Meine Lieben
Backpacker-Reisen ist definitiv anders als mit Eddie. Nicht nur, dass ich mich nun um Abfahrtszeiten kümmern muss, sondern eben auch um den Backpack selbst - an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an meine Mädels und Geschwister! Und meiner ist gross, vor allem seit dem unnötigen Taschenkauf in La Paz. Die Grösse ist aber nicht das eigentliche Problem und ein bisserl Krafttraining schadet mir auch nicht. Viel mehr muss ich nun darauf aufpassen. So habe ich dann auch beim Ticketkauf nach Uyuni gefragt, ob ich für meinen Rucksack einen Coupon erhalten werde? Natürlich, und eine Heizung gibt es auch im Bus. Das nächste Mal frage ich wohl besser, ob die Heizung denn auch funktioniert. Ich habe also bei der Gepäckabgabe kein Zettel gekriegt und der Verfrachter mochte mich Bleichgesicht offensichtlich nicht sonderlich. Dummerweise war dann mein Rucksack ganz zuvorderst eingereiht und als wir kurz nach Abfahrt nochmals anhielten und ich die Gepäcktüre auf- und zugehen hörte, machte ich mir ernsthaft Sorgen. Ich überlegte mir schon plastisch, wie ich am effizientesten ausraste, wenn ich am nächsten Morgen erfahren sollte, dass mein Hab und Gut tatsächlich weg sein sollte. Gleichzeitig realisierte ich, wie unfair es ist, dem Team was zu unterstellen nur weil ich Oruro nicht mochte und doch die eine oder andere Geschichte gehört habe. So habe ich mich für relaxen entschieden und mich erinnert: Es wird alles gut! Und das tat es natürlich auch. In aller Herrgottsfrühe erreichten wir Uyuni und ich nahm glücklich mein Backpack entgegen.
Die Chance bestand, dass wir noch am selben Tag zur Salzwüste aufbrechen konnten und deshalb machten Yumi und ich uns nach einer schnellen Dusche auf die Suche nach dem besten Anbieter. Allerdings waren wir zu früh unterwegs und alle Agenturen hatten noch geschlossen. Also genossen wir als erstes ein reichhaltiges Frühstück im aufwärmenden Sonnenschein. So müsste jeder Tag beginnen! Auch die Gruppe von Spaniern am Nachbartisch schienen den Moment zu geniessen und erzählten uns von der fantastischen Tour, die sie mit Titto als Guide unternommen hatten. Genau in diesem Moment kam dieser vorbei, er suchte nämlich noch zwei Personen für die Tour. Mir war der Mittvierziger auf Anhieb sympathisch und die Referenz der Spanier schien ein sicherer Wert. Yumi hätte eigentlich lieber eine Englische Tour gebucht, schlussendlich nahm sie aber mein Übersetzungsangebot an - eine andere Tour zu wählen in dem unübersichtlichen Angebot war nämlich kein einfaches Unterfangen. Und so starteten wir das Jeep-Abenteuer gemeinsam mit Anna Laura aus Brasilien, Dayne aus Texas sowie Cecile und Roul, einem Paar aus Quebec.
Als erstes begaben wir uns zum Friedhof der Lokomotiven, einem grossen Kletter-Spielplatz für Erwachsene sozusagen. Weiter ging es zum eigentlichen Ziel: El Salar de Uyuni. Diese Salzwüste ist auf 3653 Meter gelegen und 12'106 Quadratkilometer gross, somit ist alles weiss wohin das Auge sieht... Während unser simples Mittagessen vorbereitet wurde, versuchten wir uns in lustigen Perspektive-Fotos. Dafür braucht es ganz schön viel Geduld und für einmal war ich nicht die einzige, die diese nicht aufbrachte. Übernatürlich schön wurde es für mich dann aber erst am Nachmittag beim Besuch der Isla del Pescado oder Incahuasi. Auf dieser Insel mitten in der Salzwüste wachsen grosse Trichoreus-Kakteen und wir genossen eine Aussicht, die unbeschreiblich ist...
