Meine Lieben
Nach einem weiteren Rundgang durch die abwechslungsreichen Strassen rund um unser Hostel, bin ich wieder am Ausgangspunkt angelangt, in meinem Café mit Blick auf die Calle Media Luna. Maurus ist noch immer nicht da und nun macht’s langsam kein Spass mehr – und ich bin sicher, ihm auch nicht - es ist nämlich bereits 16.00 Uhr. Zeit für das erste Bier und weitere "Reflexion" der vergangenen Tage, es ist ja noch lange nicht alles erzählt - und das wird es auch nie sein.
Die Zeit auf dem kleinen, gemütlichen Segelboot verging unglaublich schnell - obwohl wir nichts zu tun hatten ausser Sünnelen, Essen, Abwaschen, Schnorkeln, Lesen, Dösen und natürlich Quatschen. An das Ungewaschensein (abgesehen von den Meergängen) gewöhnten wir uns rasch, genauso wie an die Toilette, woraus man alles hörte, was darin passierte – somit war sie am häufigsten frequentiert, wenn der Motor lief. Da ich noch nie so braun war in meinem Leben, sah man den Dreck sowieso kaum und wir frönten uns dem Hippie-Leben. Trotzdem waren wir am fünften Tag froh, als wir in der Abenddämmerung die fantastische Skyline von Cartagena erblickten und mit dem Dingie an Land chauffiert wurden. Insbesondere der letzte Tag war dank beachtlichem Wellengang und Sturm nicht nur noch angenehm und ich lag hauptsächlich in unserem Bett oder auf einer Matte auf Deck und hielt die Augen geschlossen, damit mir nicht vollends übel wurde. Auf dem Festland angekommen, schwankten wir noch immer mit der gesamten Sputnik-Gruppe (nach erfolgreichem Geldholen) zu einer Pizzeria. Die anderen blieben eine weitere Nacht auf dem Boot während wir uns eine Dusche und ein normales Bett gönnten, wunderbar.
Am nächsten Tag geschah es, ich verliebte mich in Cartagena und somit wohl auch ein bisschen in Kolumbien! Diese Stadt ist wunderschön und kein Wunder gehört sie zu den Orten mit den meisten Touristen, da jedoch noch immer nicht Hauptsaison herrscht, störten uns diese nicht. Um einen Überblick zu erhalten, entschieden wir uns für eine Sight-Seeing-Tour im roten Double-Decker-Bus (shame on us!) und erlebten einen Aufstand der Touristen-Guides hautnah. Wie wir später von Ronaldino erfuhren, gibt es diese rote Touri-Attraktion erst ein halbes Jahr und nun haben die Guides Angst, dass ihnen die Arbeit weg genommen wird. Nicht ganz unberechtigt, denn unser besagter Bus fuhr nicht die gedruckte Route sondern am Hafen vorbei um eine Gruppe venezuelanischer Cruise-Ship-Touristen abzuholen. Die mischten sich heftig laut in die Situation ein und fielen dabei fast aus dem Bus raus. Maurus und ich staunten nicht schlecht und lernten ein paar neue spanische Fluchwörter. Ein vorbeifahrendes Polizisten-Pärchen wurde herbei gerufen, um das Gezetter und Mordio zu schlichten. Erfolgreich, die Fahrt ging weiter und wir ergötzten uns dem heissen Sonnenschein. Das Ende der Tour bot uns der Sonnenuntergang auf dem Castillo de San Felipe, wo wir aufpassen mussten, dass wir uns nicht in den geheimnisvollen Gängen verirrten. Danach trafen wir unsere Sputniks zum letzten Mal. Bis dahin waren wir nämlich sozusagen illegal in Kolumbien unterwegs: Captain Rengin hatte unsere Pässe beschlagnahmt und nun erhielten wir diese gestempelt wieder, zusammen mit ein paar Mojitos of the Day. Um am nächsten Tag für den historischen Rundgang durch die Altstadt von Cartagena bereit zu sein, machten wir irgendwann einen französischen Abgang. Trotzdem verpassten wir die Tour am nächsten Morgen, erhielten aber am Nachmittag noch eine Chance. Wir hatten bereits am Vortag einiges der Altstadt begutachtet, aber durch Ronaldino erfuhren wir natürlich noch ein bisschen mehr. Mir gefielen die kolonialen Balkone am besten, wovon früher jeweils einmal im Jahr der schönste gekürt wurde. Den Abend liessen wir wie viele andere Reisende im Café del Mar ausklingen, mal wieder bei zauberhaftem Sonnenuntergang. Und dann kam eben der Montag, an dem wir Eddie zurück holten, wir hatten ihn tatsächlich ein bisschen vermisst. Und der Arme uns wohl auch, als wir ihn wieder hatten, war seine Batterie aus Erschöpfung alle.
