Meine Lieben
Ich sitze im lecker duftenden Restaurant unseres Bungalows im Schatten an meinem weissen Mac (danke Maurus!), geniesse einen grünen Apfelsaft und die Luft des Ventilators. Meinen Hitzespeicher habe ich bereits vorhin beim Frühstück sowie unter dem bunten Schirm am Strand aufgefüllt (wo Claudia noch immer liegt) und es ist Zeit für eine Pause, denn es ist Mittag und die Sonne steht am höchsten Punkt und ich habe bereits einen mächtigen Sonnenbrand, der schmerzt... so dass unsere ursprünglich geplante Kajaktour zur grossen Pulau Perhentian ins Wasser fällt.
Nun aber von vorne: Vor drei Nächten sind wir auf der kleinen Pulau Perhentian angekommen, einer wunderschönen Insel, die betreffend Infrastruktur und Touristen eher noch in den Anfängen steckt, was auch gut ist so. Um unser schönes Bungalow beim Rock Garden (der eigentlich gar nicht rockt) zu finden, gelegen auf einer kleiner Erhöhung am Longbeach, brauchten wir bisserl Zeit resp. wir haben uns einige Backpacker Guesthouses angekuckt, von denen wir dachten „no way“! Sind halt eben doch verwöhnte Stadtmädels und wenn wir dann Materatzen sehen, die schon von weitem ecklig riechen und die Aussicht auf ein Lacken nicht vorhanden ist (ich hätte da zwar das Geburigeschenk meiner Mama dabei, einen Seidenschlafsack, aber der ist nur für eine Person), stehen uns gleich die Haare zu Berge. So haben wir uns einmal mehr für die teurere Variante entschieden, mit eigenem Bad. Und diese Badezimmer sind nennenswert, denn WC und Dusche ist alles eins. Also man kann da massiv Zeit sparen weil man gleichzeitig sein Geschäft machen plus duschen kann. Dafür ist immer alles nass und voller Sand, aber sooo pingelig sind wir dann auch nicht – und bekanntlich hatten Claudia und ich in unserer Wohnung an der Kochstrasse und Kanonengasse auch keinen Putzfimmel.
Den ersten Nachmittag haben wir am Strand verbracht, wo ich mein 570-Seiten-Buch zu Ende las: „Musik der Wale“. Hauptfigur ist Dolores Price und ihr Name ist Geschichte – welche mich nicht verändert hat, aber durchaus unterhalten. Eben dieses Buch habe ich dann gestern gegen Aufpreis umgetauscht gegen „Ich hab dich im Gefühl“ wofür ich mich einzig wegen den schönen Schmetterlingen auf dem Umschlag entschieden habe.
Auch hier werden in allen Restaurants und Shops Schnorkel-Touren angeboten und dieses Mal mit Garantie, Schildkröten zu sehen. So buchten wir und freuten uns am nächsten Morgen nach reichhaltigem Frühstück (endlich haben wir viel Zeit dafür!) auf das Abendteuer, denn die Fahrt ging auf einem Schnellboot los, was vorne (und da sassen wir!) jeweils mächtig auf das Wasser krachte, wenn der Guide Gas gab. Wenn die jungen Taxi-Jungs alleine auf dem Boot sind, beschleunigen sie diese übrigens so sehr, dass das Boot fast senkrecht im Wasser steht, was uns natürlich zum Kreischen verleitet und dann schreien sie: „I love you!“. Zurück zur Tour, auf welcher uns definitiv viel geboten wurde, neben den Turtels sahen wir nämlich tatsächlich Haie! Natürlich nicht die weissen, aber doch immerhin solche, die knapp über einen Meter gross waren und ungefährlich, heissen tun sie Black Tip, meint Claudia. Sie kriegte trotzdem Schiss und klammerte sich unter Wasser an mir fest. Dafür sah sie dann auch den riesigen Rochen, den ich wohl ohne ihren Hinweis verpasst hätte. Claudia hat Gordons Unterwassercam dabei, womit wir nun Beiweismittel haben, ganz viele sogar. Das Mittagessen nahmen wir im Fischerdorf bei der Grossmama des Guides zu uns. Dieser ist wahrscheinlich noch nicht volljährig, auf der Insel aufgewachsen und arbeitet zusätzlich im Shop der Familie. Genauso wie seine kleinen Geschwister, die wir nach dem Essen auch kennen lernten: Kaum waren wir