18. Mai 2011

Bukit Lawang


Meine Lieben

Seit dem letzten Update sind noch gar nicht so viele Tage vergangen, aber es erscheint mir wie eine Ewigkeit, denn wir sind in eine komplett neue Welt eingetaucht, in den Dschungel! Die Reise bis nach Medan war unspektakulär, obwohl es durchaus ein paar lustige Episoden gab. Lonely Planet hat uns ja vor diesem Ort gewarnt, aber wir waren trotzdem nachhaltig geschockt und wie Claudia treffend formulierte, parallelisiert. Mittlerweile ist der unschöne Transit-Aufenthalt jedoch verziehen, beinahe schon vergessen und wir wurden für die Strapazen mehr als belohnt und deshalb verzichte ich auf eine detaillierte Ausführung dieser Negativ-Erfahrung und konzentriere mich auf die schöne Seite des Lebens.

Irgendwann stieg nämlich Tambrin in unseren Minibus (habe ich mich tatsächlich beklagt betreffend vollem Bus von Koh Phi Phi nach Pulau Perhentian? Ha, das war gar nichts!!), der uns von Medan nach Bukit Lawang brachte, und begrüsste uns lachend mit „Welcome to Sumatra“. Bald stellte sich auch heraus warum: Tambrin zeigte uns nach ein paar Minuten small talking sein recommondation book als Dschungel Guide im Taman Nasional Gunung Leuser (Nationalpark). Nach anfänglicher Skepsis waren wir froh, führte er uns zu einem freundlichen Guesthouse, was natürlich seinem Cousin gehört. Das letzte Stück Weg dahin legten wir mit einer Seitenwagen-Rikscha zurück. Hier gibt es nämlich weder Tuktuks noch Longtailboat-Taxis noch Rikschas noch Schnellboot-Taxis sondern Seitenwagen-Rikschas, mit Motor- oder Fahrradantrieb. Das ist wie ich packe in meinen Rucksack, ja? Und genau das mussten Claudia und ich für unsere zweitägige Dschungeltour tun. Bevor wir jedoch am nächsten Morgen aufbrachen, liessen wir den Abend bei unserem ersten Indonesischen Nachtessen ausklingen und waren restlos begeistert (insbesondere auch vom Passionfruit-Juice!): Das Guesthouse war grün umzingelt und wir konnten zum belebten Fluss Songai Bohorok und zur grossen Hängebrücke sehen. Das Restaurant ist auch bei Locals sehr beliebt, insbesondere bei Männern. Sie kommen abends dahin und spielen Gitarre, singen dazu lauthals mehr oder weniger bekannte Songs,  und trinken natürlich Bier. Viele sprechen gut Deutsch und Englisch sowieso. Einer der Jungs hat sogar neun Jahre in Zürich im Restaurant Singapore (soll gut sein!) gearbeitet und kann nach wie vor „huere geil“ sagen. Ich war natürlich entzückt, auch wenn dieser Ausdruck nicht zu meinen Lieblingsworten gehört. Irgendwann schwappte die freundliche Aufmerksamkeit jedoch in subtile Anmache über und es war Zeit schlafen zu gehen.

