenn das Budget stimmt: Man muss nie kochen, sondern kann immer aussuchen worauf man grad Lust hat - und hinter jeder Bestellung steckt eine kleine Überraschung. Diese Überraschungen waren hier in der Gegend durchwegs positiv und haben unsere Erwartungen allesamt übertroffen!

Auch La Libertad lag nur knapp zehn Autominuten von uns entfernt. La Libertad ist der nächstgelegene Hafen und La Punta Roca, ein berühmt berüchtigter Surfspot, befindet sich da, genauso wie verschiedenste Bars, Cafés und Restaurants. Weg vom Meer bietet La Libertad aber auch eine stinkende Markthalle, welche Maurus und ich neugierig erforschten. Rund um diese Markthalle verkaufen verschiedenste Händler ihre Ware und es herrscht eine rege Stimmung. An jeder Ecke gibt es einen anderen interessanten Tante Emma Laden, eine spannende Gestalt und Musik tönt von überall her. Trotzdem blieben wir nicht so lange. Irgendwie kamen wir uns auch bisserl als Fremdkörper vor, denn andere Touristen gab es weit und breit keine – es hat also auch alles seine Kehrseite und die Balance zwischen zu viel und zu wenig liegt nah beieinander.

Die Zeit an der Playa El Sunzal mag langweilig klingen, so kam sie uns aber gar nicht vor und deshalb sind wir heute Abend nach einem vier tägigen Ausflug ins Inland wieder hier her zurück gekehrt - und grad in diesem Moment legt Nieve ihren Kopf auf meinen Schoss und versucht mein Gesicht zu lecken, so wie sie das am liebsten tut. Und Maurus ist vor einer Minute fast eine Mango auf den Kopf gefallen, leider ist diese noch nicht reif, aber bald beginnt die Saison, juhui!

Ciao Adios Bye

Flavia



10. August 2011

Kurz Trip


Meine Lieben

Mexiko ist so gross und bietet so viel, dass wir problemlos unsere fünf gemeinsamen Monate dort hätten verbringen können. Wir haben ja aber was anderes vor und deshalb war es nach knapp fünf Wochen definitiv Zeit weiterzuziehen. Wie bereits erwähnt war das nächste Land auf unserem Pazifikküstenplan Guatemala und wir waren gespannt auf den Grenzübergang: Werden unsere Autopapiere akzeptiert? Aber ja doch! Und so liessen wir den bunten Markt und das geschäftige Treiben der Grenzbewohner auf uns wirken bevor wir weiterfuhren. Neugierig werweissten wir was wohl die Unterschiede zu Mexiko sind, die uns als erstes offensichtlich auffallen: Die Häuser waren nicht mehr mit dem Corona Schriftzug und Farben bemalt sondern blau mit dem weissen Schriftzug eines hiesigen Mobilnetzbetreibers. Und Maurus war hellbegeistert, dass es keine Topes gibt, jedoch tauchten diese irgendwann doch auf und zwangen ihn zwischendurch die Geschwindigkeit zu drosseln. Was ich hingegen ganz nett fand, so konnte ich die pittoreske Landschaft sowie die kleinen versteckten Dörfchen auf den Hügeln und deren Bewohner für ein paar Sekunden mehr geniessen. Je mehr wir in Richtung Ciudad de Guatemala resp. Guate kamen, desto mehr fielen uns die vielen verschiedenen politischen Plakate auf und irgendwann realisierten wir, dass es sich wohl um die Präsidentenwahlen handeln muss sowie dessen Stellvertreter und/oder Sekretär. Wie wir im Nachhinein erfuhren, finden diese im November 2011 statt, aber bereits jetzt wird unglaublich tüchtig auf der Strasse mit farbigen Shirts und Giveaways lobbiert und ganze Häuser sind in den Farben und mit dem Logo der Lieblingspartei bemalt. Der Weg nach Guate war allesamt gut konstruiert und so konnten wir problemlos durchfahren: Bereits in Mexiko trafen wir insgesamt bessere Strassen an als wir erwarteten, es wird wohl viel Geld und Effort in die Infrastruktur investiert. Trotzdem kamen wir erst im Dunkeln an und suchten unser Hotel mindestens eine Stunde lang. Aber nicht weil’s finster war und es in Guatemala so gut wie keine grosse leuchtenden Schilder an den Gebäuden gibt (nicht mal Mc Donalds erkennt man von weitem!). Guate hat über eine Million Einwohner, also ziemlich gross und das Gridsystem der Strassennamen nicht nur übersichtlich. Dank der Suche konnten wir uns dafür bereits ein bisschen ein Bild der Stadt machen, was uns ausreichte und gingen erschöpft aber zufrieden essen. Ironischerweise landeten wir in einem mexikanischem Restaurant, realisierten dies aber erst, als wir bereits die Menüs in der Hand hatten. Da die Gastrobetriebe in Guatemala allgemein nicht ewig aufhaben resp. in der Regel um spätestens 22.00 Uhr schliessen, mochten wir keinen anderen Ort aufsuchen und kriegten doch noch was zu futtern, was wir nicht schon kannten: Vor uns zubereitete Salsa!

