Meine Lieben
Da freut man sich ewig auf die bevorstehende Reise, zählt Wochen, Tage, irgendwann Stunden und zack ist man mittendrin, geniesst das Unbekannte. Bald schon gewöhnt man sich daran unterwegs zu sein, verwöhnt jeden Tag so zu nehmen wie er kommt, vergisst den Wochentag. Bis ein paar Tage vor Abreise und dann holt einem die Realität ein, aber so richtig. Mich zumindest. Nun bin ich schon seit vier Nächten alleine, nach La Paz nun in Copacabana am Titicacasee. Und genauso lustig wie der Name tönt, ist dieser See wunderschön, höchstgelegen auf 3800 Höhenmeter. Hatte seither schon ein paar nette Gespräche bei Zmorgen, Zmittag, Znacht, aber noch kein Sputnik kennen gelernt. Gut Ding will Weile haben!
Mittlerweile bin ich zum Glück wieder fähig, zusammengefasst und ehrlich von den vergangenen Wochen zu berichten, ohne vor lauer Sehnsucht in meinem Tränenmeer zu ertrinken: Wie bereits erwähnt, waren wir in der faszinierenden Küstenwüste im Norden von Peru unterwegs und sind zwischen verschiedenen Orten gependelt. Unsere erste Nacht verbrachten wir in Mancora. Das ist ein Touristensurferpartyort mit einer Vielfalt an leckeren Restaurants. Die Wellen sind da insbesondere auch für Anfänger wie mich ideal. Einziger Hacken: Das Wasser ist arschkalt! Ok, gegen den Gefriertod kann man was machen und einen Anzug tragen. Wir hatten aber leider nur Shorties dabei. Und der einzige Wetsuit, der mir passte, roch so erbärmlich nach Ponyhof und Popcorn, dass ich ihn nur einmal trug, in Lobitos. Just an dem Nachmittag, an dem wir Luca und Alex trafen. Diese Geschichte muss ich nun kurz erläutern: Jason, ein Unic-Kollege, hat mir von seinem Freund Luca geschrieben, der in Bogotà wohnt und den wir für Fragen gerne anschreiben dürfen. Es stellte sich allerdings heraus, dass Luca grad nicht in Bogotà weilte, sondern im Norden von Peru. Ich wollte mich wieder bei ihm melden, sobald wir ebenfalls da angekommen sind. Bevor ich dies jedoch tat, trafen wir zufällig aufeinander: Ich stand leicht frustriert auf einem kleinen Felsvorsprung, kuckte auf die Wellen, fühlte das kalte Wasser an den Füssen, konnte nicht atmen und überlegte, ob ich nun ins Wasser soll oder nicht. Die beiden kuckten ebenfalls den Surfern zu, waren selbst aber bereits im Wasser und hatten ihren Spass. Ahnungslos plauderten wir miteinander und als ich von Maurus und meiner Reiserroute erzählte, meinte Luca: „Ah, tu eres la chica de Jason?“. Yes, I am! Wir verabredeten uns für den nächsten Abend, an dem wir entschieden, alle zusammen zurück nach Mancora zu fahren. So kam auch ich nochmals ins Wasser, aber zum letzten Mal, es war mir einfach zu kalt. Sowieso war es Zeit, uns um das Verkaufen von Eddie zu kümmern. Das stellte sich nämlich schwieriger raus als gedacht: Es gibt da so ein Gesetz, das besagt, dass keine Autos in Peru importiert werden können, die älter sind als fünf Jahre und Eddie hat bereits seinen neunten Geburi gefeiert. Wir machten trotzdem eine Annonce im Internet und schrieben ein paar $-Zeichen in den Staub der Heckscheibe. Diese wurden von Kids überall auf Eddie multipliziert, während ich mir im Spital von Mancora die Ohren spülen liess. Nun höre ich wieder alles. Auch die vielen Anrufe, die wir zurück in Lobitos von den vielen Interessenten erhalten haben. Wir vertrösteten alle auf später, weil wir erstmals Lobitos für ein paar weitere Tage geniessen wollten. Diesmal nächtigten wir bei Nacho. Bei ihm waren wir bereits bei unserem ersten Aufenthalt zum Pizza essen vorbei gegangen, auf Empfehlung von Thoeme. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Dich für all seine Tipps! Die Vibes in Nacho’s Hostal sind einzigartig. Die Infrastuktur hingegen gar nicht, insbesondere die der Toiletten. In Lobitos ist dies aber auch nicht weiter erstaunlich, denn es ist total abgelegen und beherbergt gar eine Geisterstadt. Zu tun gibt es da aber abgesehen vom Surfen und Kiten nicht wirklich viel und so habe ich mich dem Lesen gewidmet und selbstverständlich Facebook (wenn das Internet funktionierte) und Mirjam aus Venezuela, deren Freund Pedro mit Maurus in aller Herrgottsfrühe ins Wasser sprang – während wir seelenruhig weiterschliefen. Natürlich habe ich zwischendurch gemötzelt weil ich mich ehrlicherweise manchmal langweilte und dachte, ich verpasse was - obwohl ich alle Highlights in Peru bereits vor ziemlich genau zehn Jahren während drei Wochen bereist habe und ich nun somit eine andere Seite des Landes erlebte. Jajaja, jawohl, die Sonne scheint nicht immer, auch auf Reisen nicht. Da ist man an neuen Orten, fernab von zu Hause und sollte glücklich sein, meinte ich. Zu verwöhnt und gewöhnt zu kriegen was man will, wenn man’s dann weiss. Schlussendlich wussten Maurus und ich von Anfang an, dass wir Kompromisse eingehen werden, beide taten wir es – ich mehr als er und er wird das Gegenteil behaupten, hahaha. Alles ist ein Prozess und wenn ich zurück blicke, sehe ich fünf intensive, gemeinsame Monate, die wir insgesamt lachend miteinander erlebt haben. Ich glaube, wir sind aneinander gewachsen - und zusammen weitergezogen, mitten durch die Pampa. Eigentlich dachte ich ja immer, Pampa ist ein schweizerdeutsches Wort für Pampa, nun habe ich aber realisiert, dass Pampa das spanische Wort für Pampa ist. Und da gibt es tatsächlich nichts - nichts als Sand, der über die Strasse weht.
