Meine Lieben
Trekking auf Gunung Rinjani war atemberaubend, in jeglicher Hinsicht!
Man erinnere sich, die Tour habe ich im Halbschlaf gebucht und mich danach auch nicht mehr wirklich damit auseinandergesetzt. Auch die warnenden Worte von Beth, ignorierte ich brav. Ich bin doch eine Bergziege, das hat mir zumindest der Guru in Marakesch erzählt. Und so packte ich meinen kleinen Rucksack nur mit dem nötigsten – viel Warmes habe ich ja eh nicht dabei.
Um 5.00 Uhr wurde ich abgeholt und nach Senaru gefahren, wo wir auf 650 Metern unsere Wanderung starteten. Zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht bewusst, dass wir an diesem Tag 2000 Höhenmeter trekken werden und ich machte voller Elan die grössten Schrittherausforderungen. Unsere Porter liefen ja auch mit Flipflops den Berg hoch, so konnte der Ausflug nicht so wild werden, oder? Zudem sind die Jungs zusätzlich mit Bambusstangen auf den Schultern beladen, an deren Enden sicher 20 Kilo Ware befestigt sind – viel Essen und die Zelte sowie dünne Matten und Schlafsäcken. Ja, ich hatte ein schlechtes Gewissen, war aber schlussendlich froh drum. Denn irgendwann begann ich zu begreifen, dass mir wohl drei herausfordernde Tage bevor standen und ich mit meinen Trekking Sandalen und meiner unfunktionellen Kapuzenjacke nicht optimal ausgerüstet bin. Erschöpft erreichten wir am späteren Nachmittag den dem Gipfel von Plawangan, wo die Porter bereits mit dem Aufbau unserer Zelte beschäftigt waren, und auch das Feuer war schon am lodern. Ein fantastischer Sonnenuntergang über den Wolken erwartete uns! Kaum war die Sonne weg, wurde es zuerst frisch und dann arschkalt. Und auch das Abendessen half wenig, den Körper aufzuwärmen. Zudem wurde uns hier kein Unterhaltungsprogramm geboten wie auf der Dschungeltour auf Bukit Lawang. So kroch ich auf Wärme hoffend wie alle anderen bereits um 19.30 Uhr in mein Zelt. Zum Glück war ich todmüde, denn sonst hätte ich wohl auf dem harten Boden und in der Eiskälte kein Auge zugetan.
Gunung Rinjani ist übrigens ein riesiger Vulkan, der schon lange nicht mehr aktiv ist. In seinem Krater befinden sich ein kleiner aktiver Vulkan und ein grosser Bergsee auf 2000 Höhenmeter. Zu diesem liefen wir am nächsten Morgen nach Sonnenaufgang und erfrischten uns bevor wir ein Bad in den heissen Quellen genossen. Dann ging’s tapfer weiter zum Gipfel Sembalun auf 2639 Höhenmeter, wo sich unser zweites Nachtlager befand. Ich glaube, ich habe noch nie einen so schönen Sternenhimmel gesehen! Aber keine einzige Sternschnuppe – wahrscheinlich bin ich dazu berufen, mir meine Wünsche selbst zu erfüllen. Morgens um 2.30 Uhr sind wir bereits wieder aufgestanden - zum Glück, ich konnte eh nicht schlafen - um den Gipfel des Gunung Rinjanis auf 3726 Höhenmetern pünktlich zum Sonnenaufgang zu erreichen. Das war echt hart! Denn der Weg da hoch war aus Sand und Steinen und somit rutschte man bei jedem Schritt mindestens wieder einen halben zurück. Und die Anstrengung reichte nicht aus um mich zu wärmen. Irgendwann spürte ich meine Hände nicht mehr und ich verfluchte mich, diese Tour gebucht zu haben resp. meine Art, Überraschungen zu mögen und einfach alles auf mich zukommen zu lassen ohne mich vorzubereiten. Auf dem Gipfel angekommen, war jedoch alles vergessen: Der Sonnenaufgang tauchte die ganze Umgebung in ein Meer von Eindrücken, unbeschreiblich. Das Aufwachen der eindrücklichen Landschaft zu sehen war einfach fantastisch! Und mit dem Licht kam endlich auch die Wärme, so war dann auch das Runterlaufen wieder menschlich. Nach dem reichhaltigen Frühstück machten wir uns auf den Heimweg, der wiederum acht Stunden beanspruchte. Wir, das waren unterschiedlichste Leute, von denen ich ein Stück Leben erfuhr, jedoch niemand an den ich mich „gebunden“ habe. Und so machte ich mich alleine auf den Weg zu den Gili Islands, wohin mich ein Spinnen-Schiff fuhr, da ich die letzte Fähre verpasst hatte. Diese Schiffe heissen wohl nicht offiziell so, aber ich finde, sie sehen aus wie Spinnen mit nur vier Beinen, die durch ein Holzmast verbunden sind. Diese Beine dienen zur Balance weil die Schiffe so dünn sind und ohne die Stützbeine im Wasser kippen würden. Eine echt lustige Konstruktion!
Spätabends kam ich auf Gili Trawangan an und suchte mir ein Hostel. Einziges Kriterium: Hot Water! Ich wollte einfach nur noch heiss duschen und mich vom Dreck der letzten Tage befreien. Schnell ward ich fündig und nistete mich in der Suite von Edy’s Homestay ein. Solch ein schönes Badezimmer hatte ich auf meiner Reise noch nicht! Als ich mein Gesicht unter den sanften Duschstrahl hielt, war ich erstaunt, das Wasser schmeckte salzig. Es dauerte ein paar Sekunden bis ich realisierte, dass dies nicht mein runterlaufender Schweiss ist, sondern Meerwasser, das aus der Brause kommt.
Erfrischt ging ich zur Hauptstrasse am Strand, wo übrigens nur Velos und Kutschen unterwegs sind. Die ganze Insel ist motorfrei, echt relaxt. Und an dieser Hauptstrasse gibt’s unzählige Restaurants, eins leckerer als das andere. Da bleibe ich eine Weile! And it’s definitely party time!
Ciao adios bye
Flavia
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