Am nächsten Morgen brachen wir auf um an die Küste zu fahren. Trotz des Vorabends haben wir das Verkehrschaos in Guate (an Wochenenden) unterschätzt und brauchten bestimmt zwei Stunden und sechs Anfragen und einiges an Nerven um auf den richtigen Highway zu gelangen. Und da auch Guatemala nicht mit Ortsangaben und Richtungsschildern übersät ist und ich die wenigen, die’s dann trotzdem gibt eben nicht seh oder grad ein Nickerchen gemacht hab (wie fies, ich weiss, aber mit Sonnenbrille sieht’s Maurus nicht), haben wir’s geschafft im Kreis nach Puerto San José zu fahren. Wir haben also geschlagen doppelt so lange zu haben als normal und konnten unser Missgeschick selbst kaum fassen, im Nachhinein aber drüber lachen. Puerto San José ist ein äusserst lebendiges Dorf und wird an den Weekends auch häufig von Guates aufgesucht – auch wenn der Strand nichts Spezielles ist (ja, ich weiss, ich geb’s ja zu, ich bin verwöhnt!) und auch zum Surfen hat’s Maurus nicht überzeugt. Also sind wir weitergefahren, nach Itzapa. Auch dies wieder ein waches Dorf mit so gut wie keinen Touristen und nur einfachen Hostels, genaugenommen glaub nur zwei. Zum Glück konnten wir da trotzdem mit unseren letzten Dollars bezahlen. Dank dem Retourgeld konnten wir essen gehen, denn bis anhin hatte uns noch kein Bankautomat Geld gegeben, egal mit welcher Karte und welchem Betrag wir’s versucht hatten. Maurus und ich sind allerdings noch immer Anfänger und sind dieses Geld im Restaurant auch gleich wieder losgeworden weil wir uns kein Menü zeigen liessen und einfach gutgläubig sind. Wir buchen das ein bisschen unter Entwicklungshilfe ab, es war ja nicht das erste mal. Leider war Surfen auch in Itzapa nicht angesagt und es schien nicht wirklich Spots im Umfeld resp. an der ganzen guatemaltekschen Küste zu geben, die es Wert waren zu besuchen um Wellen zu reiten - und ich wollte endlich mein Surfboard einweihen. So machten wir uns auf den Weg nach Antigua, was ich mir so ähnlich vorstellte wie San Cristobal de las Casas, da es ebenso on Highlands gelegen ist und dementsprechend angenehm kühl. Dies vor allem auch wenn es regnet. So besuchten wir eine Fotogalerie, einen schönen lokalen Handwerkmarkt für Touristen sowie einen überdachten Allerleimarkt für jedermann, wo wir eine Albino Guatemalasin in traditioneller Kleidung sahen – nein, ich hab nicht gestarrt! Zudem liessen wir die Zeit in einem der vielen einladenden Kaffees verstreichen resp. spielten mal wieder Billard und suchten uns ein gemütliches Hotel. Mittlerweilen konnten wir’s uns nämlich wieder gut gehen lassen, wir hatten per Zufall die einzige Bank gefunden, die Pesos in Quetzales wechselt und dies an einem Sonntag. Der Geldwechselgangster an der Grenze hatte uns zwar gesagt, dass man in Guatemala so gut wie nirgendwo Pesos wechseln kann, aber für einmal dachten wir, wir fallen nicht auf diese Tricks rein. Da die Quetzales aber auch nicht ewig ausreichten und wir nicht überall mit Visa bezahlen können – und Maurus von Zancudos (Sandflöhen) aufgefressen wurde (weil er eben definitiv süsser ist als ich!), haben wir Guatemala nach nur drei Nächten bereits wieder mit vielfältigen Impressionen verlassen um nach El Salvador aufzubrechen. Nun stimmt also auch das Blogbild, auch wenn damit wohl eher der Erlöser gemeint ist. Und auch sonst können wir uns nicht beklagen und geniessen unsere Zeit mit Eddie, der momentan schön fährt und die leuchtenden Lämpchen ignorieren wir schön brav.

