Meine Lieben
„Nicaragua ist wie ein ungeschliffener Diamant. Von aussen sieht vieles runtergekommen, unspektakulär und ärmlich aus, aber wenn man dahinter kuckt, entdeckt man Wunderbares.“ Das sind die Worte von Dennis, die wir nur unterstreichen können! Dennis hat 10 Monate im Buena Onda Resort als Mädchen für alles gearbeitet und die CH-Besitzer, Sarah und Philipp mit der kleinen Alana Sophia, tatkräftig unterstützt. Nebenbei hat er aber auch die Zeit gefunden, die Umgebung samt Menschen zu erkunden. In seinen Erzählungen hat er uns ein bisschen daran teilhaben lassen. Genauso wie Marc, der seit über einem halben Jahr unterwegs ist und gut eineinhalb Monate da verbracht hat. Natürlich erhalten auch Maurus und ich viele Eindrücke und sprechen mit unterschiedlichsten Leuten, das ist dennoch anders als irgendwo tatsächlich zu leben und arbeiten, aber weder besser noch schlechter. Die beiden Jungs surfen auf jeden Fall auch wie die Wilden und so hatte Maurus wieder Sparring Partner für Wellengänge und Surfdiskussionen, was ich ihm von Herzen gönnte. Es war aber nicht nur Surfen angesagt. Einerseits weil mein Board nach meiner zweiten Session für zwei Tage zum Board Doktor musste und andererseits weil der Tag ja bekanntlich 24 Stunden hat und auch Maurus Rücken nach wie vor bisserl Schonung gut tat. Langweilig geworden ist uns dennoch nicht, mittlerweile können wir ganz gut nichts tun (quatschen, lesen, essen, in der Hängematte hängen, im Pool plantschen, spielen...) und die Zeit vergeht dennoch im Flug. Mit den beiden Jungs und Kathi, welche die beiden besuchte, fuhren wir an einem unsurfbaren Tag nach San Juan de Sur um die besten Sandwiches dieses Ortes zu verzehren und Jesus Christus auf dem Berg hallo zu sagen. Dieser Herr ist 24 Meter hoch (und somit wohl die zweithöchste Jesus Statue auf der Welt) und bewacht mit seiner schützenden Hand den Ort vor Bösem, wobei da viele Touristen sind und wo die sind, werden sie auch beklaut – natürlich ist das nicht die Tagesordnung, passiert aber immer mal wieder. Unser Schutzengel haben aber einmal mehr ihr bestes gegeben. Die haben allgemein schon gute Arbeit geleistet bis anhin, wenn wir andere Geschichten so hören. Auf jeden Fall hat das Besteigen des Hügels einige Schweisstropfen gekostet, der Sonnenuntergang hat dies aber mehrfach wieder Wett gemacht.
Manchmal sind wir auch abends ausgefahren um andere Ambiente zu geniessen. Am meisten fasziniert hat mich das Restaurant Jolanda, benannt nach der Köchin und Besitzerin. Jolanda ist bestimmt über 60 Jahre alt und begrüsst alle Gäste einzeln mit einer Umarmung und einem Kuss auf die verschwitze Schulter inklusive. Gut, bei uns war das keine grosse Leistung, da wir wegen Nebensaison die einzigen Gäste waren. Wenn dann aber Hauptsaison herrscht, sei der Laden pumpenvoll. Und auch dann zieht sie das Willkommens- und Tschüssprozedere durch und steht nebenbei auch noch in der Küche und kontrolliert das Essen, was richtig gut schmeckt. Da fühlt man sich definitiv Herzlich Willkommen! ...was man von aussen nicht auf den ersten Blick sieht.
Granada hingegen sieht schon von aussen schmuck aus. Wenn man dann aber in ein geöffnetes Tor kuckt, noch schmucker: Ein grosszügiger Innenhof oder eine gemütliche Stube, in der es üblicherweise viele grosse Schaukelstühle gibt, laden zum Verweilen ein. Und deshalb haben wir uns entschieden, den Unabhängigkeitstag am 15. September da zu verbringen. Wir waren überzeugt, dass wir da ein Fest sondergleichen erleben werden, hatten wir doch schon öfters die Trommelparadenübungen miterlebt. Dennis, Marc und Kathi passte das auch in den Kram und so erhielt ich die Gelegenheit Chickenbus zu fahren. Mit dem lieg ich Maurus ja schon lange in den Ohren. Der Bus heisst nämlich so, weil da nicht nur Menschen mitfahren sondern eben auch Hühner. Während dem die Jungs also nochmals surfen waren und Eddie optimal packten, machten Kathi und ich uns auf den Weg um über Rivas nach Granada zu gelangen. Holperwege waren inklusive, aber keine Hühner, und auch keine sonstigen skurrilen Begegnungen - abgesehen von den Marktschreiern die im Bus ihr Essen verkauften -trotzdem mal was anderes, wieder weder schlechter noch besser.