In Chiclayo wartete Louis auf uns, ein knapp 20-jähriger Student, der sich auf den ersten Blick in Eddie verliebte (ist ja auch ein Hübscher und der Türcode bringt alle um den Verstand!). Er verbrachte wohl einige schlaflose Nächte um herauszufinden, wie er Eddie nun doch legal legalisieren könnte. Auch wir machten nochmals einen Effort und stellten uns dumm auf dem Ministerio del Transporte in Piura, kamen leider aber nicht weiter. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und das tat sie: Der Angestellte im Hotel in Pacasmayo war ebenso interessiert, Eddie zu einem Schnäppchenpreis zu kaufen und rief seinen Cousin auf dem Verkehrsamt an. Dieser bestätigte ihm, dass man auch mit viel Ceviche nichts bewirken kann. Ceviche ist eigentlich ein typisches, rohes Fischgericht aus Peru, mit Limetten und Zwiebeln, lecker, vor allem mit Crevetten. Wir verwendeten es aber auch als Codewort für Schmiergeld. Als wir kürzlich angehalten wurden, weil wir ausnahmsweise kurz ohne Licht fuhren - wohlgemerkt bei Tageslicht - verzichtete der Polizist auf eine Busse, wollte dafür aber Geld um mit seinen Kollegen Ceviche essen zu gehen. Der Cousin meinte, in Lima können wir es versuchen, da seien die Chancen am höchsten. Wir entschlossen uns dagegen, denn ein sympathischer und äusserst charismatischer Interessent ist uns im Kopf geblieben: Nacho. Er hat uns schon bei unserem ersten Treffen sein Angebot unterbreitet. Allerdings dachten wir damals noch, dass wir es bestimmt schaffen werden, unsere Reise nicht ganz so teuer werden zu lassen. Als der Eddie-Deal klar war und wir den „Verlust“ verdaut hatten, genossen wir die letzen Tage in Pacasmayo, was ein kleines herziges Städtchen ist und Maurus nochmals ein paar richtig gute Surf- und Kite-Sessions in den Wellen schenkte. Ich schlief derweil aus und frühstückte ausgiebig. Neben Pacasmayo befindet sich die archäologische Stätte „Dos Cabezas“. Diese Pyramiden besuchten wir eines Nachmittags, bei wildem Wind und waren nicht sonderlich fasziniert. Wohl fehlten uns ein paar Informationen darüber, aber da war niemand, der sie uns hätte geben können. Pacasmayo ist auch ein guter Ausgangspunkt um an den Represa Gallito Ciego zu kommen. Das ist ein Stausee, der immer Wind bietet, egal bei welchem Wetter. Ohne Wellen, so dass auch ich hätte kiten können. Aber die Sonne schien nicht und so hielt ich es wie beim Snowboarden: Wenn es nicht warm ist, bleibe ich lieber im Schermen und geniesse die Landschaft und die Ziegen, welche durch Maurus hervorragend nachgeahmt wurden. Da es in dieser Gegend keine Übernachtungsmöglichkeiten gab, fuhren wir nach Pacasmayo zurück und liessen den Tag mit Eric, Theresa and Phil ausklingen, wie schon am Abend zuvor.