Ciao Adios Bye

Flavia

7. August 2011

Kurz zusammengefasst


Meine Lieben

Der letzte Blog ist ja schon 'ne Weile her und wir haben einiges erlebt, alles schon weit weit weg, aber ich versuch mich zu erinnern: Endlich war es soweit und unser Ford, Edition Eddie Bauer, war wieder auf Fordermann! Der Propeller des Kühlers wurde ausgewechselt (so dass er nun wie ein Rennauto tönt), genauso wie das Getriebesteuergerät und das Abgasrecyclingteil, zudem wurde das Getriebe gereinigt und ein neuer Filter eingebaut, die Bremslichter ersetzt und sonst noch ein paar Kleinigkeiten gemacht, die uns insgesamt wieder ein kleines Vermögen gekostet haben. Guten Mutes verliessen wir Puerto Escondido und fuhren nach Barra de la Cruz, einem kleinen Ort mit vielversprechenden Pointbreak Waves. Dort verbrachten wir zwei Nächte in einem sehr simplen Zimmer und gingen früh morgens mit nur wenig anderen Surfhungrigen ins Wasser, erfrischend. Im Laufe des Tages fanden doch einige Wellenreiter den Weg zu diesem abgeschiedenen Dörfchen. Weiter gingen wir nach Salina Cruz, wo uns weitere Strände mit Wellen auch für Anfänger erwarten sollten. Als erstes suchten wir Playa Ventosa auf. Da gab es aber leider weder Wellen noch ein schönes Restaurant, dafür sahen wir die Raffinerie aus direkter Nähe, die Salina Cruz viele Arbeitsplätze verschafft. Die Arbeiter dieser Raffinerie laufen in orangen Overalls rum und werden deshalb „Zanahorias“ genannt, Karotten! Über Umwege fanden wir dann Playa Azul und Playa Brasil. Bevor wir diese wunderschönen Strände jedoch geniessen konnten, halfen wir einer Familie aus dem Sumpf. Die sind mit ihrem Käfer nämlich stecken geblieben und versuchten bereits seit zwei Stunden aus dem Schlammassel zu kommen. Dank unserem 4x4 Low zogen wir die vier ruckzuck aus dem Dreck! Die Freude war gross, erholte sich aber schnell wieder, als wir bemerkten, dass der 4x4 Low-Modus nicht mehr rausging und das Getriebe demzufolge litt – unser Timing war zudem super: Freitagabend und alle Garagen zu. Im Schneckentempo fuhren wir nach Salina Cruz zurück und nisteten uns in einem der wenigen, aber gemütlichen Hotels ein. Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Taxi zur Playa Azul, die es uns besonders angetan hatte und wo wir dank dem Wind wohl auch hätten Kiten können. Weil sich Maurus aber eine hartnäckige Ohrenentzündung in Puerto Escondido geholt hatte, nahmen wir das Kite Material nicht mit, sondern erkundeten die Dündenlandschaft mit einem Quad (Vierradmotorrad) sowie den weitläufigen Strand.  Dort entdeckten wir viele tote Schildkröten. Die Locals meinten, diese werden von Schiffen angefahren und dann an Land gespült. Da diese Strände null touristisch sind, räumt auch niemand die Kadaver weg. Und von Hunden wurden wir verfolgt, die ihr Revier verteidigten. Was die Krebse nicht machten, die rannten alle ganz schnell in ihre Löcher, als sie uns anbrausen hörten. Das sah echt lustig aus, im Gegensatz zu den verwesenden Schildkrötenpanzer.