Zeitig erreichten wir das simple Salz-Hostal, unser erstes Nachtlager. Nachdem wir kurz unsere Rucksäcke im Dorm deponiert hatten, fuhren wir wieder los um den Sonnenuntergang zu erleben, vom Salar aus. Auf diesem befanden wir uns nämlich noch immer. Da es bereits kühler wurde, animierte uns Titto zu Sprung-Bildern, welche uns allen eine schöne Erinnerung bescherten und definitiv ein lustiger Zeitvertrieb waren. Am nächsten Morgen früh stärkten wir uns und bestiegen erneut den Jeep. An diesem Tag waren Flamingos angesagt. Diese hausen bei verschiedensten nach Schwefel stinkenden Lagunen und essen Plankton mit Shrimps damit sie pink werden. Nicht ganz so pink wie mein Lieblingsauto, aber dennoch ein wunderschönes Bild! Aber gar nicht so einfach festzuhalten. Nebenbei bemerkt, ich glaube, ich habe noch nie so viele Bilder von jemandem gemacht wie von Yumi und geschweige denn von mir selbst. Die Foto-Knips-Geste für Japaner kommt also definitiv nicht von ungefähr... genauso wenig wie die Dankbarkeit. Jedes Mal nämlich hat sie mit ihrem lustigen Akzent „Thank you very much!“ gesagt, eine süsse Maus!
Mein Highlight an diesem Tag war die Laguna Colorada. Wenn man diese selbst nicht gesehen hat, dann ist dies schwierig zu glauben, aber diese wunderschöne Lagune weist eine beinah unnatürlich fantastische Farbkombination auf mit rotem Schwerpunkt, welche durch die vorherrschende Algenart entsteht.å
Ein weiterer, gemütlicher Gruppenabend mit Wein folgte. Es ist immer wieder interessant zu erfahren, wie schnell man sich an neue Leute gewöhnen kann und sich innert kürzester Zeit durch gemeinsame Erlebnisse verbunden fühlt. Trotzdem aber können diese Menschen weder Familie noch Freunde ersetzen. Definitiv aber helfen sie abzulenken und lassen einem wohl fühlen. Interessant zu erfahren fanden wir an diesem Abend auch das bereits 44 Jahre andauernde Liebesglück von Cecil und Roul: Das ältere Paar ging als erstes schlafen und als wir später ins Zimmer stiessen, entdeckten wir die beiden in einem dieser 90cm-Betten in einer Umarmung liegend, schlafend. Allerdings nicht für lange, Yumi schoss nämlich ein Bild von den beiden, mit Flash!
Nach einer kurzen und unruhigen Nacht standen wir um 4.00 Uhr auf um zum Geysirbecken Sol de Manana zu fahren, was dem Namen alle Ehre tat – und auf 4950 Höhenmeter gelegen ist. In der aufkommenden Morgensonne liefen wir vorsichtig fasziniert über die brodelnden Schlamm- und dampfenden Schwefellöcher und liessen es uns trotz klammen Fingern nicht nehmen, ein paar Erinnerungs-Fotos zu schiessen. Skeptisch erreichten wir schlussendlich die Termas de Polques: Bereits am Morgen habe ich auf Anweisung mein Bikini angezogen. Nun aber standen wir in der Kälte auch noch immer über 4000 Höhenmeter und sollten uns ausziehen um in das Hotspring-Becken zu steigen? Die vergnügten Gesichter und der aufsteigende Dampf überzeugten mich schnell und schwupdiwups war ich drin. Wie herrlich war das, ich wollte nicht mehr raus und leider liess sich Titto nicht dazu überreden, uns das Frühstück direkt an den Pool zu bringen. Irgendwann schien die Sonne in ihrer vollen Pracht und wir trauten uns aus dem Becken auszusteigen ohne von Hühnerhaut übersät zu sein. Schnell zogen wir uns um und setzen uns an den leckeren Frühstückstisch. Nachdem wir alle unsere Koordinaten ausgetauscht hatten, stiegen wir ein letztes Mal gemeinsam in den Jeep: Dayne, Yumi und ich wurden an der Grenze nach Chile abgesetzt während Anna Laura, Cecile und Roul wieder zurück nach Uyuni fuhren.
Reich beschenkt betrat ich San Pedro de Atacama: Die Naturwunder rund um den Salar de Uyuni sind etwas vom Schönsten, was ich je gesehen habe!
Ciao Adios Bye
Flavia
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