Meine Lieben
Und noch etwas ist beim Reisen ohne Eddie anders: Kaum steigt man aus dem Bus, erhält man verschiedene Flyers von Hotels, die natürlich die besten sind im Ort. Das war bereits in Copacabana so und auch in San Pedro de Atacama. Also kuckten Yumi, Dayne und ich mir das erste Hostal an, was ganz ordentlich war, aber Yumi und ich wollten noch ein zweites als Vergleich. Nachdem ich kurz ein Foto vom Smiley-Kissenbezug gemacht hatte, zogen wir weiter zum Hostal Corvatsch, wo wir uns schlussendlich einnisteten. Das Hostal ist tatsächlich halb schweizerisch und entsprechend stiegen da viele Landesgenossen ab, was ich nicht nur toll fand. So leid es mir tut, aber Schweizerdeutsch gehört nun mal nicht zu den schönsten Sprachen - abgesehen von Bündnerdialekt – und wirkt langsam.
Da weder Yumi noch ich vorhatten, lange in San Pedro de Atacama zu bleiben, buchten wir direkt einen Ausflug zum Valle de la Luna für den späteren Nachmittag. Das Mondtal versprach uns eine Landschaft, die wir auf der Tour von Uyuni hier her noch nicht bewundert haben. Und so war es dann auch: Die Sandhügel und -täler boten uns einen Anblick, den ich nicht so schnell vergessen werde. Genauso wie den Wind, der mir den Sand so sehr an die Beine peitschte, dass es fast schmerzte. Auch die Salzhöhlen waren ein Erlebnis für sich. Nicht zu vergessen der Sonnenuntergang, der allerdings nicht wegen seinen Farben speziell war war, sondern wegen dem Ort wo wir uns befanden: Inmitten der trockensten Wüste der Welt! Speziell für mich war zudem, dass mittlerweile die Sonne erst um 20.00 Uhr unterging.
Zurück im Hotel versuchten wir auf die Schnelle den Sand loszuwerden. Überall hängen Warnsignale, dass man bitte mit dem Wasser sorgfältig umzugehen habe, da dies vor Ort Mangelware ist. So kriegt man beim Duschen fast schon ein schlechtes Gewissen, ich zumindest. Apropos Duschen: Sowohl in Zentralamerika als nun auch in Südamerika ist es verrückt schwierig Duschgel zu finden, denn hier duschen alle mit Seife. Es kann also durchaus sein, dass man in einem riesigen Einkaufszentrum vor einer Wand mit tausend verschiedenen Shampoos steht aber kein einziges Duschgel sichtet. Wenn man danach fragt, wird man gross angekuckt und Badeschaum wird vorgeführt. Nur mit Glück findet man dann eine einzige Flasche Duschgel, meist völlig überteuert, aber die Suche wert.
Nachdem wir also unser Peeling hinter uns hatten, holten wir Dayne im ersten Hostal ab. Für diejenigen, die sich gewundert haben, weshalb ich die Hostalsuche anfänglich ausführte, hier kommt’s: Als ich nämlich an die Türe klopfte, wohinter ich Dayne glaubte, öffnete mir Timo die Türe! Ich wusste zwar, dass er auch da wir, schliesslich hatten wir uns auch auf der Salar-Tour zwischendurch gesehen. Trotzdem staunte ich nicht schlecht, in San Pedro de Atacama gibt es schliesslich unzählige Übernachtungsmöglichkeiten. Zudem schlief er auf meinem Smiley-Kissen. Leider aber ging es ihm und Lisa magentechnisch nicht hervorragend und so verbrachten wir den Abend nicht wie gehofft gemeinsam.
Während Yumi am nächsten Morgen schon fleissig ihre Weiterreise nach Santiago de Chile buchte, schlief ich erstmals aus. Danach machten wir uns auf die Suche nach einem feinen Restaurant, wo wir hiesige Spezialitäten essen können. Wir wurden fündig, allerdings war es das erste Mal, dass ich etwas schlichtweg nicht mochte und Yumi genauso wenig. Leider konnte ich mir nicht merken wie die Speise hiess, aber es war etwas mit Hackfleisch. Somit sollte dies meiner Geschmacksmeinung nach salzig sein, aber es war zusätzlich mit Früchten und somit süss. Egal, wir hatten ein grosses Glas Wein zum Spülen und verabredeten uns für ein Wiedersehen in Buenos Aires bevor ich Yumi zum Busbahnhof begleitete.