Am Montagmorgen fuhren wir als erstes in die Ford Garage und hatten innerhalb kürzester Zeit eine ganze Horde Mechaniker um unseren Ford rum, die spekulierten was der Arme wohl für eine Krankheit hat. Irgendwann wurden zwei Spezialisten bestellt: Vater und Sohn, die vertrauenswürdig erschienen und eine Ahnung hatten. Gemeinsam wurde entschieden, dass der Motor, der den 4x4 Modus steuert, ausgewechselt werden muss. Allerdings brauchte dieses Ding einen Tag, bis es von Mexico City nach Salina Cruz gebracht wird, genauso wie die Fensterknöpfe, die Francisco dann doch nicht organisieren konnte. In der Zwischenzeit suchten wir in Salina Curz einen Notar auf, der unsere Kaufpapiere nochmals verifizieren sollte. Von verschiedenen Seiten haben wir nun den Link erhalten, dass es wohl besser ist, noch einen amtlichen Stempel zu haben. Der Schwiegersohn des Notars, der in seinen jungen Jahren Bürgermeister von Salina Cruz war, wurde beauftragt uns zu unterhalten, während unsere Papiere ausgestellt wurden. So erfuhren wir ein bisschen mehr über das hiesige Leben, allerdings schien die Familie zu den reicheren dieser Gegend zu gehören und es gehört wohl zur Ausnahme ein Jahr in den USA studieren zu können und nur von 9.00 bis 16.00 Uhr zu arbeiten.

Neben vielen Moskitos (Maurus leidet mehr unter den Angriffen als ich, wohl weil er süsser ist!) plagten uns "Schuldgefühle": Wieso hatten wir den Wagen nicht besser kontrolliert beim Kauf? Anderseits tauchten die Probleme ja schön eins nach dem anderen auf und in der Garage in Cancún hatten die Tallers (Mechaniker) ja nur die defekten Bombinas erkannt und somit konnten wir uns also nicht wirklich was in die Schuhe schieben – abgesehen davon laufen wir sowieso nur in Flipflops rum, was die Angriffsfläche für Moskitos noch grösser werden lässt. 
Vielleicht hatten wir unserem Ford zu wenig Liebe gegeben? So entschlossen wir uns, ihn offiziell zu taufen: Wir suchten eine gemütliche Restaurantbar und einen passenden Namen: Eddie Sorpresito Power. Nach ein paar Bier und lecker Essen (wir sind mittlerweile Guacamole Spezialisten!) liessen wir uns zum Hotel chauffieren, wo ich dann feststellen musste, dass unsere gemeinsame Kasse fehlte: Ich hatte sie offensichtlich liegengelassen. Da wir uns bis anhin immer sehr sicher gefühlt hatten, war ich überzeugt, das schwarze Ding plus Inhalt (natürlich hatten wir an diesem Abend so viel Geld in dem Portemonnaie wie sonst nie) wiederzukriegen. Leider nein. Niemand hat’s gesehen. Pech gehabt und der Verlust verkraftbar, da es sich nur um reines Bargeld und keine Karten handelte.

Am nächsten Tag war Eddie Sorpresito Power ready to drive – abgesehen davon, dass nun der 4x4 Low trotzdem nicht mehr ging. Um dies zu reparieren, mussten wir zu einem Spezialisten in Tuxtla, was quasi auf dem Weg nach Guatemala war, was schon seit längerem unser Ziel war. Abends kamen wir da an, verschafften uns ein Bild dieser lebhaften Stadt und gingen am nächsten Morgen früh in die Ford Garage. Da liessen wir Eddie mal wieder alleine und gingen frühstücken während die Mechaniker eine Diagnose machten, leider aber keine konkreten Probleme fanden. Langsam hatten wir die Nase voll, denn eigentlich wollten wir an inspirierenden Orten sein und was erleben, nicht in Ford Garagen rumhängen. San Cristobal de las Casas schien der richtige Platz zu sein und noch am selben Tag erreichbar. Ich war begeistert: Eine echt charmante Stadt mit vielen kleinen Cafés und Märkten sowie traditionelle Frauen und Kinder, die auf der Strasse ihre kleinen Kunstwerke verkauften – was einerseits interessant war, anderseits aber auch ein grosser Gegensatz zu den oft wohlhabend geführten Restaurants und Shops. Wir verbrachten einen abwechslungsreichen Nachmittag und Abend in dieser bezaubernden Stadt wodurch wir für die Weiterreise nach Guatemala am nächsten Tag gewappnet waren. Da sind wir vorvorgestern wohlauf angekommen und checken grad Antigua aus. Die Frage ist, wie lange noch, denn keiner der cajeras will uns Geld geben und wohl bemerkt, gemeinsam haben Maurus und ich neun verschiedene Kredit- und EC-Karten.

Ciao adios bye

Flavia