Meine Lieben
Vorgestern Abend haben wir dieses Örtchen zum Verweilen im Lande der Schaukelstühle schlechthin gefunden: Buena Onda Resort, Popoyo. Das hat eine gute Woche gedauert, aber nicht weil wir so anspruchsvoll oder verwöhnt wären, sondern weil es auf dem Weg dahin so viel zu sehen gibt, Nicaragua ist extrem abwechslungsreich. Unsere erste Nacht haben wir in Somoto verbracht, sind dann aber am nächsten Tag ohne Schluchtbesichtigung nach Esteli weitergezogen, was unser ursprüngliches Ziel war. Esteli zeichnet sich durch viele farbig bemalte Mauern aus und ich bin voll auf meine Smiley-Kosten gekommen – ohne, dass Maurus eine Vollbremse einlegen musste oder gar Eddie wenden, damit ich das Foto kriege. Eigentlich schade, gibt es in der Schweiz so viele Richtlinien, der Alltag wäre viel bunter, wenn ein bisschen mehr Kreativität erlaubt wäre. Dieses Städtchen verdient ihr Geld aber insbesondere durch die Tabakindustrie und Kaffeeplantagen. Per Zufall sind wir zu der Zigarrenfabrik gelangt, welche die einzige ist, die total biologische Zigarren herstellt. Sergio, offiziell Brand Embassador in Person, hat uns grosszügig und voller Stolz die Produktion gezeigt. Wir waren fasziniert, dass alles in Handarbeit geschieht, vom Fermentieren, Rollen bis zum Etikettieren und Einpacken der Zigarren. So beschäftigt das Familienunternehmen Plasencia um die 700 Arbeiterinnen und Arbeiter, die sich glücklich schätzen, eine kollegiale Arbeitsatmosphäre zu geniessen. Leid taten uns aber diejenigen, die in Ammoniakluft arbeiten müssen - uns hat es fast den Atem genommen.
Um ein paar Zigarren reicher, fanden wir Unterkunft in einem gemütlichen Bed & Breakfast bei einer Nica-Familie. Als wir abends heim kamen, war die Abuelita grad müde am Nachrichten kucken. Nebenbei hat sie uns ein bisschen über die Situation in Nicaragua aufgeklärt. Auch hier stehen bald die Wahlen für einen neuen Präsidenten an, wobei der Amtsinhaber, Daniel Ortega von der Sandinisten Partei resp. FSLN - die Sympathie der Nicas für diese Partei ist allgegenwärtig - wohl wieder antritt. Zur Zeit ist dies gesetzeshalber noch illegal, vielleicht wird dieses Gesetz aber auch extra abgeschafft. So habe ich das zumindest verstanden. Und der Polizeichef ist eine Frau, die Korruption hasst und dieser den Kampf angesagt hat, was nicht schlecht zu funktionieren scheint, an der Pazifikküste besser als an der Karibik.
Nach Nica-Frühstück in der Familienküche sind wir am nächsten Mittag nach León gefahren um die grösste Kathedrale von Zentralamerika anzukucken. León konnte unser Herz nicht auf Anhieb erobern, weshalb wir uns entschieden, die Nacht nicht da zu verbringen. Fast mussten wir dies jedoch trotzdem tun, wir fanden Eddie nämlich nicht mehr: Weil uns die Hitze so faul machte, liessen wir uns in einer Rischka rumkutschieren und haben dadurch die Orientierung komplett verloren. Irgendwann setzte der Verstand aber wieder ein und wir waren überglücklich Eddie am Strassenrand winken zu sehen.
