Meine Lieben
Da ich mir den Namen Chacahua mal wieder nicht merken kann, nenn ich dieses Naturschutzgebiet liebevoll Chihuahua. Chacahua hat aber nichts mit Hunden zu tun, abgesehen davon, dass viele da rumstreifen und keinem der ca. 800 Einwohner zu gehören scheinen. Chacahua haben wir uns ausgesucht um endlich mal ein bisschen zu verweilen und so richtig anzukommen, ganze vier Tage und Nächte, woooohoooow (Mäddy, das ist erst der Anfang, ok?). Die Anreise war bereits spektakulär, denn nach Chacahua kommt man in den Regenmonaten nur mit dem Boot, da nützt auch ein funktionierender Ford 4x4 nichts, ausser man hat Lust stecken zu bleiben und abgeschleppt zu werden. Maurus hätte dies natürlich schon eigentlich gerne ausprobiert, denn für irgendwas hatte er ja so auf ein Auto mit 4x4 insistiert. Glücklicherweise liess er sich überzeugen, dass wir noch andere Möglichkeiten haben, die Funktionstüchtigkeit unseres Fords auf diesem Gebiet zu testen. So haben wir unsere Utensilien gepackt und sind kurz vor Sonnenuntergang auf’s Boot gestiegen um in den wunderschönen Lagunen durch die Mangroven nach Chacahua zu gelangen. Dort sind wir in einem äusserst simplen Zimmer einer Blockhütte abgestiegen, worin der himmelblaue Rüschchenvorhang, der die Toilette vom Zimmer abtrennte, irgendwie Latinocharme versprühte. Genauso wie das löchrige Moskitonetz über dem Bett, auf was wir trotzdem keine Nacht verzichteten. In der Dunkelheit suchten wir nach dem Einnisten den Weg zur Taceria von Ines, die uns wärmstens empfohlen wurde, da das Restaurant unserer Bleibe jeweils um 18.00 Uhr schliesst – das Manana-Prinzip wird hier definitiv gelebt. Ines empfing uns herzlich und servierte uns herrliche Tacos. So waren wir gewappnet für eine stürmische Nacht – ein Zyklon zog über Chacahua. Am nächsten Morgen wachten wir erst spät auf und öffneten als erstes die Türe unseres Zimmers um die Sonne reinzulassen: Wie fleissige Bienchen schienen alle Tüchtigen aus dem Dorf zusammen gekommen zu sein und das angeschwemmte Material aus dem Meer zusammenzutragen und mit Schubkarren hinter unser Zimmer zu bringen. Andere buddelten grosse Löcher um den „Abfall“ zu „entsorgen“, wieder andere verbrannten das ganze Zeugs am Abend. Leider fanden wir keine passable Erklärung weshalb nicht alle das gleiche Prinzip verfolgten... Trotz aller Emsigkeit der anderen gönnten wir uns als erstes ein Mexikanisches Frühstück um Energie zu tanken um ins Wasser zu steigen: Maurus mit seinem neuen grünen Surfboard von Ody mit dem Namen Biscuit und ich mit meinem schönen blauen Boogie-Board. Um dies zu kaufen (vor allem meine Flossen waren ein Theater!), brauchten wir in Puerto Escondido vorgängig ein bisschen Zeit - und vorgestern kriegten wir endlich unsere extra produzierten Surfboards von Ody: Maurus ein blaues Shortboard und ich ein pinkiges Funboard, wie Barbie und Ken – und sogar unsere Namen stehen da drauf, cool, oder? Ody ist ein Mexikanischer Surfmeister, der sich darauf spezialisiert hat Surfboards herzustellen, echt kompetent und sympa der Typ. Unsere Boards haben gute Vibes! Aber eben, in Chacahua hatten wir die noch nicht. Maurus surfte tapfer ein paar Wellen, war jedoch mit dem Spot resp. dem Zustand des Wassers durch den vornächtlichen Sturm nicht wirklich zufrieden und so blieb ich länger im Nass als er um dann beim Aussteigen zu bemerken, dass ich die Einweihung meines Boogie-Boards zu ernst genommen habe und nun Schürfungen auf dem Rist meines Fusses hab, wegen den Flossen. Somit war für die nächsten Tage süsses Ausschlafen angesagt während Maurus jeweils früh aufstand um die besten Wellen zu kriegen. Sogar als wir Mitten in der Nacht wegen einer unaufhörlichen Insektenplage erwachten und einen kleinen Skorpion in unserem Bett entdeckten und bestimmt eine halbe Stunde brauchten um dieses aus unserem Zimmer zu spedieren (mittels Petflaschen-Action), stand er am nächsten Tag früh auf um zu Paddeln – denn das tat er fast noch mehr als Surfen, da die Wellen leider nicht die angenehmsten waren. Trotzdem genossen wir die Zeit da und entspannten uns von der Autokauf-Geschichte so richtig: Essen, Lesen, Schlafen und Surfen – wobei letzteres nur auf Maurus zutrifft.