wieder im Boot, stand da ein übergewichtiger Junge mit einer neongrünen Echse mitten am Bauch an seinem weissen Shirt (von der wir zuerst nicht wussten, ob sie tatsächlich echt war), der jämmerlich weinte und unseren Guide anflehte. Es stellte sich heraus, dass er mit kommen wollte, die Mama dies jedoch verbot. Nachdem insbesondere alle Girls auf dem Boot mitwimmerten, durfte er doch einsteigen, genauso wie die kleine Schwester. Wir haben uns natürlich gewundert, wo diese Kids zur Schule gehen - ein bisschen Englisch können auf jeden Fall alle und Freundlichkeit lernt man ja nicht in der Schule, von dieser sind wir nämlich überwältigt. Was sie aber nicht wissen und somit auch nicht an die Touristen weitergeben können ist, dass man bei Korallenriffen nicht abstehen darf und auch nichts anfassen soll – auch nicht die Panzer der Schildkröten. So konnten wir leider einige Unwissende (oder Ignoranten) beobachten, die mit ihren Flossen auf den Anemonen tanzten und sich voller Stolz tolle Muscheln fischten. Aber auch Claudia und ich sind nicht unfehlbar, wenigstens betrafen die Konsequenten nur uns: Kaum waren wir mit dem Neuseeländer- und Franzosenpaar sowie den Brüdern aus Kuala Lumpur (die gestern mit dem Auto zurück fuhren und wir hätten mitgehen können, wenn wir auch dann abgereist wären) auf das Boot gestiegen, dachten wir: „Shit, vielleicht wäre ein Shirt nicht das Dümmste gewesen!“ Aber nein, wir trugen unsere Beach-Kleidchen. Nun ja, wie vorhersehbar, waren unsere Rücken und Popochen am Ende der 6-stündigen Tour knall rot. Anfänger!! Als wir unserem Guide am Ende ein Trinkgeld geben wollten, weil wir die Tour und seine Begleitung echt gelungen fanden, war ihm das peinlich und er wollte dies nicht annehmen, was uns dann wiederum in Verlegenheit brachte. An manchen Orten (insbesondere in Thailand) betteln sie darum und an anderen nehmen sie’s nicht an. Funny world.
Gestern sah unser Haut-Malheur zum Glück auch schon wieder besser aus und zudem war der Himmel noch immer bewölkt – bereits am Abend zuvor wütete ein Sturm, der die ganze Internetverbindung zum Stillstehen brachte, teils auch die Elektrizität, im Rock Garden blieben wir jedoch verschont. Und so nahmen wir unser Frühstück ohne Schweissperlen ein und entschieden uns, ein bisschen an den Strand zu liegen, natürlich auf dem Rücken um unsere roten Hintern zu schonen. Peng, schliefen wir ein und erwachten wohl erst zwei Stunden später so richtig. Das Ausmass der Verbrennung wurde uns aber erst später bewusst und insbesondere ich bin nun so rot wie eine Tomate, von oben bis unten, so dass keine Hoffnungen bestehen, dass dies jemals braun wird. Claudia kriegte sich auf jeden Fall fast nicht mehr ein, als sie mich in blossen Unterhöschen mit den weissen Brüsten und Sonnenbrillenabdruck sah. Nachdem wir den Rest unserer Aprés-Soleil-Creme verbraucht haben, entschieden wir uns, den Sonnenuntergang auf der anderen Seite der Insel anzukucken, am Coral Bay. Der Weg dahin führt durch den Wald, an vielen Baracken vorbei. Allgemein merkt man hier, dass wir auf einer Insel sind und Dinge halt einfach aus dem gebaut werden, was vorhanden ist. So sieht vieles sehr improvisiert und leider oft auch ungepflegt aus. Süss war dafür der kleine malaysische Junge am Strand, der sein selbstgebautes Styroporboot im Meer fuhr. Hier auf dieser Insel machen nämlich auch viele Malaysier Wochenendtrips und Ferien (oft in Gruppen), spielen Volleyball und schnorkeln (allerdings mit Schwimmweste). Aber ich komm von der Geschichte ab... Kaum drüben am Coral Bay angekommen, zogen sich die Wolken noch mehr zusammen und leider sahen wir somit nicht den gewünschten Sonnenuntergang, fanden dafür das beste Restaurant der