Unser nächstes Ziel war Managua: In der Hauptstadt wollten wir einen weiteren Wunderheildoktor für Maurus Rücken aufsuchen. Nach unserer Irrfahrt in Guatemala City waren wir nun schlau genug einem Taxifahrer die gewünschte Adresse zu nennen und diesem hinterher zu fahren. Ok, Maurus wollte dies schon damals tun, aber ich habe darauf bestanden, meine Kopilot-Pflichten zu erfüllen und selbst den Weg zu finden. Das kann ich nämlich zu Fuss spielend, aber nicht im Auto sitzend fahrend. Wie auch immer, wir sind mal wieder im Dunkeln im gewünschten Hotel angekommen. Die Bar um die Ecke bot Musica en Viva und das richtige Ambiente um unsere organic Zigarre zu zünden. Natürlich verbunden mit einem Schachspiel und ich hab endlich auch Mal gewonnen! Am drauffolgenden Tag folgten wir dem Tipp der Hotelangestellten und besuchten einen Oldschool-Physiotherapeuten, der Maurus schmerzenden Rücken mit Infrarot, Elektrostimulation und Ultraschall behandelte, frei nach dem Motto: Nützt's nichts, so schadet’s nicht. Es hat nichts genützt und wir sind nach Granada gefahren. Granada ist ein schmuckes Städtchen und ladet zum Dolce far niente ein. Im Hotel con Corazon – was den ganzen Gewinn in die lokale Bildung der Kinder investiert, nomen est omen - fühlten wir uns pudelwohl und rundum aufgehoben. Neben Strolchgängen durch die Gassen, feinen Restaurantbesuchen und unglaublich viel süssem Nichtstun, fand Maurus den urchigen Doktor Caballero und den Chiropraktiker Amos, die endlich richtig überzeugten und Maurus Rücken Linderung brachten. Nach drei erholsamen Nächten war erneut Zeit aufzubrechen und die Laguna de Apoyo zu besichtigen. Das ist ein alter Kratersee, wunderschön und inspirierend ruhig. Auf dem Weg dahin kamen wir an den Pueblos Blancos vorbei, die gar nicht weiss sind, dies aber mal waren, also die Häuser, nicht die Menschen. Ach ja und vorher haben wir einen Bootstrip zu den saftig grünen 350 Isletas de Granada gemacht, die vor langer Zeit wegen eines Vulkanausbruchs entstanden sind. Auf diesem Ausflug haben wir 70 (wir haben nicht mitgezählt, aber das wurde uns erzählt) der Inseln gesehen, unter anderem diejenige der reichsten Nica-Familie, welche alle möglichen Geschäftsketten besitzt. Das Highlight dieses Trips war für mich definitiv die Schüttelblume: Der ca. sechsjährige Sohn des Bootsführer präsentiere uns stolz und mit einem schüchternen Lächeln zwei gelbe Stäbe, die der Papa vorher an einem Wasserstrauch abgeknickt hatte. Maurus und ich hatten beide Fragezeichen im Gesicht, da wir die Faszination des Kleines nicht teilen konnten. Als dieser die gelben Dinger jedoch schüttelte und weiss-rote Blumen zum Vorschein kamen, war auch ich entzückt!
Weiter ging es zur Isla de Omepete, welche im Lago de Nicaragua liegt und von knapp 30'000 Personen bewohnt ist. Nicht ganz klein also und so nahmen wir Eddie mit. Die Insel besteht aus zwei Vulkanen, von denen einer gar noch aktiv ist, aber 1957 zum letzten Mal ausbrach. Wir bestiegen keinen der Vulkane, schwammen aber im Ojo de Agua (Auge des Wassers), im klarsten Tümpel, den wir je gesehen hatten. Eben dieser Tümpel bietet alle Vorzüge einer Mineralquelle, abgesehen vom warmen Wasser. Beim Eingang erzählte uns der Kontrolleur die lustigsten Geschichten, wofür dieses Wasser alles gut ist, so dass unser Bauch schmerzte vor Lachen. Nach dem Bad fühlten wir uns definitiv 10 Jahre jünger und schöner und Maurus war soeben nach über drei Wochen Pause endlich wieder schmerzfrei surfen - und das Päckli mit den Tauchertropfen ist heute Morgen unerwarteterweise angekommen (danke Locke!), somit steht dem süssen Wasservergnügen nichts mehr im Wege!
Ciao Adios Bye
Flavia
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