In Chiclayo wartete Louis auf uns, ein knapp 20-jähriger Student, der sich auf den ersten Blick in Eddie verliebte (ist ja auch ein Hübscher und der Türcode bringt alle um den Verstand!). Er verbrachte wohl einige schlaflose Nächte um herauszufinden, wie er Eddie nun doch legal legalisieren könnte. Auch wir machten nochmals einen Effort und stellten uns dumm auf dem Ministerio del Transporte in Piura, kamen leider aber nicht weiter. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und das tat sie: Der Angestellte im Hotel in Pacasmayo war ebenso interessiert, Eddie zu einem Schnäppchenpreis zu kaufen und rief seinen Cousin auf dem Verkehrsamt an. Dieser bestätigte ihm, dass man auch mit viel Ceviche nichts bewirken kann. Ceviche ist eigentlich ein typisches, rohes Fischgericht aus Peru, mit Limetten und Zwiebeln, lecker, vor allem mit Crevetten. Wir verwendeten es aber auch als Codewort für Schmiergeld. Als wir kürzlich angehalten wurden, weil wir ausnahmsweise kurz ohne Licht fuhren - wohlgemerkt bei Tageslicht - verzichtete der Polizist auf eine Busse, wollte dafür aber Geld um mit seinen Kollegen Ceviche essen zu gehen. Der Cousin meinte, in Lima können wir es versuchen, da seien die Chancen am höchsten. Wir entschlossen uns dagegen, denn ein sympathischer und äusserst charismatischer Interessent ist uns im Kopf geblieben: Nacho. Er hat uns schon bei unserem ersten Treffen sein Angebot unterbreitet. Allerdings dachten wir damals noch, dass wir es bestimmt schaffen werden, unsere Reise nicht ganz so teuer werden zu lassen. Als der Eddie-Deal klar war und wir den „Verlust“ verdaut hatten, genossen wir die letzen Tage in Pacasmayo, was ein kleines herziges Städtchen ist und Maurus nochmals ein paar richtig gute Surf- und Kite-Sessions in den Wellen schenkte. Ich schlief derweil aus und frühstückte ausgiebig. Neben Pacasmayo befindet sich die archäologische Stätte „Dos Cabezas“. Diese Pyramiden besuchten wir eines Nachmittags, bei wildem Wind und waren nicht sonderlich fasziniert. Wohl fehlten uns ein paar Informationen darüber, aber da war niemand, der sie uns hätte geben können. Pacasmayo ist auch ein guter Ausgangspunkt um an den Represa Gallito Ciego zu kommen. Das ist ein Stausee, der immer Wind bietet, egal bei welchem Wetter. Ohne Wellen, so dass auch ich hätte kiten können. Aber die Sonne schien nicht und so hielt ich es wie beim Snowboarden: Wenn es nicht warm ist, bleibe ich lieber im Schermen und geniesse die Landschaft und die Ziegen, welche durch Maurus hervorragend nachgeahmt wurden. Da es in dieser Gegend keine Übernachtungsmöglichkeiten gab, fuhren wir nach Pacasmayo zurück und liessen den Tag mit Eric, Theresa and Phil ausklingen, wie schon am Abend zuvor.
Bevor wir wieder nach Lobitos zu Nacho fuhren, machten wir einen letzten Ausflug weiter in den Süden nach Huanchao. Das ist ein kleiner, hübscher Ort am Meer, bekannt für seine Schilfboote, die sogenannten Caballitos de Totora. Das sind eigentlich die ersten Standup Paddel Boards überhaupt und eine über 2500 Jahre alte Tradition. Da wir den Nachmittag in Chan Chan verbrachten, einer geschichtträchtigen Lehmstadt, und dort von Peruanern mit Begeisterung fotografiert wurden (ich dachte eigentlich, das passiert nur in Borobudur und Prambanan), kamen wir leider zu spät an um die Boote zu testen. Der fantastische Sonnenuntergang entschädigte uns und wir fuhren zufrieden nach Pacasmayo zurück.
Ein bisschen traurig waren wir schon, als wir nach zwei weiteren Tagen in Lobitos – die ich ohne Mötzeln genoss - den Schlüssel an Nacho übergaben. Sein Lachen und seine Freude bestätigten uns definitiv das Richtige getan zu haben: Eddie ist in guten Händen! Wir hoffen nun, dass er dies auch zu schätzen weiss und sich anständig benimmt, wir wollen schliesslich keine Reklamationen.
Mit dem Luxus-Nachtbus, in dem man auf fast 180° schlafen könnte, haben wir die 16-stündige Fahrt nach Lima überwältigt. Nachdem wir uns einen ersten unspektakulären Eindruck von Lima gemacht haben, feierten wir am Abend das Wiedersehen mit Fabiola, Will, Alex und viel Pisco Sour, dem schmackhaften Nationalgetränk. Dementsprechend verpeilt, verbrachten wir unseren letzten gemeinsamen Tag in Lima mit Flanieren, bisserl Shopping, Packen und einem letzten gemeinsamen Abendessen.
Nach nur drei Stunden Schlaf machten wir uns auf den Weg zum Flughafen. Maurus Flug wurde unglaublicherweise von 12.00 auf 7.30 Uhr verschoben. Wer tut denn so was?! Und das war dann eben der Zeitpunkt, an dem mich die bittere Realität brutal einholte. Wobei so schlecht ist die nun auch wieder nicht: Ich sitze in einem Restaurant mit Blick auf den Titicacasee, der übrigens aussieht wie’s Meer weil er so riesig ist, beobachte den Sonnenuntergang und trinke ein Bier. Proscht auf meine Weiterreise!
Ciao Adios Bye
Flavia