Und da Maurus noch immer nicht erschienen ist und das zweite Bier auf dem Tisch steht, erzähl ich noch eine kleine unwichtige Anekdote, nein gar zwei:
1. Anekdote: Studio F.
Nachdem wir vergangenen Sonntag für Maurus neue FlipFlop geshoppt haben, die seine Füsse bisserl mehr unterstützen sollen resp. seinen Rücken entlasten, erhob ich natürlich ebenso einen Kauf-Anspruch. So gingen wir ins Studio F. Diesen Laden hatte ich bereits in Panama-City gesichtet und gewusst: Das wäre MEIN Laden in Zürich. Kaum drin, ruf ich Maurus irgendsowas in der Art von „Oh, kuck das Gilet!“ zu. Worauf sich eine Dame im Bikini umdreht und meint: „Que bueno, estas de Chile tambien?“ Nein, aus der Schweiz nicht aus Chile, erzähl ich ihr, und ich hätte das Gilet da gemeint. „Ah, el color chilly me gusta tambien!“ war ihre Antwort. Erfolgreich erklärte ich ihr schlussendlich, dass dieses Ding bei uns Gilet hiesse, was sie sehr seltsam fand... Ein lustiger Moment!
2. Anekdote: Taxi Fahrt
Obwohl wir Eddie haben, sind wir bereits verschiedenste Male Taxi gefahren und haben dabei neben Gustavo einige weitere interessante Taxi-Fahrer kennen gelernt, die uns jeweils gerne was über ihr Land oder ihr Leben erzählten. Zum Beispiel am Montag sind wir um Eddie zu kriegen oft Taxi gefahren. Die involvierten Büros, die wir besuchen mussten, um unsern ominösen 11-Punkte-Plan abzuarbeiten, liegen nämlich nicht in Laufweite voneinander entfernt. Natürlich fragte ich mich, wie sie die ganzen Informationen über unsere Eddie-Einreise bei dem ganzen Papierkrieg in den unterschiedlichsten Büroswieder zusammen kriegen, aber das soll ja nicht meine Sorge sein, meinte Maurus... Eine Fahrt haben wir mit einem älteren, sehr angenehmen Herrn gemacht, der sein Leben sozusagen im Taxi verbracht hatte. Ich wollte ihm Anerkennung für seinen Beruf zeigen und habe ihm erzählt, dass ich gerne Taxi-Fahrerin wäre, wenn ich besser Autofahren könnte. Es sei doch bestimmt spannend, so viele verschiedene Personen an einem Tag kennen zu lernen. Ob er denn auch schon berühmte Persönlichkeiten chauffiert hätte? Und siehe da: Mel Gibson mit seinem Sohn plus Robert de Niro. Pas mal, hm?
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Genau als ich den oberen Satz beendet habe, ist Maurus zur Türe rein gekommen. Er fand’s tatsächlich auch nimmer lustig und Versicherung haben wir noch immer keine, dafür ein bisschen mehr Geld los, aber Maurus will mir partout nicht sagen wie viel. Dafür können wir jetzt wieder Holperstrassen ohne Probleme passieren. Und dem Sprungfeder-Typen in Panama-City senden wir via Nick eine fette Stinkbombe vorbei, jawohl!!
Und jetzt ist Feierabend. Wir haben uns definitiv ein schickes Nachtessen verdient, man soll den Tag schliesslich nicht vor dem Abend verdammen.
Ciao Adios Bye
Flavia
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