Meine Lieben
Es war ein Mal ein Paar, das fand das Reisen wunderbar. Deshalb brachen sie eines Samstags auf um die Ruta de las Flores zu erkunden. Diese sollte ein spezielles Highlight in El Salvador darstellen und das tat sie auch: Ein interessantes und buntes Dorf nach dem anderen erwartete die beiden und die Landschaft bot fantastische Aussicht in grüne Wälder und in die Weite. Besonders angetan war das Paar von Juayúa (ausgesprochen „Why-ooh-ah“), das irgendwo in der Mitte der Ruta de las Flores lag und in dem jeweils an den Wochenenden ein Gourmet Festival auf der Plaza stattfindet: Ein leckerer Stand neben dem anderen grilliert Fleisch und Fisch mit unterschiedlichsten Beilagen und als Spezialität werden gar ganze Frösche angeboten. Auf diese verzichtete das Paar grosszügig, genauso wie auf die Iguanas, die hier scheinbar auch zu den ganz speziellen Köstlichkeiten gehören – zum Glück sahen die beiden diese Dinger aber nirgendwo auf einem Grill. Dafür aber lebendig in einer Reptilienausstellung, in welcher sie auch eine Albino Boa beobachten konnten und salvadorianische Touristen, die sich mit dieser ablichten liessen. Das schmucke Dörfchen bot dem Paar aber nicht nur einen vollen Magen sondern auch einen Markt mit lokalen Kunstwerken, Chilbi-Grümschel-Ware und einen Stand mit alternativen Heilmedizin, mit welcher er sich eindeckte, denn sein Rücken schmerzte vom vielen Surfen der Vorwoche. Der Händler erkannte sofort sein potentielles Opfer – viele westliche Touristen waren nämlich nicht vertreten - und machte wohl das Geschäft des Tages. Sogar ein Rosenkranz wurde er los, was als Geschenk für Eddie gedacht war um ihn zu ermuntern, weiterhin keine Mätzchen zu machen. Auch ein Spaziergang lohnte sich durch die Gässchen, da viele Hausmauern kunstvoll mit Bildern bemalt waren. Viele Zeichnungen erzählen aus dem lokalen Leben von damals. Davon war besonders sie angetan. Und weil das Dörfchen so viel Romantik versprühte, buchten die beiden spontan eine Kutschentour, mit Papa und Sohnemann. Irgendwann wurde es dunkel und das Paar hatte noch kein Bett für die Nacht. Dona Mercedes öffnete trotzdem ihre Pforten und adoptierte die beiden sofort. Sie kannte das Dorf wie ihre eigene Rocktasche und wusste wo man den Abend am gemütlichsten ausklingen lassen konnte. Auch bei tobendem Regenschauer, welcher später einbrach. Die beiden liessen sich den Hauswein schmecken, viel Hauswein und schwankten irgendwann zufrieden heim. Nach süssen Träumen wurden sie morgens von den vorbeidröhnenden Autos geweckt, und ein kleinwenig Sonnenschein drängte sich durch die Vorhänge. Das Frühstück und die fröhliche Musik am Gourmet Festival weckte die Lebensgeister des Paares vollends und sie waren bereit weiterzuziehen. Es lagen weitere einladende Dörfchen an der Ruta de las Flores und es war bereits wieder früher Nachmittag. Unterwegs tranken die beiden einen Kaffee in einer Finca Vivero und liessen sich vom wunderschönen Garten und der traditionellen Musik inspirieren. Als sie weiterfahren wollten, tat Eddie jedoch keinen Wank. Die beiden hatten sich wohl in seinem Glauben vertan. Gutes Zureden half und er fuhr direkt weiter bis nach Ataco, wo die beiden wiederum einen Spaziergang durch die bunten Gassen und Marktstände unternahmen. Die Nacht wollten die beiden in Santa Ana verbringen. Auf dem Weg dahin legte das Paar einen kurzen Pipistopp für sie ein, was Folgen hatte: Eddie war definitiv beleidigt und wollte um Himmels Willen nicht anfahren. Der Tankwart tauschte verschiedenste Sicherungen aus und irgendwann wie durch Gottes Hand, sprang Eddie wieder an und das Paar zog erleichtert von dannen um wieder in der Dunkelheit nach einem Hotel Ausschau zu halten. Lonely Planet sei dank wurden sie innert Kürze fündig und trafen in der Casa Verde auf vertraute Gesichter: Die einzigen Touristenpaare, die sie bereits in