21. November 2011

El ombligo del Mundo


Meine Lieben

Ecuador war mir gleich zu Beginn sympathisch. Kaum die Grenze überschritten, fuhren wir durch eine belebte Strasse. Siehe da, dieselben Luftballons, die bereits in Bogotà meinen Tag versüssten, wurden auch hier feil geboten. Mitten im Ballon-Strauss entdeckte ich jedoch ein unbekanntes Smiley-Gesicht, welches ich natürlich mein nennen wollte. Wie immer wenn wir kurz anhalten um nach der Richtung zu fragen, oder eben in diesem Fall, um einen Ballon zu kaufen, ging das Hupkonzert hinter uns los. Eigentlich meinten wir ja, Latinos seien alle schrecklich relaxt. Wenn es jedoch um’s Autofahren geht, hört diese Entspannung auf. Und wenn es sich um die Polizei hinter uns handelt, sowieso. Wie dem auch sei, ich hab meinen Ballon gekriegt und ihn stolz den restlichen Abend in Ibarra vorgeführt. Eigentlich wollten wir ja bis nach Otavalo, was bekannt ist für seinen bunten Markt, aber es war schon wieder spät. So genossen wir Ibarra mit den verschiedensten, nett beleuchteten Plazas. Vom Besitzer unseres Hotels wurden wir aufgeklärt, dass an diesem Abend vieles geschlossen blieb, weil eine Festwoche wegen Allerheiligen herrscht und deshalb alle an den Strand ziehen. Mit einigen von denjenigen, die in der Stadt geblieben sind, haben wir Znacht gegessen. Und zwar in einem ebenerdigen Erkerchen in einem alten Mauerwerk. Von diesen Erkerchen gab es bestimmt 20 nebeneinander und in jedem hatten nur grad sechs Personen Platz, heimelig also und unglaublich günstig.

Am nächsten Morgen sind wir durch beinahe menschenleere Strassen in Richtung Canoa weitergefahren. Natürlich nicht ohne uns vorher mit den obligaten Empanadas einzudecken. Diese meist frittierten Teigtaschen gibt es in unterschiedlichsten Ausführungen und Füllungen und wir lieben sie heiss.

Der erste Halt war in der Mitte der Welt, en la Mitad del Mundo: In Ecuador befindet sich nämlich das einzige Gebiet weltweit, in dem der Äquator an festen, natürlichen Orientierungspunkten verläuft. Sein restlicher Verlauf geht über Wasser und durch sich ständig verändernde Regenwaldgebiete. Bemerkenswert fand ich, dass bereits vor über 1000 Jahren die Mitte der Welt entdeckt und ein Monument errichtet wurde.

Der zweite Stopp war in Quito, wo wir zu zweit fast ein ganzes Hähnchen verdrückten, sonst aber nur durch die Stadt durchfuhren, stolzerweise auf direktem Weg. Nach dem Essen erwartete uns allerdings eine Nebelstrecke bevor wir die vielen Stelzenhäuser entdeckten. Diese waren nicht wegen dem Wasser so hoch gebaut, sondern wohl wegen Viechern, dies ist aber nur eine unserer Hypothesen und nicht bewiesen.