Am nächsten Morgen wurden wir durch Kindergeschrei geweckt, denn das Ufer des Flusses scheint ein zentraler Treffpunkt für jung und alt zu sein. Nach einem leckeren Frühstück ging sie dann endlich los, unsere Dschungel-Tour! Mit Zoe und Jessie, die mit uns auf den Trip kamen, verstanden wir uns auf Anhieb super und somit standen die Sterne für die nächsten zwei Tage hervorragend. Die beiden unterrichten übrigens Englisch in Jakarta für ein Jahr und genossen ein verlängertes Wochenende im Grünen, denn Jakarta soll grauenhaft sein. Zoe ist aus London, 36-jährig, sieht jedoch aus wie 30, wohl auch weil sie kein Fleisch isst und nicht raucht – aber fluchen kann sie und Wasser trinken wie ein Kamel! Und Jessie ist aus Kalifornien, 26-jährig und für ein Ami-Girl doch schon in der weiten Welt rumgekommen und kocht für ihr Leben gerne. Kaum losmarschiert, wiesen uns Denny (zweiter Guide) und Tambrin auch bereits auf die ersten Longtail-Affen in den Bäumen hin. Und bald darauf auch auf eine Orang-Utan-Mama mit Baby! Das war definitiv eindrücklich. Diese Affen sind wohlbemerkt semi-wild und somit gegen Tollwut geimpft – wenn wir’s schon nicht sind. Orang-Utan heisst Mensch im Wald: Die Guides erkennen unglaublicherweise jeden einzelnen von ihnen von weitem an ihren Gesichts- und Charakterzügen. So kriegt auch jeder Affe einen Namen. Mina ist die berüchtigtste Affen-Lady von allen, das haben wir bereits im recommendation book gelesen. Sie hat auch schon aufdringlichen Touristen den Finger abgebissen – das stand hingegen nicht im recommendation book. „Leider“ bekamen wir sie nicht zu Gesicht (ich mag Drama!) und auch sonst kam kein Orang-Utan so richtig nahe. Was mich aber nicht weiter traurig stimmte, bekannterweise mag ich sowieso nur Schmetterlinge und Schafe wirklich gut. Und schöne bunte Sommervögel bekam ich auf der Tour viele zu Gesicht. Insgesamt viel spannender fand ich das Trekken, rauf und runter über Stock und Stein und Wasser, zwischendurch kletterten wir sogar schon fast. So hat es sich wenigsten gelohnt, dass ich die vergangenen zwei Wochen meine Trekking-Sandalen mitgeschleppt habe. Und Zoe machte das ganze mit den Flipflops weil sie ihre schönen Turnschuhe nicht schmutzig machen wollte. So gab es immer wieder angenehme Pausen bis sie uns einholte und uns sofort grossartig unterhielt: She was hilarious! Wir schwitzten wie in der Sauna und die arme Claudia trug Jeans! Am späteren Nachmittag erreichten wir unser Nacht-Camp, das am Fluss lag und so konnten wir uns im frischen Sog des Wassers abkühlen und aufs Klo. Das Camp war simpel: Ein paar Bambusstangen im Boden, über die schwarze Plastiklachen gelegt wurden, genauso wie auf den Boden. Drüber gab’s noch eine dünne Iso-Matte, that’s it. Wir waren noch nicht ganz getrocknet, als die Blitzlichter und der Donnerschlag begannen. Auch der Regenschauer liess nicht lange auf sich warten und dauerte fast die ganze Nacht. So nahmen wir das Nachtessen bei Kerzenlicht auf unseren Mättelis ein: Vier verschiedene Gerichte! Das Mittagessen liess sich trotzdem nicht toppen. Nach dem Schmaus (abgesehen davon, dass ich den Hühnchen-Hals gegessen habe), packte Tambrin seine Karten aus und zeigte und ein paar Tricks, wovon jedoch nicht alle funktionierten. Und lustige Spiele hatte er auf Lager: This is a cup – a what?? Gegen Mitternacht machten wir dann die Kerzen aus und legten uns auf die harten Betten. Autsch!! Und weil Claudia und ich möglichst wenig in unseren Rucksack packten, hatten wir nix warmes dabei und froren die halbe Nacht durch. Und mein Seidenschlafsack half leider auch wenig. Mehr oder weniger ausgeruht, begrüsste uns am nächsten Morgen die Sonne und ein leckeres Pfannkuchen-Frühstück. Tubing im Fluss war angesagt! Das ist wie „Ringen“ in der Limmat resp. noch besser. Weil da keine Gefahr besteht, dass man im Bikini mit dem gelben Ring ins Tram steigen muss, da Hab und Gut beim Letten geblieben sind. Um eine möglichst lange Strecke auf den Tubes zurücklegen zu können, liefen wir noch weiter den Fluss hoch. Auch dies gestaltete sich wieder ziemlich abenteuerlich und Claudia musste sich immer vor Blutegel in Acht nehmen, denn diese hatten sie im Visier!: Wir sprangen gar mindestens fünf Meter von einem Felsen runter in die tosenden Fluten um einfacher über den Fluss zu gelangen. Tönt nicht logisch, war aber tatsächlich einfacher, ich hab’s mit und ohne Sprung versucht – aber einfach, weil ich mal wieder zu schnell war und schon am anderen Ufer, als uns Denny die „Abkürzung“ zeigte. Nachdem wir alle Rucksäcke wasserdicht verpackt hatten, setzten wir uns in die Tubes, die alle miteinander verbunden waren. Das Tuben war nicht nur lustig, wir konnten ebenso den schönen Regenwald aus einer anderen Perspektive betrachten. Als wir auf Bukit Lawang zusteuerten, erhielten wir viele winkende Zuschauer, wobei es uns bisserl unangenehm war, da wir unsere Bikini und Shirts trugen und die meisten Frauen nur mit einen Burkini ins Wasser steigen.

