17. Dezember 2011

Cafayate - Jujuy

Meine Lieben

Mittags um 13.30 Uhr in Cafayate: Mein Teller ist leer. Ebenso mein Viertli Vino Tinto della Casa. Ich bin beschwipst und geniesse das Alleinsein. Mittlerweile empfinde ich es auch gar nicht mehr als einsam sondern als bereichernd: Ich konzentriere mich viel mehr auf mich selbst und auf mein gesamtes Umfeld. Zudem werden Erinnerungen wach. Und dieser Mittag in Cafayate lässt mich an die Sonntage denken, welche ich mit Tata und meiner Familie in Canobbio verbracht habe: Dolce Vita far niente. Einfach an der Sonne sitzen, Italienische Spezialitäten essen, Weisswein trinken und vor allem nichts tun zu müssen ausser die glitzernde Sonne auf dem Lago Maggiore zu bewundern. Ein Lebensgefühl, was nicht nur ich empfinde, in Cafayate. Entfernt man sich ein bisserl vom Touristentumult rund um die Plaza, sehe ich grauhaarige Herren im Sonntagshemd zum Mittagessen zusammen sitzen und Geschichten austauschen. Vielleicht diskutieren sie auch über Politik? Ich kann sie lachen hören, aber versteh sie nicht. Spielt auch keine Rolle, die Menschen um mich herum sehen zufrieden aus. In diesem Momenten freue ich mich auf das Älter werden...

Den Morgen hatte ich mit Flanieren verbracht und Capuccino trinken, hier gibt es nämlich den schönsten. Ursprünglich wollte ich mit dem Rad zum Rio Colorado fahren, habe mich schlussendlich dagegen entschieden weil die Zeit zu knapp war. Und nach so viel Reisen hab ich nicht mehr das Gefühl, alles gesehen haben zu müssen. Ich geniesse es viel mehr einfach Zeit zu haben. Bis um 15.00 Uhr. Dann ging meine Tour zur Quebrada de Cafayate los, auch genannt Quebrada de las Conchas. Wieder übernahm ich die Übersetzung für ein Englisches Pärchen. So gut es ging zumindest, was es hier alles für wilde Tieren, Insekten und Reptilien geben sollte, verstand ich selbst nicht und gesehen haben wir davon auch keine, abgesehen von Alpakas auf einer kleinen Finca, wo ich mich mit Ziegenkäse und Brot eindeckte. Einerseits um die Bauern da zu unterstützen weil sie von einer grossen Gruppe Touristen neugierig überfallen wurden, anderseits wollte ich den Abend im schönen Hostal bei einem guten Glas Vino Tinto verbringen und dazu zur Abwechslung picknicken. Nein nein, ich werde keine Alkoholikerin, ich lerne zu geniessen... Das tat ich auch während der ganzen Tour durch die Tobel und Schluchten von Cafayate. Eine Guckprobe hatte ich bereits am Vortag auf dem Hinfahrt erhalten, aber der Anblick, der sich mir nun erbot, war absolut traumhaft und unterhaltsam obendrein. In vielen der Gesteine konnte man ohne viel Fantasie ein Gesicht oder das Profil davon erkennen, woanders eine Lokomotive oder die untergehende Titanic. In dieser wundersamen Natur wurde mir klar: Ich liebe Argentinien – und ich werde wiederkommen. Vielleicht mit Papa und Mama, was meint ihr?

Irgendwann spät am Abend ging ich nochmals aus, schliesslich konnte ich Cafayate nicht verlassen ohne das Original Weineis probiert zu haben. Cabernet Savignon schmeckte einmalig und die Frau von dem Erfinder Miranda war mächtig stolz. Wieder zurück im Hostal war ich zu meinem Erstaunen nicht mehr alleine im Dorm. Zwei Porteños, Argentinier aus Buenos Aires, waren angekommen und ich verstand kein Wort, denn sie packten noch mehr „schschschschschs“ in ihre Sätze als die anderen Argentinier, die ich bis anhin kennen gelernt habe. Es stellte sich heraus, dass Soledad (ein irrsinniger Name, nicht?) am nächsten Morgen um 8.30 Uhr ebenso nach Jujuy fuhr und somit taten wir das gemeinsam.