Vergangenen Samstag, vorgestern, sind wir dann nach Puerto Escondido zurückgekehrt. Erstens weil der Swell erst wieder Mitte der Woche gut werden sollte, zweitens um eben unsere Surfbretter in Empfang zu nehmen und drittens um den Wagen nochmals bei Francisco, unserem mexikanischen Ingenieur, vorzufahren um die letzten Ungereihmtheiten zu beseitigen. Zu unserer Freude fand in Puerto Escondido ein Quiksilver Contest statt. Da jedoch die berühmten grossen Wellen von Puerto Escondido zur Zeit grad nicht so gross sind, sahen wir noch keinen richtigen Profi-Run aber andere Surfer, auf die ich definitiv neidisch bin. Echt faszinierend, was die drauf haben! Genauso wie die mexikanischen Wrestler, deren Event Anzeige wir erst entdeckten, als die Show schon im Gange war. Die Damen und Herren des Roten Kreuzes, die lustigerweise für die Türkontrolle resp. Einnahmen des Geldes verantwortlich waren, gewährten uns trotzdem Einlass. Die kitschigen Kostüme und Masken und wagemutigen Angriffe und Verteidigungen sind natürlich alles Show und teilweise schon von weiten sichtbar. Die Stimmung in der Unidad Esportiva Benito Juarez (gedeckte Turnhalle) war dennoch toll! Gegen Ende der Show prasselte der Regen dann wieder so richtig runter und machte die ganze Atmosphäre noch spezieller. Puerto Escondido ist sowieso speziell, zwar sehr touristisch und dennoch kann man oben im Dorf noch das mexikanische Leben finden. Also mir gefällt’s und so bin ich auch nicht traurig, dass wir länger bleiben als geplant - weil Francisco und sein Gehilfe länger für die Aufpäppelung unseres Fords brauchen als nur den Samstag.
Mexico ist übrigens noch nicht so von Anglizismen verdorben wie die Schweiz: Happy Hour heisst da noch Hora Feliz und Take Away ist comida para llegar. Trotzdem gibt es in Puerto Escondido eine Bar die Eat Surf Love heisst. Lustig, denn endlich habe ich das Buch Eat Pray Love fertig gelesen, was ich bereits in Yogya gekauft hatte, jedoch erst in Mexico so richtig zu lesen begann. Den Teil über Indonesien resp. Bali hier zu lesen war erinnerungserfrischend und hat mir einmal mehr aufgezeigt, dass eine Woche Bali nicht reichte. Denn eigentlich habe ich über die Kultur noch weniger erfahren als ich ursprünglich dachte – nun aber mein Wissen durch das Buch immerhin bisserl ergänzt. Wohl wird es mir mit vielen anderen Orten in der nächsten Zeit genauso ergehen, was ich jedoch von überall her mitnehme sind Stimmungen resp. Gefühle und Geschichten und das sagt doch auch was aus, nicht?
Ciao adios bye
Flavia
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