18. Juli 2011

Abgefahren


Meine Lieben

Also, Cancún war ja eigentlich unsere Homebase und von da aus haben wir sozusagen einen Wochenendtrip nach Playa del Carmen und Tulum gemacht resp. wir haben spontan die Reihenfolge geändert und sind zuerst nach Tulum und dann zur Playa del Carmen, denn es hat mal wieder in Strömen geregnet – zum Glück hatten wir die Scheibenwischer noch ausgewechselt als wir die Pneus mit Nitrogen Gas gefüllt hatten. So haben wir den wunderschönen Strand mit vielen anderen Touristen bei Sonnenschein genossen. Wobei man dem Ort lassen muss, dass er definitiv viel Charme hat und die Leute da echt nett sind, vor allem der Hotelier Louis, der für uns nicht nur einen Special Deal arrangiert sondern uns auch noch zu seiner Lieblings-Garage geführt hat, weil wir dachten, wir können da verschiedene Dinge an unserem Ford fixen bevor wir in die Pampa fahren. Ging dann leider doch nicht, aber immerhin der Heckklappenschliessmechanismus und die Klimaanlage haben danach funktioniert. Und so sind wir halt am Montag doch wieder nach Cancún gefahren um eine richtige Ford Garage aufzusuchen und vor allem um uns auf dem Strassenverkehrsamt anzumelden resp. um die wirklichen Besitzer des Wagens zu werden. Die Jungs von der Riesengarage hatten dann aber nicht so Lust, unsere Bombinas (Zündspulen der Zylinder) auszuwechseln und so mussten wir nochmals eine Nacht bleiben. Das freute dann aber wiederum Gustavo, wodurch wir am nächsten Tag seine ganze Familie kennenlernten – in seinem Zuhause waren wir ja schon bei unserem ersten Treffen. Gustavo kann man sich übrigens als mexikanische Version von Roberto Begnini vorstellen, köstlich. Auf jeden Fall hat er uns am Dienstag wieder rumchauffiert, da wir ja kein Auto hatten. Auf die Isla Mujeres sind Maurus und ich dann aber alleine hin und haben eine Schnorkel-Touritour gebucht, die uns amüsiert hat. Und ein paar schöne Fische haben wir auch gesehen. Und ja, die Umschreibung auf dem Verkehrsamt haben wir gar nicht erst versucht, da uns die Stimmen von verschiedenen Seiten überzeugen konnten, dass dies gar nicht gehe, wenn man keine bestimmte Niederlassungsbewilligung habe, tja. Das war übrigens der Grund weshalb wir nach Cancún geflogen sind (also auch weil wir dachten, da hat's ein wenig Wind zum Kiten): Wir dachten Ulises kann uns genau bei solchen Adminzeugs helfen – falls sich jemand über den Riesensprung gewundert hat, den wir da unternommen haben, von San Diego nach Canún. Und kaum war das Auto definitiv wieder instand (dreams are our reality!) sind wir endlich definitiv abgefahren, in Richtung Pazifikküste. Wir hatten also eine ziemliche Reise vor uns und haben uns deshalb noch in Playa del Carmen mit verschiedenen CDs mit mexikanischer Musik eingedeckt um dann rauszufinden, dass der CD-Player in unserem schönen Gefährt nicht funktioniert. Mittlerweile haben wir eine Checkliste, was man bei einem Autokauf beachten sollte, lesson learnd! Aber Maurus und ich sind bekanntlich blauäugig. Da wir erst am späteren Nachmittag losgefahren sind, erreichten wir am ersten Tag „nur“ Campeche, eine romantische Kolonialstadt, in der wir eine kurze Nacht verbrachten um am nächsten Morgen wieder in eine Ford Garage zu fahren um das Getriebe zu zeigen, denn auf einmal leuchtete da ein Lämpchen auf, wenn Maurus wie so oft auf der Überholspur fuhr. Ein äusserst kompetenter Mitarbeiter teilte uns mit, dass die Behebung dieses Problems wohl länger dauern würde und wir jedoch noch bis Puerto Escondido fahren können, ohne abgeschleppt zu werden. Also fuhren wir wieder los, vorbei an bunten Häusern, an denen jeweils direkt an die Wand gemalt wird, was in den Shops verkauft