So, und an dieser Stelle muss ich kurz ausholen: In Jujuy war ich nämlich schon mal, allerdings nur Transit als ich von San Pedro de Atacama nach Salta fuhr. Jujuy war mir auch sonst nicht unbekannt, Cecilia ist an diesem Ort gross geworden. Sie war Claudias und meine Nachbarin an der Kanonengasse und danach trafen wir uns immer mal wieder. Nun haben wir uns aber über ein Jahr nicht gesehen, weil sie sich in Österreich verliebt hat. Wie auch immer, ich dachte nicht, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt bei ihrer Familie weilt. Das sah ich erst zwei Tage später auf Facebook als ich ihr Profil besuchte (alter Stalker!) um zu sehen, was sie wohl macht. Schnell war klar, dass ich die 6stündige Fahrt zurück unternehmen werde um Cecilia zu sehen und ihre Familie kennen zu lernen. Am späteren Nachmittag heute genau vor einer Woche kam ich in Jujuy an und nahm ein Taxi zu dem Haus, wo Cecilia wohnte. Es kam mir ein bisschen so vor wie im Film: Erwartungsvoll und neugierig kuckt man aus dem Fenster, vor welchem Haus der Taxifahrer wohl halten würde und siehe da, er tat es vor dem grössten. Klingeling! Die Türe wurde geöffnet. Ohne Zweifel musste dies die Schwester von Cecilia sein. Nach einer herzlichen Begrüssung lernte ich nah dies nah die ganze Familie kennen, bis wir schlussendlich mit dem einen Cousin, Mati, in ein grosses Tal in die Thermalbäder fuhren. Dort aber nicht badeten, sondern einfach die Aussicht genossen und ein streunendes Hündchen auflasen. Eigentlich hoffte Mati, den Besitzer zu finden. Es gab aber keinen und deshalb überliessen wir das Schicksal des süssen, kleinen Dings der dortigen Polizeistation. Zurück im gemütlichen Heim, gab es eine Snackrunde und Mate. So lernte ich dieses intensive Kräutergetränk auch endlich original kennen. Gesehen habe ich bereits viele Personen mit der speziellen Tasse inkl. Trinkhalm in der Hand und Thermoskanne unter dem Arm. Jedoch durfte ich bis anhin noch an keinem dieser Matetrink-Rituale teilhaben. Mittlerweile war es bereits 22.00 Uhr und Cecilia fragte, ob ich Lust hätte sie zu begleiten. Sie gingen kurz ihrer Schwester beim Umzug helfen. Diese zügelte grad ihren Kleiderladen an einen strategisch besseren Ort. Na klar! Im Dunkeln trugen wir also das ganze Mobiliar plus Inventar zum Auto und vom Auto in den geschmacksvoll renovierten, neuen Laden. Kurz nach Mitternacht waren wir wieder zu Hause. Wenn die ganze Familie mithilft, geht das schnell und ist lustig – und ich mag zügeln ja ganz gerne. Jetzt war Nachtessen angesagt: Pizzaplausch! Irgendwann gegen 2.00 Uhr entschieden wir, doch noch auszugehen, einfach was trinken. Und nun muss ich gestehen, dass ich der Schweiz definitiv nicht alle Ehre erwies. Ich bin zwar nicht am Tisch eingeschlafen, musste mir aber echt Mühe geben, dass ich nicht vom Stuhl fiel und der spanischen Konversation einigermassen folgen konnte. Nachdem wir noch die besten Perros Calientes resp. Panchos von Jujuy verzehrt hatten, ging es dann gegen 5.00 Uhr morgens ins Bett. Dort fiel ich sofort in einen erholsam tiefen Schlaf, der bis um 13.00 Uhr dauerte. Kein Problem, am Sonntag wird immer erst spät gegessen und zwar Asado con todo la familia. Keine Ahnung wie viel Kilo Fleisch und Wurst da auf dem Grill lagen, aber es war viel! Wir waren schlussendlich aber auch eine grosse Meute, und alle hatten Platz rund um den riesigen Tisch im Garten. Und das nicht wegen mir, nein, so ist das jeden Sonntag: Ein Käferfest! Am späteren Nachmittag gingen wir das beste Eis von Jujuy kaufen und ich konnte mich wenigsten ein bisschen für die Gastfreundschaft revanchieren. Danach spielten wir so was ähnliches wie Activity, für mich auf Spanisch allerdings schwierig, trotzdem lustig, aber auch anstrengend. Zum Nachtessen gab es nochmals lecker Asado, diesmal bisserl früher als am Vorabend. Mit dem Essen läuft übrigens auf immer der Fernseher. An diesem Abend wurden die Präsidentenwahlen übertragen. Irgendwie kümmerte es aber niemanden sonderlich, dass Cristina Kirchner wiedergewählt wurde. Die Tanzshows à la „DSDS“ waren viel spannender. Ui, und da werden nackte Tatsachen gezeigt, in der Schweiz würde das wohl glatt unter Erotik-Show durchgehen.

So sehr ich es genoss, unter vielen lieben Menschen zu sein, so sehr freute ich mich am nächsten Mittag meine Weiterreise alleine anzutreten und in meine eigene Welt einzutauchen. Es erwartete mich eine über 24-stündige Reise nach Puerto Iguazú. Die dortigen Wasserfälle waren für mich das zweite grosse Ziel, was ich nicht verpassen wollte. So viel vorweg: Zum Glück war ich da!

Ciao Adios Bye

Flavia

2 Kommentare:

  1. Row, row, row your boat,
    Gently down the stream.
    Merrily, merrily, merrily, merrily,
    Life is but a dream.

    ;-)

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  2. Liebe Flavia,
    Ich find dein Blog echt super ;) Schade konntest du nach Argentinien nicht noch einen kleinen Abstecher nach Uruguay machen. Ich musst bei deinem Kommentar zur Show "Bailar por un sueño" mit Matinelli wirklich schmunzeln, denn du hast vollkommen recht. In der Schweiz ginge das unter Erotik-TV :) Ich wüsnche dir noch viel Spass und viele schöne Erlebnisse auf deiner Weierreise! Beso :*

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