Zurück im Guesthouse genossen wir eine kalte Dusche (warm gibt’s gar nicht) und erkundeten Bukit Lawang. Viel zu sehen gab es da allerdings nicht, da sich das Leben ja vor allem am Fluss abspielt. Deshalb hat's am ganzen Ufer entlang so kleine Reihenhüttchen mit Bambus überdeckt, so dass man auch wenn's regnet drunter sitzen kann. Denn auch bei Regenschauer wird gebadet. So tranken wir ein Bier in einem freundlichen Guesthouse und machten uns wieder auf den Rückweg bevor der Regen kam, unsere feuchten Sachen hingen nämlich alle auf der Veranda. Müde aber glücklich verbrachten wir einen weiteren gemeinsamen Abend mit den Mädels und den singenden Jungs.

An unserem letzten Tag im Regenwald, erwies dieser seinem Namen alle Ehre: Wir waren in den Fledermaus-Höhlen und krachselten wieder über wildverschlungene Pflanzen und rutschigen Steine, als wir bemerkten, dass es draussen wohl nieselte. Da wir bereits viele Batmans gesehen hatten, entschieden wir uns wieder rauszugehen und uns auf den Heimweg zu machen. Der Rückweg erwies sich jedoch als durchaus mühsamer, denn die Höhle hat sich mittlerweile mit hunderten von Schülerinnen und Schülern gefüllt, die uns alle mit ihre Taschenlampen ins Gesicht schienen: „Hello Misses!! Da es Feiertag war (keiner wusste jedoch genau was für einer, da es hier so viele davon gibt), wurde diese Höhle so fleissig frequentiert wie nie sonst. Nun ja, wir fühlten uns wie kleine Stars, waren dann aber auch erleichtert, als wir wieder draussen waren, unverletzt, aber schmutzig von oben bis unten. Da kam der Nieselregel nur so gelegen, eigentlich. Nur wurde dieser immer stärker und stärker bis wir schlussendlich durch so viel Regen heim rannten, wie wir das noch nie gesehen haben. Das war wunderbar und ich glaube, so nass war ich lange nicht!

So klitschpatschnass ging's dann mit dem Bus nach Medan, da die Mädels am selben Abend den Flieger nach Jakarta erwischen und wir auch am nächsten Morgen um 6.00 Uhr am Flughafen sein mussten, leisteten wir uns einen eigenen Bus und Danny hat uns netterweise gefahren (natürlich gegen Bezahlung und mein schön weisses Heidi-Sackmesser hat er auch gleich behalten). Leider kamen wir also nicht drum rum, eine Nacht in Medan zu verbringen. Ich mein, da hat's riesige Löcher im Boden, die seh sogar ich. Schlussendlich war aber alles halb so wild und die Reise zurück nach Kuala Lumpur hat reibungslos funktioniert, abgesehen von einer latenten Müdigkeit.

Ciao adios bye

Flavia

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