Da die Fahrt länger dauerte als gedacht, war es bereits wieder dunkel, als wir in Canoa eintrafen. Dies hat sich allerdings gelohnt: Die neue Brücke, die Bahia de Caràquez mit San Vicente verbindet (...über diese Brücke muss man fahren...), ist in der Nacht definitiv und wortwörtlich ein Highlight, fast schon ein bisschen romantisch. Dieses Gefühl war jedoch schnell weg, als wir in Canoa eine erste Runde drehten um ein Hotel zu finden: Feiernde Menschen beinahe überall und alle Zimmer bereits besetzt. Hier weilten also alle Leute, die in Ibarra nicht waren! Nach ein paar ernüchternden Absagen genossen wir erstmals ein Fleischspiess mitten auf der Strasse, mit Bier selbstverständlich. Gestärkt wurden wir schlussendlich auch fündig und gingen nach richtigem Znacht noch auf ein paar Drinks aus. Der Alkoholpegel half dann auch trotz Riesen-Krach schnell einzuschlafen. Damit man sich den Lärmpegel vorstellen kann, ein kleines Beispiel: In allen erdenklichen Ecken wurden Verstärker und Bässe auf Hochtouren gedreht. So vibrierte die Stimmung so sehr, dass bei den rumstehenden Autos die Alarmanlagen losging. Was wiederum zu noch mehr Mais und Durcheinander führte. Insgesamt bot Canoa auf jeden Fall ein Bild, was sich zu sehen gelohnt hat. Trotzdem sind wir am nächsten Morgen weitergezogen. Da Maurus bereits über zwei Wochen kein Brett mehr unter den Füssen hatte, wollte er surfen. Und in Canoa wehte einerseits Onshore Wind, anderseits war der ganze Strand mit Ecuadorianern überfüllt, die trotz Kälte munter badeten. Marc schloss sich uns an. Den Kanadier hatten wir am Abend vorher kennen gelernt und er war ebenso auf Surfkurs. Ayampa war das erste Ziel, allerdings herrschte dieselbe Windsituation, weshalb wir nach lecker Burritos essen wieder aufbrachen. Mittlerweilen fuhren wir durch karge Landschaften, die fast schon an Wüste erinnerten und uns Abwechslung boten. In Montañita angekommen, erwartete uns ein ähnliches Spektakel wie in Canoa, nur mit noch mehr Leute. Maurus verschwand sofort im Wasser, während Marc und ich für Übernachtung sorgten. Ich war erstaunt, einerseits über die Grösse des Strandes, anderseits über die Menge von Hotelmöglichkeiten! Montañita war das bis anhin wohl krasseste Touristennest, in das wir je eingetaucht sind und es war die Hölle los, aber friedlich. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie dieser Ort ist, wenn keine nationale Feierwoche herrscht. Sind dann alle Restaurants leer? So viele Backpacker hab ich nämlich nicht gesichtet. Interessant war auch, dass die Preise dank dieser Feiertage verdoppelt bis verdreifacht wurden – ansonsten hatten wir nämlich das Gefühl, Ecuador sei das billigste Land bis anhin.

Den nächsten Morgen nutze ich um einen Streifzug durch die Strassen des Dorfes zu machen und war abermals überrascht über das Angebot. Derweil widmete sich Maurus dem Surfvergnügen, allerdings nicht vollkommen zufriedenstellend. Da er wusste, dass in Peru das Nonplusultra Surf Mekka auf ihn wartet und ich mal wieder einen Platz zum Verweilen finden wollte, war schnell klar, dass der nächste und letzte gemeinsame Grenzübergang ruft! An diesem Tag selbst haben wir es nicht bis nach Peru geschafft und in Naranjal übernachtet. Diese Stadt ist null für Touristen gedacht und so fanden wir grad mal drei Hotels. Zwei davon bereits ausgebucht. Im letzten, was zugleich das freundlichste war, hiess es zuerst auch, es sei alles voll. Aber wie schon so oft, fand sich dann interessanterweise doch noch ein Zimmer auf zweite Anfrage. Danach auf der Suche nach einem Abendessen entdeckten wir ein Konzert auf der Plaza de las Armas. Der Platz war bis auf ein paar Nasen leer, obwohl es Samstagabend war. Klar, es sind ja alle in Canoa und Montañita, dachten wir. In der Nacht allerdings hörten wir vergnügten Partylärm und mussten einmal mehr erkennen, dass wir noch immer keine Ahnung haben: Um 20.00 Uhr ist logo tote Hose, das Fest ging erst später so richtig los! Interessanterweise waren am nächsten Morgen früh die Strassen dennoch schon richtig belebt und wir konnten ganze Familienscharen beobachten, wie sie frisch geschniegelt in schönster Kleiderpracht in Richtung Kirche zogen. Und auch wir machten uns von dannen. Um ein praktisch leeres Zollgebäude zu betreten, super beschriftet. Wir freuten uns schon, so einfach war’s noch nie! Leider aber war das Auto-Office geschlossen, weil Sonntag. Zusammen mit dieser Info liessen uns die Herren wissen, dass wir nicht einreisen können, wenn der Autoausweis nicht auf unseren Namen lautet, und das tut er nicht. Wie auch immer, wir fuhren also zum anderen Zoll. Bis heute ist uns nicht klar, wie die beiden Grenzübergänge zusammen spielen, aber wichtig ist, dass wir schlussendlich ohne Probleme und durch eine bunte Einkaufsstrasse einreisen konnten.

Hier sind wir nun, im Land der Inkas und geniessen unsere letzten gemeinsamen Tage.

Ciao Adios Bye

Flavia

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