Voller Erwartungen standen wir am nächsten Tag auf, um dann zu erfahren, dass wohl morgens um 7.00 Uhr ein kleiner Umzug stattgefunden hatte, nun jedoch die Trommelkinder in andere Dörfer gegangen sind, um diese zu beglücken – und die Feste vor allem innerhalb Familien gefeiert werden. Tja, wir kannten keine. Dennis, Marc und Kathi nahmen somit wie geplant die Fähre zum Rio San Juan und wir entschieden uns, doch mal noch einen Vulkan aus der Nähe zu betrachten. Der Vulcano Masaya lag in der Nähe und da wir die Strecke bereits kannten, fuhren wir ohne Umwege stolz dahin. Auf der Auffahrt nahmen wir ein Spanierpärchen mit, das in der Hitze schmorend die Daumen in die Höhe hielt. Zwar mussten sie sich einen Sitz teilen, den wir mit ach und krach frei machen konnten, aber das waren sie sich vom Chickenbus fahren scheinbar gewohnt. Am Gipfel empfing uns eine Schwefelwolke, die uns zum Husten nötigte und unsere Augen juckten. Dennoch liessen wir uns nicht davon abhalten auch die kleine Chinesische Mauer hochzulaufen, um die gesamte spektakuläre Aussicht zu geniessen. Wegen Gesundheitsrisiken sollte man nicht länger als 45 Minuten da oben bleiben, wie dies der Parkwächter aber acht Stunden am Tag durchhält, ist uns schleierhaft. Auf dem Rückweg besuchten wir das Vulkan Museum, wessen Grösse uns beeindruckte. Das Pärchen hauste in Masaya und so chauffierten wir die beiden dahin, wo wir einen Handwerksmarkt besuchten. Währenddessen wurde Eddie für ein Heidengeld gewaschen und glänzte weiss als wir im beginnenden Regen wieder kamen. Der Wäscher wollte aber noch die Pneus reinigen und so dachten wir an Bier. Der beginnende Regen goss mittlerweile jedoch in Strömen, wodurch wir auf die Schnelle in einer offenen aber doch geschützten Beiz in Mitten von Einheimischen Unterschlupf fanden. Müde und zufrieden schliefen wir an dem Abend so früh ein wie noch nie. Wir hatten uns ja aber für die zwei Nächte Granada ein extra schönes Hotel geleistet, so hat es sich wenigstens gelohnt! Und am nächsten Tag wollten wir schliesslich fit sein für den Grenzübergang nach Costa Rica. Bevor wir diesen jedoch in Angriff nahmen, liessen wir Eddie ein bisschen richten, der von den Holper- und Flusswegen ein klein wenig havariert war. Und dann wurden wir von einem ganz genauen Polizisten gestoppt, der uns beim Überholen an doppeltdurchgezogener Streifenstrasse erwischte. Zuerst wollte er uns eine Busse geben, was ja ok gewesen wäre. Aber dann hätte er uns den Führerausweis entführt, den wir dann nach Einzahlung wieder gekriegt hätten. Uff. Und bestechen lassen liess der sich nicht, die Polizeichefin macht echt gute Arbeit. Wir haben’s zum Glück gar nicht erst versucht, denn dann hätte er uns bestimmt doppelt gebüsst. Lange Rede kurzer Sinn, wir zeigten uns reuig und durften weiterfahren.
Bei der Ausreise aus Nicaragua kam uns zum ersten Mal unser Mexikanisches Nummerschild in die Quere: Wir mussten alles Gepäck rausholen und Eddie wurde inspiziert. Alibiübung, denn das Gepäck wurde keines Blickes gewürdigt. Die Einreise in Costa Rica verlief dafür tadellos, hat einfach ebenso viel Zeit beansprucht. Nun aber sind wir da und trotz Touristenscharen vielerorts müssen wir eingestehen, dass dieses Land seinen Namen definitiv verdient hat! Und statt Que Onda? (Was geht ab?) hören wir nun Pura Vida überall, was wollen wir mehr?
Ciao Adios Bye
Flavia
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