Insel, wo wir dann Glenn kennen lernten. Glenn ist eine 60jährige Schwedin, die aussieht wie 50 (und auch für das noch verdammt gut!) und mit 25 nach Kalifornien ausgewandert ist. Nun hat sie aber kein Bock mehr auf Grossstädte und kalte Winter und sucht auf ihrer 7-monatigen Reise nach dem Ort, an dem sie alt werden möchte. Mit im Schlepptau hat sie ihre 21jährige Tochter, die in der Regel nicht weiss, wo auf der Karte sie gerade sind und vor allem Party im Kopf hat und sie sich nervt, dafür bezahlen zu müssen, verständlicherweise. Es liesse sich noch einiges mehr über Glenn berichten, da sie uns ihr Leben erläutert hat, aber das würde den Rahmen sprengen. Einzig noch das Rezept für ewige Jugend und Schönheit: Nicht Rauchen, kein Fleisch essen, viel Yoga und Bewegung und kein Alkohol und viel Schlaf – und wie Claudia und ich nach ihren Gutenachtgrüssen noch hinzufügten: Nicht arbeiten. Denn wir beide haben den Eindruck erhalten, dass Glenn ziemlich reich verheiratet war. Im Dunkeln liefen wir den Weg durch den Wald zurück, was gar nicht so gespenstisch war wie wir uns das vorstellten. Der Mond leuchtete ausreichend und wenn man von Beginn die richtige Route wählt, ist diese ziemlich gut gebaut.
Unser Bungalow hat übrigens eine riesige Fensterfront ohne Abdunklungsmöglichkeit und somit werden wir jeden Morgen durch die Sonne geweckt. Da wir die vergangenen Tage viel geschlafen haben, waren wir heute Morgen genug fit, frühzeitig aufzustehen und uns das Spektakel des Sonnenaufgangs anzusehen: Unbeschreiblich schön, inspirierend und beruhigend. Eigentlich schade, geht es heute bereits wieder weiter. Aber die Orange Utans auf Sumatra, Indonesien, genaugenommen in Bukit Lawang warten auf uns. Wie wir da genau hinkommen, ist noch nicht klar, wahrscheinlich per Flugzeug ab Kuala Lumpur (wohin wir heute Abend mit dem Nachbus fahren), denn Claudia hat mit ihren super Orientierungssinn auf der Karte was falsches im Kopf behalten und ich hab’s nie kontrolliert. Aber was soll’s, wir sind ja flexibel und uns bleibt - nur noch oder immer noch, je nach dem ob das Glas halb voll oder leer ist - eine gemeinsame Woche und allzu lange halten wir City-Chicks den Dschungel eh nicht aus. Laut meinem Reiseführer kann uns da nämlich alles passieren: Tsunami, Erdbeben und Vulkanausbrüche. Claudia lies gerade „Der Schwarm“ und ist somit natürlich sensibilisiert - und für mich ein Grund, das Buch erst nächstes Jahr zu lesen, wenn ich wieder in der sicheren Schweiz bin, wo ich höchstens vom Auto überfahren werden kann – aber auch nur im Tessin.
Mein Apfelsaft ist unterdessen alle und ich werde nun Claudia am Beach abholen um schon wieder essen zu gehen, wir wollen für die bevorstehende lange Reise schliesslich gestärkt sein (wir stehen zur Zeit total auf French Fries, Banausen)! Und wenn wir schon wieder beim Essen und Restaurants sind: Hier wird mit den Händen gegessen, vor allem die Männer. Und bezahlen tut man in der Hütte drin, oft bei der Hausmamma mit Kopftuch, beim Cashier-Fenster. Dadurch kann man in die Hütte reinschauen und da sieht man oft ganze Familien in der Frische eines Ventilators am Boden schlafen, die wohnen alle auf engstem Raum zusammen und süsse kleine Kinder kucken einem lachend mit ihren Kulleraugen an. Muss man dann im Restaurant mal für kleine Mädchen, dann geht man ins Badezimmer der Familie (oder Sippschaft), auch wieder WC und Dusche in einem und überall liegen Zahnbürsten und Duschgels. Sympathisch, abgesehen davon, dass Klopapier niergends vorhanden ist.
Ciao adios bye
Flavia
PS: Da gestern die Blogger-Site down war, ist auch dieser Blog-Post nicht real-time sondern Sonne von gestern!
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