Juayúa gesichtet hatten, waren auch hier und tranken bereits Bier. Das Paar schloss sich fröhlich an und bestellte zudem noch comida china para llevar obendrauf. Die beiden sind echte Penntüten und so war das Leben in Santa Ana schon im vollen Gange als er am nächsten Tag das Hotel für eine Chiro-Behandlung verliess, für fünf Dollar – bereits an der Playa El Tunco bezahlten die beiden für eine physiotherapeutische Massage von eineinhalb Stunden nur 25 Dollar. Erholt fuhren die beiden nach reichhaltigem Frühstück nach Suchitoto. Sie fand diesen Namen extrem exotisch und erhoffte sich, dort mal wieder Sushi geniessen zu können. Ja, die beiden sind echt verfressen - nicht nur ineinander. Sie mögen sich auch einfach von interessanten Wegweisern leiten lassen und landeten so am faszinierenden Lago de Suchitlan, mitten in der Pampa mit vielen Kühen und Fliegen und einem Comedor. Nachdem sie - wie es sich gehört und ein bisschen zur Empörung von Normita, welcher der Comedor gehört - ein paar Fotos geschossen hatte, wollten die beiden weiterfahren. Doch Eddie wollte nun wirklich nicht mehr. Die beiden hofften, dass Zeit die Wunden heilt und tranken bei Normita ein Bier, was deren Stimmung erheiterte. Doch Eddie hatte ja nichts davon und bewegte sich nicht von der Stelle. Andi gefiel das. Andi ist ein 11jähriger Junge, der Automech werden will, wenn er gross ist - und nicht Kuhhirte wie seine ganze Familie. Jetzt war er aber noch keiner und so war das Paar grad bisserl ratlos, denn niemand hatte die Nummer des Mechanikers im Dorf oben und bald wurde es schon wieder Nacht. So blieb ihm, also dem männlichen Teil des Paares, nichts anderes übrig als mit dem lokalen Bus, der zum Glück alle halben Stunden fährt, hochzufahren um Hilfe zu holen. Derweil blieb sie unten und wurde von Andi unterhalten. Er war nämlich besorgt, dass sie sich langweilen konnte. So erfuhr sie einiges über den Kleinen und war fasziniert, wie tüchtig er war, als dann sein Freund Israel kam und unter Eddie kroch. Fachmännisch unterstütze er diesen und so konnte Eddie innert kurzer Zeit repariert werden: Irgendein Kabel war durchtrennt und es ist und bleibt ein Rätsel wie das Paar überhaupt noch so weit hatte kommen können - und wie dies passiert ist erst recht. Vielleicht wurden sie von den Gangstern des Grenzübergangs verfolgt, denen sie, also der weibliche Teil des Paares, am Ende noch deftig die Meinung gesagt hatte? Auf jeden Fall musste das Paar schlussendlich doch nicht im Auto übernachten, sondern konnte sich eine schöne Bleibe in Suchitoto suchen, was gar nicht so einfach war. Es war schon wieder dunkel und viele Hotels waren entweder Montags geschlossen, bereits ausgebucht, hatten grosse Skorpione beim Klingelknopf oder waren zu teurer (in Suchitoto befinden sich nämlich ein paar echte Luxushotels) oder die Bleiben boten kein privates Bad, auf was das verliebte Paar keines Falls verzichten wollte. Und wieder trafen sie bekannte Gesichter, denn El Salvador ist bekanntlich nicht so gross und Suchitoto nur an den Wochenenden richtig belebt. Den Abend verbrachten die beiden trotzdem alleine in einem gemütlichen Restaurant bei Kerzenschein - resp. ein hungriger Hund leistete ihnen Gesellschaft und kriegte natürlich auch ein paar Happen Pupusa ab. Pupusas sind gefüllte Maisfladen und ein typischer Snack in El Salvador ab 16.00 Uhr. Zufrieden ging das Paar schlafen um am nächsten Morgen wieder an die Costa del Balsàmo aufzubrechen. Dahin machten die beiden aber noch einen Abstecher auf den Vulkan San Salvador im Gebiet Boqueron, der 1917 zum letzten Mal ausgebrochen ist und ihnen erneut eine faszinierende Aussicht bot.
Und wenn das Paar auf der Rückfahrt nicht gestorben ist – und Eddie sich anständig verhält, dann reisen die beiden noch immer glücklich weiter.
Ciao Adios Bye
Flavia
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