wird. Viele dieser Häuser sehen bisserl so aus wie wir früher mit Papa Legohäuser gebaut haben, nur dass wir keine pinken Steine hatten. Auf dem Highway sahen wir vor allem Felder und viele Pemex-Tankstellen und leider wenig Schilder, so dass wir die direkte Ausfahrt nach Oaxaca (ausgesprochen wa’haka) verpassten ohne dies zu bemerken. So fuhren wir wider unseren Vorsätzen trotzdem nachts und übernachteten in einem völlig unbekannten Ort, immerhin fanden wir ein Hotel. Auch dieser Besitzer hiess Louis, und war definitiv vom anderen Ufer, was die fixierte Duschbrause in Penisform bestätigte. Ausser uns befand sich noch ein Fisch-Verkäufer im Hotel, der am nächsten Morgen früh seine Fische auf dem Markt verkaufen wollte. Diese stanken jedoch bereits in der Vornacht so sehr, dass er bestimmt keine Abnehmer fand. Dies war es jedoch nicht, was uns die erste Magenverstimmung brachte. Wohl hatten wir bei den Damen an der Raststätte zu herzhaft die Tacos genossen – bis anhin war das billigste Essen abseits der Touristenmeilen das beste, bietet halt aber eben andere Tücken. Wir konnten am nächsten Morgen unsere Tour trotzdem weiterführen, allerdings nicht so lange, denn direkt bei der Einfahrt der Maut-Kostenstelle versagten unsere Bremsen, wir waren zum Glück im Schneckentempo unterwegs und die Polizei wartete hinter der Maut-Kostenstelle. Diese erwies sich tatsächlich als Freund und Helfer und telefonierten kurzerhand einem Mech, der auch irgendwann vorbei kam und sich uns fachmännisch annahm: Eine Bremsbacke ging unterwegs verloren – wohl weil hier überall Topes (Bremsschwellen) installiert sind und wir nicht immer alle gesehen haben - und dadurch ist die Bremsflüssigkeit ausgelaufen. Vor Ort wurde diese Bremsbacke (nein, ich habe immer noch keine Ahnung von Autos!) ausgewechselt und alle anderen überprüft und wir konnten endlich weiterfahren, kaum hat’s zu regnen begonnen. Trotzdem erreichten wir Oaxaca und fuhren nach Check-In in einem schönen Hotel mitten an der Plaza Zocalo zum riesigen Tule Baum, den man nur zu mindestens zehnt umarmen kann. Am nächsten Morgen fuhren wir wieder los und waren froh, hatten wir durch den netten Polizisten eine Vorwarnung erhalten: Die bevorstehende Strecke war zwar durchaus landschaftlich interessant und schön - vor allem der Kakteenwald - auch bei sintflutartigem Dauerregen, aber so kurvenreich wie ein ganzer Pirelli-Kalender nicht ist, echt abgefahren. Nach ca. sieben Stunden sind wir endlich erschöpft in Puerto Escondido, einem Surfer-Mekka, angekommen. Das war vor zwei erlebnisreichen Tagen und nun müssen wir schlafen, denn morgen früh bringen wir unseren Ford mal wieder in die Garage um das heute begonnene Geflicke am Getriebe fertig zu stellen sowie meine Fensterknöpfe zu reparieren, damit ich selbständig das Fenster öffnen und schliessen kann. Und dann können wir nach dem x-ten Garagenbesuch (unser Spanisch wird dafür immer besser!) endlich wirklich definitiv abfahren, ab nach Chacahua um dort mal bisserl länger zu bleiben und vor allem richtig zu surfen!

Ciao adios bye

Flavia

2 Kommentare:

  1. Hey ihr 2

    Das hört sich voll nach einem Stress an, lol. Ihr seit ja auch ziemlich schnell unterwegs. Jetzt chillt doch zuerst irgendwo hin, kommt mal an und fahrt mal runter mit euerem ganzen Stresszeugs. Ihr habt ja soooo viel Zeit. Lieber weniger machen und dafür geniessen.

    Ganz liebe Grüsse
    mäddy

    NICHT in der Nacht fahren meine Lieben!!!!

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  2. hey mäddy, der nächste blog wird dich zufrieden stellen :-) danke für die fürsorge! liebgruss aus puerto, papa!

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