Da wir am Vortag noch nicht viel von San Pedro de Atacama gesehnen hatten, entschied ich mich, eine weitere Nacht zu bleiben und mir einen zweiten Eindruck von diesem Lehmdorf zu machen. Insgesamt sah es aus, als sei es allein für Touristen konstruiert worden: Ein Restaurant nach dem anderen, viele Souvenirladen und Tour-Agencies. Auf der Plaza traf ich auf Elena, eine clevere und natürlich hübsche Russin, die bereits am Vorabend mit uns essen war. Nach Kaffeeplausch vereinbarten wir, am Abend erneut zusammen dinieren zu gehen. Derweil besuchte ich Timo und Lisa, die noch immer kränkend in ihrem Zimmer weilten und kaufte mein Ticket nach Salta für den nächsten Morgen.
Eben an diesem suchte ich zeitig nach Frühstück, was sich als gar nicht so einfach herausstellte, insbesondere da ich nicht mehr viel chilenische Pesos übrig hatte und mein Lieblinsbäcker an der Plaza auch noch nicht da war. Und dann ging erst noch inmitten der Suche mein Flipflop kaputt und mein Ersatzpaar war beim Rucksack im Cocacola-Lastwagen, wo vorübergehend auf ihn aufgepasst wurde. Somit blieb mir nichts anderes als barfuss durch den Staubsand zu zotteln und aufzupassen, dass ich die Orientierung nicht verlor, denn insbesondere am Morgen, da noch praktisch kein Geschäft offen hatte, sahen alle Lehmhütten gleich aus. Die Blicke, die ich dabei erhielt waren eher seltsame... und ich wurde unfreundlich bedient, aber vielleicht ist der Monsieur auch einfach mit dem falschen Fuss aufgestanden... Pünktlich zurück beim Busterminal - jedoch nur mich Chips-Tüten bewaffnet - traf ich Leon wieder. Mit ihm hatte ich tagsvorher bereits kurz Bekanntschaft gemacht weil er mit Nils unterwegs war, der ein Smiley-Shirt trug – und ich natürlich ein Foto von ihm machte. Die beinahe 10-stündige Fahrt nach Argentinien inkl. Grenzübergang verlief reibungslos und wir erreichten Salta irgendwann nach 20.30 Uhr. Gerne liessen wir uns von einem Hostal überzeugen, was sogar den Taxiservice beinhaltet. Nachdem wir unser Gepäck kurz deponiert hatten, machten wir uns auf den Weg zur Balcarce, dies ist die Restaurant- und Barstrasse von Salta. Da wir deutlich underdressed waren, entschieden wir uns für eine Eisdiele, in der sonst niemand war, die Glaceauswahl jedoch riesig und absolut lecker! Ich glaube, ein so grosses Eis habe ich lange nicht gegessen.
Salta ist ziemlich gross und so war für mich schnell klar, dass ich am nächsten Tag weiterziehen werde. Ich hatte weder Zeit noch Musse diese Stadt kennen zu lernen. Zudem kam ich beim blossen Anblick der vielen Kleidershops am nächsten Morgen in einen total Rausch und eigentlich wollte ich mich dem Shoppingwahn erst in Buenos Aires hingeben – dafür dann so richtig, ich freu mich schon! Somit suchte ich mit Leon, dem Spar-Profi (und ziemlich genau 10 Jahre jünger als ich), kurz ein neues Hostal und ass mit ihm selbstgemachte Sandwiches im Park, wo uns die Tauben alle Krümel direkt von den Füssen pickten. Danach liess ich mich zum Busterminal fahren, von einem knapp 60jährigen Taxifahrer, der pro Tag drei Päckli Zigis raucht. Obwohl er harte Schicksalsschläge erlebte, ist er überzeugt: Das Leben ist so, wie du willst, dass es ist – auf Spanisch tönt das natürlich schöner, aber die Bedeutung bleibt dieselbe. Nichts neues unter der Sonne.
Trotzdem inspiriert bestieg ich den Bus nach Cafayate, einer der besten Weinregionen Argentiniens.
Ciao Adios Bye
Flavia
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen