16. August 2011

Kurzweilig


Meine Lieben

Die Grenze von Guatemala nach El Salvador war definitiv weniger spannend als diejenige von Mexico nach Guatemala: Keine bunten Läden, kein chaotisches Durcheinander, einfach ein paar graue Gebäude und Personen, von denen wir nicht so recht wussten, wer für was verantwortlich war. Vielleicht schien aber alles nur düster weil grad der Regen einsetzte. Insgesamt war dieser Grenzübergang trotzdem aufregender. Weil wir uns nämlich von zwei Gangstern haben überreden lassen, all den Papierkram für uns zu übernehmen. „Perfekt!“ dachten wir. Denkste, schlussendlich hat uns diese „nette Geste“ unsere letzten Dollars gekostet – Maurus ist aber auch jetzt noch überzeugt, dadurch ungefähr drei Stunden gespart zu haben. Schlussendlich konnten wir problemlos in El Salvador einreisen und freuten uns auf das Land, was nur die halbe Fläche der Schweiz misst aber fast so viele Einwohner zählt und somit das dichtest besiedeltste Land von Zentralamerika ist.

Auf dem Weg zu unserem ersten Ziel, Costa del Bàlsamo, wurden wir wegen Strassenarbeiten gestoppt. Diese unterbrachen den Verkehr auf beide Seiten. So stiegen wir aus und lernten Carlos aus Canada kennen. Er ist mit seinem Motorrad für insgesamt zwei Jahre in Zentral- und Südamerika unterwegs und ein lustiger kleiner Kerl. Unter anderem erzählte er uns von seiner gemütlichen Bleibe an der Playa El Sunzal, die noch ein anderes freies Zimmer hat und eine gute Preis-Leistung bietet. Also sind wir ihm gefolgt und gleich für fünf Nächte geblieben. Nicht wegen der wirklich guten Preis-Leistung, sondern weil es Maurus und mir hervorragend gefallen hat und die Tage im Nu vergingen.

Die Costa del Bàlsamo ist eine Strasse unter blühenden Bäumen, die manchmal wie grüne Tunnels wirken und Kühe laufen wild darauf rum. Genauso wie Frauen, die gefüllte Eimer mit was weiss ich oder Holz auf dem Kopf tragen, so wie wir das bereits in Mexiko, Guatemala und auch Bali staunend beobachten konnten. Weil grad Wassermelonensaison ist, liegen diese übereinander gestapelt am Strassenrand. Schmatzende Personen stehen drum rum, die nach dem Schmaus die Schale einfach auf die Strasse werfen. Es reiht sich ein kleiner Ort mit Strand nach dem anderen und zu unserem Surfstrand hatten wir zwar keine fünf Minuten zu Fuss, in der Regel fuhren wir jedoch mit Eddie dahin. Keineswegs weil wir faul sind, zwischendurch mal bisserl laufen würde uns durchaus gut tun. Am ersten Tag jedoch wurden wir von Mücken so krass gefressen, dass wir danach rot weiss gepunktet waren und den Weg kein zweites Mal wagten – und es gibt noch viele andere Möglichkeiten gestochen zu werden. Da die Wellen schön gleichmässig waren und eine vernünftige Grösse aufwiesen, weihte ich endlich mein Surfboard ein. So konnte Carlos mein Boggie-Board benutzen und tat dies definitiv erfolgreicher als ich. Ui, weil ich mittlerweile mit dem Ding schon zu oft böse gewaschen wurde, war mein einziges Ziel mit dem Surfboard nicht von den Wellen gefressen zu werden, statt die Wellen zu erwischen. Das ist natürlich nicht die optimale Voraussetzung um Fortschritte zu machen und Maurus hat eine wütende Flavia kennen gelernt. Aber Einsicht ist der beste Weg zur Besserung und so schnell gebe ich mich nicht geschlagen. Maurus kam dafür voll auf seine Kosten und genoss jeweils morgens und abends ein paar gute Rides.

Zwischendurch blieb viel Zeit für süsses Nichtstun wie zum Beispiel Dösen in unseren Hamacas. Mittlerweile haben wir gar unsere eigene bunte Hängematte, die Nieve besonders liebte. Nieve ist eine Mischung aus Dalmatiner und Rottweiler und der coolste Hund, den ich je kennen gelernt habe. Er gehört Pedro, der unsere Zimmer und den fantastischen Garten bewirtete und für Maurus jeden Morgen frische Kokos auf den Tisch stellte. Keine fünf Autominuten von uns weg war zudem Playa El Tunco, ein Strand der touristischer ist und viele leckere Restaurants beherbergt. Diese haben wir voll ausgekostet, obwohl unser Heim eine voll ausgestattete Küche gehabt hätte und der Supermarkt ein verlockendes Angebot hat. Aber das ist ja genau das schöne am Reisen – zumindest wenn das Budget stimmt: Man muss nie kochen, sondern kann immer aussuchen worauf man grad Lust hat - und hinter jeder Bestellung steckt eine kleine Überraschung. Diese Überraschungen waren hier in der Gegend durchwegs positiv und haben unsere Erwartungen allesamt übertroffen!

Auch La Libertad lag nur knapp zehn Autominuten von uns entfernt. La Libertad ist der nächstgelegene Hafen und La Punta Roca, ein berühmt berüchtigter Surfspot, befindet sich da, genauso wie verschiedenste Bars, Cafés und Restaurants. Weg vom Meer bietet La Libertad aber auch eine stinkende Markthalle, welche Maurus und ich neugierig erforschten. Rund um diese Markthalle verkaufen verschiedenste Händler ihre Ware und es herrscht eine rege Stimmung. An jeder Ecke gibt es einen anderen interessanten Tante Emma Laden, eine spannende Gestalt und Musik tönt von überall her. Trotzdem blieben wir nicht so lange. Irgendwie kamen wir uns auch bisserl als Fremdkörper vor, denn andere Touristen gab es weit und breit keine – es hat also auch alles seine Kehrseite und die Balance zwischen zu viel und zu wenig liegt nah beieinander.

Die Zeit an der Playa El Sunzal mag langweilig klingen, so kam sie uns aber gar nicht vor und deshalb sind wir heute Abend nach einem vier tägigen Ausflug ins Inland wieder hier her zurück gekehrt - und grad in diesem Moment legt Nieve ihren Kopf auf meinen Schoss und versucht mein Gesicht zu lecken, so wie sie das am liebsten tut. Und Maurus ist vor einer Minute fast eine Mango auf den Kopf gefallen, leider ist diese noch nicht reif, aber bald beginnt die Saison, juhui!

Ciao Adios Bye

Flavia



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