28. August 2011

Kurz & Bündig


Meine Lieben

Es geht uns wunderbar in El Salvador und so sind wir noch immer hier. Unser Heim bei Nieve und Pedro an der Playa El Sunzal hat’s uns wirklich angetan und so haben wir weitere acht Tage und Nächte da verbracht ohne zu merken, dass es bereits so viele waren.  Eigentlich könnte ich den Blog „Kurzweilig“ copy pasten, exkl. Grenzübergang und Carlos, aber inkl. allem anderem. Sogar dem stinkigen aber interessanten Marktbesuch. Von Einheimischen haben wir erfahren, dass dort so ein heilendes Ruda-Kraut verkauft wird, was gegen Ohrenleiden helfen soll. Maurus litt nämlich noch immer an der Ohrenentzündung, die nicht heilen wollte. Aber nicht nur diese hielt ihn vom Surfen ab, auch sein Rücken streikte. Zwischendurch stiegen wir zwar nochmals ins Wasser, aber seinem Rücken und den Ohren half das nicht und ich versteckte mich noch immer vor den Wellen – und nochmals auf Stein auflaufen hatte ich keine Lust zu. So haben wir viel geschlafen und gefaulenzt, lecker gegessen, Massagen genossen, mit Nieve Kunststücke geübt, Maurus Ohren und Rücken mit allem Möglichen kuriert, haben uns von Gille, dem belgischen Besitzer eines unserer Lieblingsrestaurantbars, interessante aber nicht nur schöne Geschichten über El Salvador erzählen lassen und kleine Ausflüge gemacht wie zum Beispiel zu den Ruinas de San Andres, von wo aus wir eigentlich noch die Joya Ceren (so was wie Pompeji in El Salvador) besuchen wollten um dann aber feststellen zu müssen, dass all diese Sehenswürdigkeiten schon um 16.00 Uhr schliessen. Um diese Zeit werden wir oft erst so richtig aktiv und spielen Arschloch (Tschuldigung Mama!) und Schach. In San Cristobal de las Casas haben wir ein kleines Spiel gekauft und Maurus hat’s mir beigebracht. Bis anhin hat er aber ausnahmslos immer gewonnen und er ist definitiv auch mehr König als ich. Dafür habe ich Glück in der Liebe. Man kann ja nicht immer „s Foiferli und s Weggli“ haben, musste ich mir schon als Kind immer anhören, dies zu akzeptieren fällt mir trotzdem schwer. Maurus wäre ja aber nicht Maurus wenn er nicht lehrreiche Tipps auf Lager hätte, die er bekannterweise auch gerne teilt. Angreifen und Fressen ist angesagt, nicht verteidigen und fliehen! Heute habe ich diese Hilfestellung nach langer Surfpause im Wasser angewendet. Seit vorvorgestern sind wir nämlich in Las Flores. Das ist eine echt schöne Sandbucht neben El Cuco. Da haben wir uns in einem gemütlichen Hostel mit grosszügiger Terrasse eingenistet, wo wir von lauten aber netten Brasilianern umgeben sind, einer davon spricht sogar Deutsch. Leider war unser kleines Wunschhotel oben auf den Klippen ausgebucht als wir angekommen sind, aber wenigstens liessen sie uns da Bier trinken und die Aussicht geniessen. Und weil diese grandios ist, waren wir gestern nach dem Frühstück nochmals da um nachzufragen, ob denn nun nicht ein paar der überaus freundlichen Amerikaner abgereist sind, erfolglos. Eddie schien es da auch zu gefallen, er wollte schon wieder nicht anfahren. So haben wir erneut die Hilfsbereitschaft der Menschen in Zentralamerika gespürt – auch wenn sie’s mit Zeitangaben nicht so genau nehmen. Solche Situationen haben also immer auch gute Seiten und bringen uns mit Locals in Kontakt, was fünf Stunden Warten schnell vorbei gehen lässt. Zudem hätte ich mich eh zu nichts anderem wirklich imstande gefühlt, da mich unsere Entgiftungs-Kur (Homöopathische Tröpflis), angeordnet durch Maurus Wunderheiler in El Tunco, fertig machte. Dieser Wunderheiler meint eben, dass der Magendarmbereich alles beeinflusst, Disfunktion aber nicht zwingend melden muss. Das Sprichwort „Liebe geht durch den Magen“ macht also irgendwie auch Sinn, obwohl’s Maurus Rücken betrifft. Auch wenn ich keine Leiden hatte, habe ich mich solidarisch angeschlossen, bin aber wohl viel giftiger als Maurus, fühlte mich echt verschissen. Wie auch immer, wir haben’s gestern dann noch zur Punta Mango geschafft um Fabiola und Will einen Spontanbesuch abzustatten. Ihn haben wir bereits in Chacahua kennen gelernt und später dann auch sie in Puerto Escondido. Die beiden haben eine ähnliche Route wie wir und so treffen wir die beiden aus Australien (resp. sie ursprünglich aus Peru) wohl noch öfters. Mal wieder im Dunkeln sind wir zum Nachtessen in unser Hotel zurückgekehrt um heute nach dem Surfen bei einem Bier von Locals zu erfahren, dass die Gegend um Punta Mango rum nicht super sicher ist – vor sechs Jahren gab es da Mal einen fiesen Überfall auf Touristen. Aber wir haben überlebt, und diese Jungs sind vor allem einfach auch sehr stolz auf ihre Sicherheit in Las Flores, was man ihnen ja nicht übel nehmen kann. Wir haben trotzdem einen Nachtwächter im Hostel, Antonio, der sieben Tage die Woche nachts arbeitet und tagsdurch auf dem Land genauso. In Gesprächen mit Menschen wie ihm fühl ich mich hilflos (natürlich versuchen wir Propinas (Trinkgeld) gerecht zu verteilen, aber trotzdem...) – egoistischer Weise bin ich froh, dass er trotzdem einen zufriedenen Eindruck macht. Nun aber nochmals zu meinem Surftag, ich bin nämlich auch super happy! Heute Morgen habe ich mit Maurus seine Schachlogik auf dem Wasser angewendet und ich hab gewonnen (danke Maurus)! Zusätzlich habe ich mich an den Tipp von Abdul, meinem Surflehrer in Senggigi, erinnert: Flavia, du hast Potential, jetzt aber deine Begeisterung (stimmt, die hatte ich mal!) zügeln und schön brav die kleinen Wellen anpeilen. Also habe ich mich ans grosse Weisswasser gehalten und so stand ich endlich mal wieder auf dem Brett, mehrmals. Definitiv ein Erfolgsmoment! So bin ich am Nachmittag gleich nochmals raus und stand sogar zweimal auf einer richtigen kleinen Welle. Und weil ich’s so toll fand, bemerkte ich nicht, dass meine Nase wieder rot ist wie die einer Indianerin, meint Maurus. Egal, morgen ist sie braun und ich geh nochmals surfen bevor wir dann nach Honduras weiterziehen.

Ciao Adios Bye

Flavia

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen